Linkschleuderei vom 12. Januar 2022

Schöner Slogan für 2022: Make Orwell fiction again.

Die Links. Read this:

Vice: Die Ampel muss Cannabis sofort legalisieren – alles andere wäre feige

Alles richtig und doch wieder so eine übertriebene Menge dieser überflüssigen Dramaclownformulierungen, ohne die Journalismus nicht mehr zurecht kommt:

„Welche dramatischen Folgen die Kriminalisierung von Cannabis ganz akut hat, kann man jeden Tag beobachten.“

Dramatisch. Kriminalisierung. Ganz (nicht halb!) akut. Jeden Tag. Bing Bing Bing Bing. Horrorfloskelterror. Vier sinn- und haltlose rhetorische Marschflugkörper in einem Satz. Alerta Alerta Al…

Gähn, echt mal, komm‘, drop the drama, eigentlich ist das Zeug bis auf Bayern überall quasi legal, wenn man sich an die Grenzwerte hält, die zu einer Einstellung des Verfahrens führen. In Berlin sind das 15 Gramm. Da kommt man schon ein paar Wochen mit hin. Und wenn ein paar gelangweilte Donutfresser in einem Streifenwagen einen damit cashen, dann nehmen sie einem das Gras weg (ja, is‘ kacke, aber auch kein Drama) und man kriegt ein nutzloses BTMG-Verfahren, das fünf bis sechs Monate später wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Und lassen Sie bitte die Führerscheinschauermärchen, die waren in den Neunzigern schon Einzelfälle und sind es jetzt erst recht. Aber richtig ist auf jeden Fall: Natürlich sollen sie Cannabis endlich legalisieren. Sicher. Keine Frage. Ankündigen und dann nicht machen ist fies.

TWASBO Magazin: Unwellness (5): Impfen, boostern und Berliner

„Das Gefährlichste ist die Gewöhnung. Das Abartige als normal zu akzeptieren, bloß weil es nicht mehr weggeht, macht uns endgültig zu Kriechtieren.“

Gert Ewen Ungar: Ich habe Jan Fleischhauer gelesen

Ja, ich auch. Fleischhauer ist ein Troll, der das Trollsein zu Zeilenhonorar macht. Wäre die Mehrheit in Deutschland liberal geblieben, würde Fleischhauer von den Linksfluffies ein hartes Regime fordern. Ich versteh‘ dieses grundsätzliche Opponieren ja (Sie kennen mich), nur ernst nehm‘ ich’s nicht.

Notizen aus der Unterwelt: Serdar Somuncu schreibt auf Facebook

Ein Text, zu schade für Facebook. Gut, dass ihn einer gerettet hat.

Nen Clip eines Auftritts in der Schweiz habe ich dazu. Erfrischend wie ein offenes Fenster, der Mann. Sehr gut.

T-Online: Harald Schmidt ungeimpft? Comedian spottet über Corona

„Sein Management wollte sich zu Fragen nach seinem Impfstatus nicht äußern.“ Dass der das nicht rausgibt, obwohl T-Online das haben will. Unverantwortlich. Und unsolidarisch.

Das Alternativlos-Aquarium: Virus der Intoleranz

Sehr vernünftig. Bei weitem zu vernünftig für diese aufgeheizte Zeit.

Dazu:

ZG Blog: Die Sprache der Menschenverachtung (2)

Schon irre, was inzwischen rhetorisch so alles geht. Undenkbar vor zwei Jahren noch. Lässt sich auch kaum noch steigern, aber das habe ich schon ein paar Mal gesagt und dann haben sie es immer eine Woche später schon gesteigert.

Gaga Da: Talkshow (Symbolfoto)

Haha.

Uli Hannemann: Windelweiche Vollkaskowelt

Apathische Zellklumpen dürfen nicht mehr knallen. Schöner Text.

Frankfurter Allgemeine: Öffentlich-Rechtliche: Beitragszahler, macht Vorschläge!

Löscht euch.

Radikale Heiterkeit: I’ve seen the future, brother, it is murder

Der hier will sich löschen, dabei wird das womöglich das Jahr, in dem Bloggen so spannend wie seit 20 Jahren nicht werden wird, weil bei diesem Chaos, diesem ganzen bekloppten Irrsinn in der allgemeinen Überforderung der Horrorclowns in den Entscheidersesseln der Schreibstoff gar nicht ausgehen kann. Und weil denen womöglich dieses Jahr, wenn die Temperaturen mal wieder über 0 Grad steigen und sie immer noch nicht vom süßen Trunk der unbegrenzten staatsbesoffenen Autorität lassen wollen, doch ein weniger heftiger der Wind ins Gesicht blasen wird als sie denken. Weiß nicht. Kann sein. Wär‘ schön.

Ich finde solche Abschiedsankündigungen von Bloggern immer suspekt, weil das normalerweise der Moment ist, an dem alle im Kreis regentanzend betteln müssen „Oh nein! Bitte bitte bleib. Bitte bitte lösch‘ dich nicht“, wonach der Blogger großmütig überwältigt von der immensen Zuneigung seiner Follower doch weiter macht. Solche „Jetzt reicht’s, ich gehe!“-Dinger sind immer ein bisschen wanziges Fishing for Egostreicheln und oft nur ein kreuzeitler Move sich viel zu wichtig nehmender Käseblogger (womit mir jeder Einzelne hart auf die Nerven geht), aber hier fürchte ich, der meint es ernst, weil er nicht wie andere und schon gar kein Käseblogger ist.

Ja, okay, ich mach’s ja, hier, Kullerkeks: Wie sehr er mir fehlen wird, weiß er womöglich nicht, fände es aber sicher amüsant, wüsste er es. Ich habe so viel angesammelten Schmonz im Feedreader, so viele, die ich dort wegen Langweiligkeit löschen sollte oder lange schon gelöscht habe, bei dem hier habe ich mich als einem der wenigen über diese ganzen vielen Jahre jedes einzelne Mal gefreut, wenn der Feed einen neuen Text anzeigte und habe seinen Buchstabenkram allen anderen vorgezogen (sorry mates, einen persönlichen Favoriten braucht es immer, Sie kennen das doch). Gibt nicht viele von der Sorte. Der hier reißt mir ein enormes Loch ins Gefüge.

So. Reicht. Genug Wehmutgeschiss. Dein Ding, Digger. Mach’s gut. Vielleicht kommste ja wieder, ich konnt’s ja auch nicht lassen.

Alles Evolution: Man-tau und die Hoffnung, dass Totgesagte länger leben

Noch ein Blogtod. Ja, Man Tau ist schon lange weg, ist mir auch aufgefallen. Fehlt auf jeden Fall. Reißt ne Lücke. Auf dem Niveau muss man erst mal schreiben können und dazu die Verve mitbringen, das auch noch gegen den erbarmungslos durchfeminisierten Zeitgeist zu tun. Weg jetzt. Wortlos. Da kann man halt nur spekulieren, wenn sich einer nicht erklärt.

Schneeschmelze: Der Wanderer LXI

„Einige machen mehr oder weniger weiter wie früher. Aber auch bei ihnen merkt man, dass sich etwas verändert hat. Die Rückblicke fallen aus in dieser Saison. Und die Ausblicke mag sich keiner ausmalen. Die Gereiztheit bleibt. Das Umfeld lädt nicht zur Meinungsäußerung ein.“

Mmmh… ein Trend? Wäre schade. Denn am Ende bleiben nur Furzer übrig:

Kraftfuttermischwerk: Schmerzhafte Blähungen: Influencerin verkauft ihre Fürze nicht mehr im Glas

Das ist aber schade. (bargh…)

Influencerin ist übrigens inzwischen ein genauso verbranntes Wort wie Aktivist. Wegen der ganzen Verstrahlten.

Muckecontent. Seit Punk in weiten Teilen woke und damit in weiten Teilen öde geworden ist, freue ich mich einen Pullerkeks über jede Nachwuchspunkband und ihre sinnlos hingerotzen Stücke mit sinnlosen Gagatexten: Team Scheisse. Mein Lieblingssong ist der Karstadtdetektiv. Geil. Merke: Gelassene Lücken werden immer gefüllt. Immer. Natur mag kein Vakuum. (Was? Nee, nich‘ klicken, is‘ nix für Sie. Garantiert.)

Mehr Punk. Oldschoolpunk mit neuem Gesicht: Slime – Komm schon klar. Die Uraltband hat einen neuen Sänger. Soso. Ist Dirk Jora also mal wieder raus (macht der ja öfter). Wikipedia sagt wegen „unüberbrückbarer interner Probleme“. Haha. Ja sehr gut. Sage ich auch immer, wenn ich Schluss mache. Nein, Spaß, sage ich nicht, ich bin der Ghostingtyp, ich tauche einfach ab, wenn mich was nervt. Aber hey, geile Nummer. Knallt. Läuft hier in Schleife. Guter Song. Hoffentlich gutes Album hinterher. Mehr davon bitte.

Bissken Wehmut am Ende. Ich wollte mir immer schon mal einen Verweis auf Reinhard Meys Narrenschiff ins Blog kleben, ein Song, der mich zurückdenken lässt an einen der interessantesten Blogger, mit dem ich je Kontakt hatte, als ich Kontakt mit anderen im Internet noch eine Option fand. Wir haben viel hin und her gemailt und ich habe ihm einmal im Jahr einen Brief geschickt. Einen Papierbrief. In einem Umschlag. Anonym. Ohne Absender. Mit dem Satz „Gruß vom Kiez“ (was dazu noch, spielt keine Rolle). Und habe mich gefreut, wenn er sich gefreut hat. Gestorben ist er 2018. Auch schon wieder knapp vier Jahre her. Eine Tendenz doch: Die Guten hören auf oder sterben, wenig Gutes kommt nach und übrig bleibt Mittelmaß und ein Haufen Altmetall. Und die Zeit rast. Dumpfe Lethargie. Merken Sie das auch oder geht es nur mir so?

La comédie est fini. Nee. Mehr hab‘ ich jetzt ersma‘ nich‘.