Hope

Da hängt es verschwendet an der Fassade eines Baumarkts. Das perfekte Wahlplakat. Ansprechend. Emotional. Wegweisend. Wieso tritt der nicht an? Ick würd' den wählen. Pfeif doch auf die ganzen Soziologen, Beamten, Juristen, Quotentulpen und ungelernten Apparatniks in ihren vollgefurzten Sabbelbudensesseln. Her mit dem ehrlichen Currybrater. Los doch, trete an, Junge, ich geh' für dich Plakate … Weiterlesen Hope

Pest Pocke Post

Hut ab, meine beschissene Postfiliale hier in Prenzlauer Berg zieht alle Register, Kunden abzuschrecken, zu vergraulen oder, wenn diese sich nicht abschrecken oder vergraulen lassen oder einfach aufgrund des Quasi-Monopols zum Aufenthalt dort gezwungen sind, allen diesen Ausgezehrten vor ihren Toren ihre ganze Verachtung spüren zu lassen. Zunächst wird auch hier das patentierte und bei … Weiterlesen Pest Pocke Post

Celle / 2020

Hannover Hauptbahnhof Hangout. Auf dem Weg nach Celle sammle ich Eindrücke. Ich finde es immer angenehm, wenn Menschen nach nichts oder zumindest nach wenig riechen. Auf der Zugfahrt fällt mir wieder auf, warum das bei mir so ist. Männer mockern gerne schweißig. Dieser Moschusdunst. Nasenpieken. Flachatmen. Zu nachlässig geduscht. Oder gar nicht. Unterhemd von gestern … Weiterlesen Celle / 2020

Hirnsudelei 01/20

Um den Jahreswechsel herum hat der sich selbst in die Überflüssigkeit sendende öffentlich-rechtliche Rundfunk endgültig jede Contenance verloren und mit dem Eigentor der umweltfickenden Omasau sein letztes verbliebenes Klientel (wenn man bündnisgrüne Mandats- und Hoffnungsträger mal beiseite lässt) verprellt. Schauen Sie zu den Ablegern ins Internet, direkt zum WDR oder hören Deutschlandfunk, dann scheint immer … Weiterlesen Hirnsudelei 01/20

Lost im TXL-Bus

Und wieder der dumme Flughafen Tegel. Dauernd grüßt der Goblin. Ich muss seit letztem Jahr wieder öfter dort sein. In Tegel. Am Flughafen. Weil ich wegen des Dauergetrommels der spoiled Klimanöler, die seit gestern niemand mehr hysterisch nennen darf, keinen Deutsche-Bahn-Zug mehr für die ständigen überflüssigen Borgwürfelarbeitgeberreisen nach Frankfurt buche, sondern jedes Mal einen Kurzstreckenflug … Weiterlesen Lost im TXL-Bus

Exegese des Treuepunkts

Neulich in Wutausbruchhausen: "Sammeln Sie Treuepunkte?" Treuepunkte. Treuepunkte. Treuepunkte. Mir rieselt der Kalk aus dem Ohr. Drei-, vier-, fünfmal die gleiche Frage in der Woche, sinn- und hirnlose Konversation, von oben angeordnetes Interesse an einer Sammelleidenschaft, die mir schon immer dort vorbeigeht, wo noch nie die Sonne schien. "Sammeln Sie Treuepunkte?" Treuepunkte? Geht's noch? Ich … Weiterlesen Exegese des Treuepunkts

Lost in Słubice

Willkommen in Polen. Serdecznie witamy am anderen Ufer von Frankfurt an der Oder. Ich mache einen Stopp. Überlege, was ich mitbringen kann und finde nichts hier auf dem Bazar in Słubice, von Kleingeistern immer noch liebevoll „Polenmarkt“ genannt, der seit Jahren leidenschaftlich seinen unvermeidbaren Niedergang pflegt. In den 90ern war der Markt so etwas wie … Weiterlesen Lost in Słubice

Klamotten kaufen…

... ist schwere Arbeit. In jedem Einkaufszentrum haben Sie 50.000 Klamottenläden für Frauen und exakt einen für Männer, wenn Sie New Yorker, H&M und andere Glitzerkinderklamottenverticker aus Erwachsenseingründen beiseite lassen wollen. Der eine Laden für Männer in einem klassischen Einkaufszentrum ist meistens ein aus den 70ern des letzten Jahrtausends herbeigeflogener staubiger Herrenausstatter mit Anzügen für … Weiterlesen Klamotten kaufen…

Hirnsudelei 12/19

Der Grund für die verdrängende Wirkung des Hipsters ist freilich nicht, dass er früher oder später an jedem einigermaßen originellen Ort in Berlin auftaucht (auf dem Teufelsberg, im Berghain, in Weddinger Kneipen). Seine zerstörerische Kraft liegt vielmehr darin, dass er sich so aufführt, als ob er all diese Orte persönlich erfunden hätte - um sich … Weiterlesen Hirnsudelei 12/19

Saarbrücken / 2019

Saarbrücken an einem Montag. Der Borgwürfel, des Universums sympathischster Arbeitgeber und sprudelnder Quell von Manna und Glückseligkeit, möchte, dass ich in Saarbrücken der seligen Kundschaft Scheiße erzähle. Im Gepäck habe ich die Crėme de la Crap der blasierten Schnöselköpfe aus der Frankfurter Partnergruft. Der Berliner Scheißequatscher trifft somit auf die Frankfurter Scheißequatscher, um die scheißequatschanhörenden … Weiterlesen Saarbrücken / 2019

Frau Süßenbach heißt nur so

Auf diesen Gehwegplatten stehend habe ich Frau Süßenbach zum ersten Mal geküsst. Lange bevor der Terror kam. Frau Süßenbach konnte gut küssen. Frau Süßenbach konnte charmant sein. Frau Süßenbach konnte aufmerksam sein. Sehr zuvorkommend. Sanft. Dort auf diesen Gehwegplatten stehend nicht gesehen habe ich Frau Süßenbachs anderes Gesicht. Das andere Gesicht zeigt Frau Süßenbach erst, … Weiterlesen Frau Süßenbach heißt nur so

Lost in Bornholmer St.

Der Morgenschiss der kommt gewiss und wennet erst am Mittach is. unbekannter Trinker an der Theke des Pub 82 Irgendwann nach Mitternacht gleichgewichtsversage ich die Bornholmer Straße entlang in der fehlgeleiteten Annahme, hier sei irgendwo noch was los. Doch nur nix. Leerende Gähne. Alles zu. Wonach ich mir vorkomme wie in Gießen. Wiesbaden, Heilbronn oder in der Wüste Gobi. … Weiterlesen Lost in Bornholmer St.

Erzieh‘ mich doch, Fleischwarenfachverkäuferin

Es ist Rewe. Der berühmte Rewe in der Schievelbeiner - Center of the Biohansel, hier am Arnimplatz, Home of the Holzspielzeug und der ungespritzen Biomütter - tanz deinen Namen für mich, Baby. Und mittendrin in diesem Supermarkt voller Bio Bio Fairtrade Fickmichnies steht eine Frischtheke - und dahinter eine Unglückliche. Davor ich mit Kind. "100 … Weiterlesen Erzieh‘ mich doch, Fleischwarenfachverkäuferin

Lost in Schöneweide

„Zu wahrer menschlicher Größe gibt es nur einen Weg - den durch die Schule des Leidens.“Albert Einstein Ein blödes aus irgendeiner Zitatedatenbank im Internet abgeschriebenes Mantra von Albert Einstein auf den Lippen stehe ich hungrig auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Schöneweide herum, mit mir ein paar verwitterte Buden, die gruselig anzuschauen sind - beginnend bei … Weiterlesen Lost in Schöneweide

Berlins bizarre Behördengruft

Die ihr eintretet, lasset alle Hoffnung fahren Dante Alighieri Wenn das Bezirksamt Pankow die öffentlich-rechtliche Vorhölle ist, so ist die Kfz-Zulassungsstelle in Lichtenberg das ewige Fegefeuer. Ich konnte mir bisher gar nicht vorstellen, dass ich mich einmal lieber in die fürchterliche Meldestelle meines gruseligen Pankower Rathauses zurückwünsche, in der ich ausgezehrt mit einem Wartezettel in … Weiterlesen Berlins bizarre Behördengruft

Hirnsudelei 11/19

Berlin-Prenzlauer Berg. Ich öffne meine Haustüre und treffe auf eine Frau mit Hund. Der Hund scheißt gerade einen mousse-au-chocoladig dampfenden Haufen direkt vor den Eingang des Hauses, in dem ich wohne. Ich schaue die Frau an. Sie schaut weg. Will weitergehen. Doch der Hund zerrt. Will seine eigene Scheiße noch einmal beschnüffeln, bevor die Fliegen … Weiterlesen Hirnsudelei 11/19

Kamminke / 2019

Herbst. Ich bin auf dem Weg nach Usedom. Nach Kamminke im Speziellen. Es ist ein vollkommen unprominentes Nest am Stettiner Haff und ein erfrischend abgelegener Ort abseits der hochglanzgeleckten und so unfassbar öden Dreikaiserbäder, die ich in ihrer Borniertheit nicht mehr sehen kann. Auf der Landstraße kurz vor der Insel tuckere ich hinter einem Trekker … Weiterlesen Kamminke / 2019

Berlin-Mitte. Geld frisst Hirn frisst Contenance

Berlin-Mitte. Umlaufbahn Hackescher Markt. 20:50 Uhr. Eigentlich kann niemand, der in dieser Stadt bei Verstand ist, hier noch hingehen. Wenn Sie Glück haben, treffen Sie nur auf Touristen, sinnlos im Weg rumstehend, entweder zum Kotzen sanierte oder zum Scheißen neugebaute Architektur bestaunend, Berliner Luft in Dosen kaufend, mit Smartphone in der Hand auf Google Maps … Weiterlesen Berlin-Mitte. Geld frisst Hirn frisst Contenance

Mein altes Neukölln

Ich bin immer noch gerne in Neukölln. Ich komme da her. Wer aus dem bioseligen Biedermeierparadies Prenzlauer Berg trotz der einschlägigen Reisewarnungen aus dem Reformhaus-Kurier und der Weizenkeim-Depesche eine Reise ins Zentrum des ganz doll übel beleumundeten und in den Scheißzeitungen dieser Stadt fast täglich gedissten Bezirks Neukölln tut, der kann was erleben. Und zwar … Weiterlesen Mein altes Neukölln

Hirnsudelei 10/19

Was ist denn nur los momentan? Die eine Seite progagiert im hysterischen Duktus den baldigen Wirtschafts- und Währungscrash (wir werden alle sterben) und die andere Seite kein Stück weniger hysterisch den baldigen Klimakollaps (wir werden alle sterben). Stimmt irgendwas mit den Mondphasen nicht? Strahlung aus dem All? Bei der Fisch sucht Fahrrad-Party nicht mal von einer 40jährigen gammelpullibewehrten Alleinerziehenden … Weiterlesen Hirnsudelei 10/19

Freakshow oder Eine Fahrt mit der U2

Sonntag 10.30 Uhr Schönhauser Allee – Ein Blick in den U-Bahn-Wagen, aha, rechts sitzt schon die sechsköpfige italienische Hostelmeute, gerade dem keimigen 25-Euro-Gemeinschaftsraum entkommen und ungeduscht schon die erste Bierpulle am endlos plappernden Hals. Schweiß. Bier. Pathos. Linker Seite stehen die beiden Touristinnen aus New York, die sich in der irrigen Annahme, niemand würde sie hier … Weiterlesen Freakshow oder Eine Fahrt mit der U2

Ach, war die Straße blockiert?

Ja. Astrein. Super. Wirklich super gemacht. Was seid ihr superwichtig. Alle. Ein paar Straßen blockiert. Ein paar Brücken. Ein paar Umwege ist der Berliner gefahren. Verständnisvolle Bullen schreiben Überstunden. Und die Hauptstadtpresse schreibt wie immer freundlich zugeneigt. Mehr war nicht. Mehr bleibt nicht von dem, was sie Rebellion nennen und dann doch nur als ein … Weiterlesen Ach, war die Straße blockiert?

Der Brunnen des Grauens

Wozu Menschen fähig sein können, wenn man sie lässt, sieht man hier: Mitten auf dem Alexanderplatz ragt der Brunnen des Grauens wie ein rostiges Geschwür aus den Eingeweiden dieses misshandelten und dann liegengelassenen Ortes. Er ist in seiner himmelschreienden Widerwärtigkeit so hässlich, dass man Eintritt dafür verlangen könnte, würde er in einem Monstrositätenkabinett voller anderer … Weiterlesen Der Brunnen des Grauens

Mitte stinkt

Mit mir könnt ihr's ja machen. Denkt ihr euch. Na klar. Mit mir geht das. Um die Zeit sowieso. Es ist irgendwann nach Mitternacht. Ich bin voll. Voll wie eine Regentonne nach einer dieser spätsommerlichen Sintfluten, dicht wie ein Eimer, kübelfett, strunzstramm. Nach flaschenweise Pils und gläserweise Cuba Libre setzt irgendwann zwangsläufig der nächtliche Suffhunger … Weiterlesen Mitte stinkt

Würzburg / 2019

Die Anreise nach Würzburg beginnt holprig. Denn mein Anschlussintercity fällt kurzfristig aus. Als Ersatz erhalte ich von einer schwäbischen Reiseverkehrskauffrau ("Oh, des sieht aber schlecht aus mit denne Verbindunge..."), um meinen Termin halten zu können, eine Regionalbahn in irgendein fränkisches Nest und von dort eine Superfahrt mit einem als Schienenersatzverkehr bezeichneten uralten Zuckelbus nach Würzburg. … Weiterlesen Würzburg / 2019

Hirnsudelei 09/19

Man darf ja nix mehr. Nix mehr darf man. Sonntagmorgen. Ich komme um 3 aus der Kneipe und um 6 Uhr heult die Alarmanlage dieses Scheißautos auf, dessen Alarmanlage immer um solche Uhrzeiten aufjault. Und es ist dieser 90er-Jahre-Autoalarm mit diesen verschiedenen Heularten. Lüüüüüü-blip Blip Blip-lööööööüüüüüüäääääämüüüüü-prrrrrrrrrrrrrrrrrrrr-tacker tacker tacker tacker tacker-luiiiiiiuuuuuuiiiii-Tik Tik Tik und so weiter, … Weiterlesen Hirnsudelei 09/19

Tanz den Doppelcheeseflip

Mittags in Berlin-Friedrichshain. Mir ist noch nicht schlecht genug. Der Tag lief noch zu glatt. Gerade eben unter der S-Bahn-Brücke Frankfurter Allee musste ich nur zweien der üblichen fünf Abofallengeier der Umweltschutzvereine ausweichen, die mich hier immer zu slalomesken Ausweichmanövern nötigen, die jeden Skiweltmeister dazu bringen würden, sich erst zu ritzen und dann vor eine … Weiterlesen Tanz den Doppelcheeseflip

Guten Tag, hier spricht dein dickes fettes Mettbrötchen…

... und hier bin ich auch schon wieder. Du hast gewusst, dass ich wiederkomme, nicht? Du hast mich heute in der Gier zu Mittag gegessen, auch wenn dir da schon klar war, dass ich wiederkommen werde, irgendwann anderthalb, zwei Stunden später zwischen Minute 30 und 45 irgendwo mitten der Trainingsrunde am Arsch der Welt irgendwo … Weiterlesen Guten Tag, hier spricht dein dickes fettes Mettbrötchen…

Die ewige Pisse der Oberbaumbrücke

Wenn der Tiergarten die Lunge Berlins, die Freie Universität das Gehirn und das Brandenburger Tor das Dekolleté dieser Stadt ist, dann ist die Oberbaumbrücke der Schließmuskel. Hier ist das stinkende Ende der Stadt, hier reißt sie die Arschbacken auseinander und präsentiert ihren Besuchern den verklebten Darmausgang. Es mockert nach Pisse, beständig, anhaltend, beharrlich, ein bauwerkgewordenes … Weiterlesen Die ewige Pisse der Oberbaumbrücke

Stuttgart / 2019

Und dann ist auch noch Stuttgart. Die Reisebuchungstorten aus dem Borgwürfel, dem Germanys Brainfucked Crackmodel aller deutschen Arbeitgeber, haben mich in einem selbst für ihre Verhältnisse bemerkenswert schrottigen Hotel eingebucht. Nebenan sind ein Puff, ein depressiver Matratzenladen, zwei stinkende Pommesbuden und mehrere Idiotensuffkneipen voller Idiotensäufer, in denen sie nur Dinkelacker, diese üble halskratzige Brühe, ausgeben … Weiterlesen Stuttgart / 2019

Die Aktivisten sind wieder empört

Voll geil. Diese Zeit ist einfach voll geil. Moralinsaure Moralisten überall. Aktivisten wollen dies. Aktivisten wollen das. Hin. Her. Hoch. Runter. Ding. Dong. Und ich stehe amüsiert im Raum. Es ist ein Fest für Trolle. Ein Galadinner für Stresser. Ein innerer Scheißparteitag für an die Schienbeine Pisser. Wenn Sie hypereifrige Aktivisten ärgern wollen, dann geht … Weiterlesen Die Aktivisten sind wieder empört

Heilbronn / 2019

Ich muss heute in Heilbronn sein. Kundenkontaktkümmern. Es sind Leute mit Geld. Ich muss da immer hinreisen in solche komischen Städte, um mich und meinen sexiest Arbeitgeber alive möglichst wichtig und fürsorglich erscheinen zu lassen. So wichtig und fürsorglich, dass Leute mit Geld uns dieses Geld hinterher werfen. Und damit sie das tun, müssen sie … Weiterlesen Heilbronn / 2019

Blankenburg

Es gärt im Norden meines Bezirks. In Blankenburg will der Senat eine Großsiedlung hochziehen. 6000 Wohnungen wollen sie entstehen lassen. Ursprünglich 10.000, doch sie mussten downgraden. Denn sie bekamen das was sie in Berlin immer bekommen, wenn sie irgendetwas bauen wollen. Eingaben. Proteste. Partikularinteressen. Widerwillen. Und immer dieses "Not in my backyard". Berlin hat Wohnungsnot, … Weiterlesen Blankenburg

Europapark / 2019

Europapark. Das Kind möchte achterbahnen und wir fahren dafür sehr weit weg. Die Reise von Berlin nach Baden mit dem Auto konfrontiert mich wieder mit der leidigen Sanifairabzocke an den Autobahntankstellen. Sie haben dort irgendwo um Frankfurt herum jetzt Pissbecken mit Bildschirmen, auf denen sie Videos abspielen. An einem Pissbecken. Bildschirme. Natürlich spielen sie keine … Weiterlesen Europapark / 2019

Hirnsudelei 08/19

Willkommen in Schnöselhausen: Craft Beer reicht nicht mehr. Jetzt neu: Craft Wine. Demnächst: Craft Gin. Craft Karottenkuchen. Craft Haircut. Craft Apfelchip. Craft Osterei. Craft Fickdichselberhipsterhurensohn. Es ist ja oft so, dass einfach gestrickte Menschen einen Guru brauchen, den sie anhimmeln können. Im Moment ist es ein apokalyptisches Weltuntergangskind aus Skandinavien, mit dem sie sich bis … Weiterlesen Hirnsudelei 08/19

Mallotze / 2019

Heuer Mallotze. Zu einer Dritte-Welt-Stadt wie Berlin gehört auch ein Dritte-Welt-Flughafen. Der heißt hier Schönefeld. Weil Berlin seit 20 Jahren versucht, einen Flughafen zu bauen und es nicht schafft, fliegen die Menschen in der deutschen Hauptstadt mit Tegel und Schönefeld immer noch von zwei musealen Nachkriegsfossilien ab, die wie alles andere in Berlin nicht funktionieren, … Weiterlesen Mallotze / 2019

non erotic

Ja. Sehr gut. Endlich hängt mal ein Zettel an einer Laterne meiner Nachbarschaft, der nichts mit Yoga zu tun hat. Oder Coaching. Beratung. Ernährung. Reichenseelchenbetreuung. Oberschichtencrap. Was will der denn? Ah, Thai Massage. Aber non erotic. Steht da. Und ist wichtig. Das muss man in Berlin dazu schreiben. Denn es ist völlig klar, was passiert, … Weiterlesen non erotic

Ironic Gummipizza

Oben in der Wichertstraße gibt es das Aceto Locanta. Hier sitzen bis in den Morgengrauen hinein komische Gestalten herum und essen Gummipizza. Ironische Gummipizza. Ironisch? Ja klar, inzwischen ist hier bei uns in der megakreativen Hauptstadt alles ironisch, es gibt ironische Hornbrillen, ironische Holzfällerhemden, ironische Cowboystiefel und alle Superfreshen dieses Bezirks, die tagsüber sinnlos in … Weiterlesen Ironic Gummipizza

Marienburger Kampftag

Montag. Pest folgt auf Pest. Ich habe die Kruste einer alten Laufrundensturzwunde am Knie wieder aufgepult. Sie eitert nun. Meine auf dem Peter-Prinzip Pirouetten drehende Chefin erzählt mir ganz stolz wie Bolle, dass sie schon wieder befördert wurde und steht ganz erwartungsvoll vor mir wie ein Pennäler mit dem Einserzeugnis. Zwischen meinem hintersten und vorhintersten … Weiterlesen Marienburger Kampftag

Meine beschissene Hausverwaltung

Meine beschissene Hausverwaltung ist eine besonders beschissene Hausverwaltung und entfaltet ihre Stärken bei all jenen Objekten, die sich selbst überlassen werden können. 1. Credo Meine beschissene Hausverwaltung arbeitet sehr energiebewusst und spart sich jeden überflüssigen Aufwand zur Erstellung eines Konzepts oder wenigstens irgendeiner Idee für das traditionell vernachlässigte Objekt, in dem ich wohne und für … Weiterlesen Meine beschissene Hausverwaltung

Riga / 2019

Tegel. Vor dem Flug nach Riga darf ich mein Lieblingsspiel spielen: Securityshit. Heute habe ich eine kleine Dose Talkumpulver dabei. Meine drecks Fakesneakers, die ich bei Amazon mal wieder viel zu billig geschossen habe, quietschen. Es ist die Lasche. Sie ist übel verarbeitet, reibt am Schuh und macht Lärm. Talkumpulver lässt das Quietschen für ein … Weiterlesen Riga / 2019

Lost in Köln

Ich bin mal kurz in Köln und fahre mit den Kölner Verkehrsbetrieben. In der Bimmelbahn stehen sich fünf Kontrolleure und drei Schwarzfahrer gegenüber. "Isch geh nit!" "Fahrkarte. Zeigen Sie Ihre Fahrkarte." "Isch brauch keene. Isch bin lädiert." Der Typ hat Krücken dabei. Einer seiner beiden Kumpels sucht das Weite durch die offene Tür. Zack. Fumm. … Weiterlesen Lost in Köln

Starfucking myself

Berlin-Mitte. Hackescher Markt. Starbucks. Ein Blick auf die Auslagen und ich muss lachen. Nur amerikanische Franchiseketten schaffen es, Europäern den eigenen Scheißdreck zum dreifachen Preis zu verkaufen. Ich sehe ein lumpiges Stückchen Käsekuchen, ein lächerlich winziges Exemplar eines Lebkuchens, eine obszön kleine dünne Scheibe Marmorkuchen und irgendwelche dahergelaufenen Allerweltskekse für einen irrwitzigen Preis, für den … Weiterlesen Starfucking myself

Reisnudelbootcamp

Im Bahnhof Alexanderplatz nachts um 2 zu aufgedreht von der für mich zu oft zu herben Mischung aus Speed und Koks vom Klo einer dieser Berlin-Mitte-Sprallovollhorstbars mit Tischtennisplatte im Gastraum begegnet mir der preußische Militarismus, wenn auch in asiatischer Variante und in Gestalt eines grimmig dreinschauenden Brüllers: "GUTTEN TACK! IHRRRE BESTELLUNG!!" "Ja, einmal Thai Sesam … Weiterlesen Reisnudelbootcamp

Hirnsudelei 07/19

Doch, schon. Ich bin wieder einmal mehr sehr froh, Nichtwähler zu sein. Hätte ich gewählt und das da wäre dabei rausgekommen, würde ich jetzt seit Tagen in der Dusche stehen und mich waschen. Wahrscheinlich würde ich nie wieder aus der Dusche rauskommen wollen bis sie mich irgendwann wundgescheuert und grindblutend abholen kommen würden. Sie müssten … Weiterlesen Hirnsudelei 07/19

Der Ohrtunnel unter den Supermärkten

Kaufland ist Ohrtunnel und Arschgeweih in einem. Gehen Sie doch da einfach mal hin, wenn Sie aus irgendeinem Grund immer noch zu gute Laune haben und nicht aufhören wollen, Ihre Mitmenschen zu mögen. Was Sie hier finden: Nur Irre. Bekloppte. Assis. Mit inadäquatem Verhalten. Komplett sozial inkompatibel. Die Verantwortlichen sollten bei Kaufland Verkehrsschilder einführen, denn … Weiterlesen Der Ohrtunnel unter den Supermärkten

Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Neue Auszubildende im Büro. Und die bringt ein Radio mit. Und da läuft 104.6 RTL Hitradio Berlin, die Körperverletzung unter den Radiosendern, die hirnzersetzende Schulabbrecherfrequenz dieser von miesen Radiosendern so gepeinigten Stadt und der ultimative Maßstab für Dudelfunk schlechthin mit einem Niveau, für das man jeden Keller nochmal unterkellern müsste. Meinen persönlichen Mario-Barth-Gedächtnispreis bekommt dieser … Weiterlesen Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Lost im Friedrichstadtpalast

Friedrichstraße. Im Palast. Kopfkino. Der alte Erich hebt seine vermoderte Faust aus dem Grab. Vom Klunker bis zu den Betonplatten, alles da. Hier wollte die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik auch mal einen auf Glamour machen. Mit Betonplatten in wuchtiger Klotzoptik. Und Klunkern. Meine Güte. Paris, London, Chisinau, Archangelsk - jeder auf der Welt schüttelt … Weiterlesen Lost im Friedrichstadtpalast

Menschgewordene Menschenverachtung

Uargh. Was war das bloß für eine Pocke? Wer hat die angeschleppt? Wer ist mit so etwas befreundet? Und lädt so etwas auch noch auf seine Feier ein? Eine Geburtstagsfeier. Letzte Woche traf ich dort auf eine Frau. Sie ist Leitende Angestellte bei irgendeiner Abrechnungsfirma für Ärzte, die ihrem Mann gehört. Seine oberste Buchhalterin. Angestellte … Weiterlesen Menschgewordene Menschenverachtung

Gehirnblähung an der Currybutze

Mit zunehmendem Alter gibt es immer weniger grundsätzliche Fragen des Lebens, die noch offen sind: Warum haben sehr hübsche Teenagerinnen immer je eine abgrundtief hässliche beste Freundin, die wie ein Satellit um sie herum kreist? Warum erhöhe ich automatisch die Geschwindigkeit, wenn mir beim Joggen eine Frau entgegenkommt? Und warum versuche ich krampfhaft dranzubleiben, wenn … Weiterlesen Gehirnblähung an der Currybutze

Borgwürfelkaffeescheiße

    "Hey, komm' doch mal auf nen Kaffee vorbei, dann quatschen wir 'ne Runde." sage ich zur Vorstandsvorzimmerschnepfe im Fahrstuhl. Warum habe ich das gesagt? Keine Ahnung, man sagt das so. Bla Bla Bla. Buzzwords. Floskeln. Sinnlose Konversation als Schlusspunkt eines ermüdenden Fahrstuhlgesprächs über das Wetter, Babys, Umstrukturierung oder die S-Bahn, die wieder zu … Weiterlesen Borgwürfelkaffeescheiße

Kot, Müll, Guano und Kotze

Der S-Bahnhof Schönhauser Allee ist ein vergewaltigtes und dann liegengelassenes Bauwerk. Finster ist es hier unten geworden, ungastlich, was daran liegt, dass die Verantwortlichen irgendwann in den 90ern ohne Sinn für Ästhetik und Stil einen Sarkophag aus Beton und Stahl über das historische Dach des ehemals freistehenden S-Bahnhofs gezogen haben, um den Bau der Schönhauser … Weiterlesen Kot, Müll, Guano und Kotze

Mein blöder kleiner Kackspäti lebt immer noch

In meinem in jeder Hinsicht voll korrekten Biedermeier- und Vorzeigebezirk Prenzlauer Berg gibt es nur noch wenige Ecken, in denen Sie als Mann noch Mann sein können und nicht devoter kinderwagenschiebender endstadiumsgegenderter Butterweichkeks, der so mitleiderregend durch die Straßen schlurft wie ein kastrierter Schäferhund auf Dackelbeinen. Die Einschläge jedoch kommen näher, es ist nur noch … Weiterlesen Mein blöder kleiner Kackspäti lebt immer noch

Braindead im Gesundbrunnencenter

Das Gesundbrunnencenter (GBC) drüben im immer noch sehr schönen Ortsteil Wedding, wird aufgefressen. Von seinem eigenen Erfolg. Es ist nicht zu verhehlen, dass dieses vollkommen absurde Monster von Einkaufszentrum allen anderen umliegenden wie zum Beispiel meinen kleinen blöden Schönhauser Allee Arcaden in Prenzlauer Berg mit seiner schieren Größe den Rang abläuft, was bedeutet: Deutlich mehr … Weiterlesen Braindead im Gesundbrunnencenter

Bretagne / 2019

Bretagne. Was mir immer wieder auffällt, ist, dass es Franzosen offensichtlich widerstrebt, fürs Pissen Geld zu verlangen. Oder es ist verboten wegen Grundbedürfnis und so. Das ehrt sie. Sie können hier in der Bretagne überall auf jedem Klo strullern, nirgendwo sitzt jemand davor und knöpft Ihnen 50 Cent für sein stinkendes Kackloch ab oder installiert … Weiterlesen Bretagne / 2019

Esotheke

Es folgt ein mustergültiger Dialog mit einer Apothekenfachverkäuferin in Prenzlauer Berg: "Guten Tag, ich hätte gerne was gegen Kopf- und Gliederschmerzen. Wetterumschwung, Sie wissen schon." "Gerne, nehmen Sie das hier." "Mmmh. Ist das homöpathisch?" "Ja." "Sorry, ich bin nicht religiös. Geben Sie mir was anderes bitte?" "Es ist aber sanfter als Schulmedizin." "Ich möchte es … Weiterlesen Esotheke

Meine Freunde, die Taxifahrer

Warum können eigentlich immer weniger Menschen einfach mal das Maul halten? Die von mir stets als Freunde, Kollegen, Mitmenschen bevorzugten Schweiger sterben offenbar aus, denn immer mehr Zeitgenossen müssen ihre Umwelt, die mich immer mit einschließt, mit Erzählungen über Nichtigkeiten aus ihren belanglosen Leben quälen. Der Trainer aus meinem Fitnessstudio lässt mich ungefragt wissen, dass … Weiterlesen Meine Freunde, die Taxifahrer

Was hier so stinkt ist mein Karma

Ich bin im Bioladen. Das erste Mal in meinem Leben. Normalerweise meide ich diese sich wie der Schimmel in meinen Badezimmerfugen ausbreitenden Sammelstellen für degenerierte Upperclass-Ökoschnösel wie die Begegnungen im Treppenhaus mit meinen hässlichen mülltrennenden Birkenstocknachbarn, von denen einer tatsächlich inzwischen einen Greta Thunberg-Button am Revers trägt, doch heute brauche ich Bärlauch, den nur selten … Weiterlesen Was hier so stinkt ist mein Karma

Shithole Theme oder Der Netto der Verdammten

Immer wenn ich einkaufe gehe, haben die Egoratten gerade Freigang. Und sie treffen sich am liebsten bei Netto im Mühlenbergcenter. Der provoziert das aber auch. Unten am S-Bahnhof Greifswalder bei Edeka, bei dem ich nicht mehr einkaufen mag, weil deren Werbeverantwortlichen es eine gute Idee fanden, einem nicht unerheblichen Teil ihrer Stammkundschaft aufmerksamkeitswirksam für den … Weiterlesen Shithole Theme oder Der Netto der Verdammten

Disneyland Paris

Disneyland Paris. Wenn die blöden bärtigen Terroristen eines erreicht haben, dann ist es die Tatsache, dass unser Leben nerviger geworden ist. Unfreier. Gegängelter. Paranoider. Allein beim Einchecken ins Hotel werde ich zwei Mal abgetastet, flughafenesk gescannt und meine Tasche wird geöffnet und nach Bomben durchsucht. Das wiederholt sich jedes Mal, wenn ich zum Auto gehe. … Weiterlesen Disneyland Paris

Scheißhausguerilla

Sie können im Borgwürfel, meinem fantastischen Arbeitgeber und Füllhorn voller Liebe und Zuneigung, natürlich nicht offen opponieren. Opposition ist Mist. Wenn Sie Opposition sind, sind Sie auf der Abschussliste. Wie im echten Leben werden Sie erst systematisch separiert und dann kleingemacht. Zuletzt aussortiert. Wenn Sie nicht vorher entnervt und seelisch ruiniert das Feld räumen. Nein. … Weiterlesen Scheißhausguerilla

Teewurstparty in der Schülerdisco

Berlin. Ein Samstag. Aus irgendeinem Grund hänge ich in der Alten Kantine in der Kulturbrauerei herum, einem der dümmeren Clubs der Stadt, aber einem der letzten Clubs überhaupt hier im Schnarchsackspießerparadies Prenzlauer Berg. Ich bin der Älteste heute hier. Um mich herum nur BWL-im-Fernstudium-von-der-Dachgeschosscouch-Gesichter, Veteranen der letzten Böhse Onkelz-Coverband-Kinderglatzenparty irgendwo hinter Dahlwitz-Hoppegarten an der polnischen … Weiterlesen Teewurstparty in der Schülerdisco

Strasbourg / 2019

Ich komme in Strasbourg an und schon an der ersten roten Ampel klopft ein Goldbezahnter an mein Autofenster und will Geld. Später fahre ich Straßenbahn und ein Goldbezahnter steigt ein und will Geld. Vor der Notre Dame du Strasbourg steht auch ein Goldbezahnter und will Geld. Der Unterschied zu Berlin: Hier in Strasbourg kommen Goldbezahnte, … Weiterlesen Strasbourg / 2019

Be stupid – Go shopping

In Berlin haben sie es nicht so mit der Architektur – Hauptsache billig, möglichst rechtwinklig, auf jeden Fall klobig und als Materialien zur Verblendung bitte nur Sichtbeton und Glas. So erreichen die Mumien aus der Senatsbauverwaltung eine lebensfeindliche, todnüchterne Atmosphäre, die einen jeden bemitleiden lässt, der dort zu arbeiten gezwungen werden wird. Bonjour Tristesse. Seid … Weiterlesen Be stupid – Go shopping

Fuck you fucking Fleischwarenfachverkäuferin

An des Supermarkts Frischtheke sprach ich zu einer Frau: „Guten Tag, ich hätte gerne 300 Gramm Rinderfilet. Durch den Fleischwolf gedreht bitte.“ „…“ „Nein, bitte nicht einpacken. Durch den Fleischwolf drehen bitte.“ „Durch den Fleischwolf?“ „Durch den Fleischwolf.“ „Das ist nicht Ihr Ernst!“ „Doch.“ „Was wollen Sie denn damit machen?“ „Ich werde es roh essen, … Weiterlesen Fuck you fucking Fleischwarenfachverkäuferin

Der potthässliche Alexanderplatz

Berlin ist die Hauptstadt der Versager. Der Berliner Senat versagt beim Wohnungsbau, die Berliner S-Bahn versagt beim Öffentlichen Nahverkehr und der Berliner Alexanderplatz steht dem in städtebaulicher Hinsicht kein Stück nach. Be Berlin - Be Fail. Nur deshalb ist es so, dass der Alexanderplatz optisch so etwas wie der Jason Voorhees von Berlin ist – … Weiterlesen Der potthässliche Alexanderplatz

Eisenach / 2019

Kurz vor Eisenach begrüßt mich der erste Eisenacher. Er fährt mit seinem Auto dicht auf. Ich fahre schon 20 km/h schneller als zulässig, aber das ist egal. Er kriecht in meinen Kofferraum. Mir begegnet das oft, wenn ich in Deutschlands Osten unterwegs bin. Liegt vermutlich am Berliner Kennzeichen. Dem muss man in der Provinz zeigen, … Weiterlesen Eisenach / 2019