Linkschleuderei vom 5. Januar 2022

The potential you see in other people isn’t real. It is the projection of what you would do in their position.

anon_172 (via Jeremy)


Boar, was für ein räudiges Silvester in Prenzlauer Berg das war. Was waren das noch für Zeiten, als die inzwischen weggentrifizierten Vietnamesen säckeweise sicher nicht legale Sprengmittel aus ihrer Wohnung auf die Lychener Straße geschleppt und hochgejagt haben, damit einmal sogar einen kleinen Stadtbaum gefällt haben, oder als die Schwarzafrikaner, von denen hier inzwischen auch keiner mehr wohnt, die Danziger Straße zu Mitternacht mit Bengalos, obszön riesigen Feuerwerksbatterien und katjushaartigen Heulern in ein kongolesisches Bürgerkriegsinferno verwandelt haben, so dass die Straßenbahn sich weigerte, dort durchzufahren, und es noch echte Autonome gab, die dafür gesorgt haben, dass die Bullen nicht in die Kieze kamen.

Heuer? Ödnis. Leerende Gähne. Süddeutsche Ansammlungen an Häuserecken mit Veuve Clicquot und Wunderkerzen in der Hand. Stößchen. Prösterchen. Hihihi. Dazu Kirchengeläut. Ich habe nach Gesundbrunnen rübergemacht. Zu den Türken und Arabern. Die haben auch in Prohibitionszeiten Böller ohne Ende und wissen, wie man ordentlich böngt. Ein Bürgerkriegsszenario wie Prenzlauer Berg vor 15 Jahren. Mit dem gebunkerten Arsenal der Clans, das die Böllertaxis nicht verkauft bekommen haben. شكرا جزيلا. So geht Silvester.

Die Links. Read this:

Berliner Zeitung: Corona spaltet: Lasst es uns nächstes Jahr bitte anders machen

Zwei junge Frauen, die Reden halten. Komisch, die sehen gar nicht aus wie die glatzköpfigen Stiefelnazis, als die mir die Hauptstadtmedien die Proteste gegen die Regierung derzeit verkaufen wollen. Was? Nein, ich gehe nicht auf Demos, auch nicht zu jetzt illegalen Spaziergängen. Ich stell‘ mich grundsätzlich nirgendwo dazu. Menschenansammlungen sind mir suspekt. Ich mag Menschen auch gar nicht.

(Edith sagt: Sorry, Bezahlschranke, vorgestern war der noch offen. Ich hasse das, wenn sie freie Artikel bei zu viel Interesse nachträglich hinter ihre Paywall packen, nachdem ich sie gelesen, für gut befunden und in die Linkliste gepackt habe. Schade drum. Wenn Sie wissen wollen, was die beiden zu sagen haben, dann klicken Sie hier.)

M7: Ein Ende jenseits der Zivilisation

Alles richtig und gut. Nur ist es nicht das Ende der Zivilisation, sondern das Ende der alten Art von Zivilisation. Wir kriegen eine neue. Und die Pflöcke hauen sie gerade ein. The masking of the servant class. The new surreal Normal. QR-Codes. Zugangskontrollen. Separierung. Mit eisernem Moralfundament unterlegt. Sie glauben, das war jetzt eine einmalige Sache? Mit dem Scannen von Codes für den Einlass irgendworein? Glaub‘ ich nicht. Ich glaube eher, dass das der Anfang ist. Sozialpunkte sind doch eine tolle Sache. Weil sozial. Wir wollen doch alle nicht mehr fluchen. Nicht mehr zu schnell fahren. Nicht mehr saufen. Nicht mehr furzen. Nicht mehr in die Hecke pullern. Bußgelder fristgerecht begleichen. Immer pünktlich an der Impfstraße sein. Wir wollen doch alle gesund essen. Vegetarisch. Kein rotes Fleisch (Vorsicht, doppelte Minuspunkte!). Wir wollen doch alle immer lieb und nett zu allen sein. Und wer einen negativen Score hat, ist selber schuld, wenn er nicht mehr in die Bar darf. Oder zu Hertha. Mauerpark. In Tommys Tobewelt. Oder den Internetzugang gesperrt bekommt. Da kann doch die App nix dafür. Hat doch jeder selbst in der Hand. Wärste mal netter gewesen. Warste aber nicht. Also beschwer‘ dich nicht. Tschüssikowski.

Ein Albtraum. Und ich würd‘ mich echt gerne täuschen.

Polemica: S-Woche: Weihnachtsauskotzer

Der lesenswerteste Weihnachtsgruß in diesem Winter. Ghettofaust.

Und hinterher der lesenswerteste Jahresrückblick von endlich mal jemandem, der sich selbst überhaupt nicht ernst nimmt, so schön:

Die Welt des DrSchwein: Jahresrückblick 2021

Polemica: S-Woche: Dampfwalzen wegkiffen

Ich bemerke in den letzten Tagen ein wenig (!) Veränderung in der Art, mit der die Mehrheitsgesellschaft über ihre Opposition spricht. Als ob sie merken, dass sie überdreht haben. Also ob sie realisieren, wie abstoßend sie klingen inzwischen. Seit ihre Impfung gegen die neue Demogorgonhöllenlochvariante offenbar gar nicht mehr so viel ausrichtet, wird der Tonfall in der Breite plötzlich wieder ein wenig zivilisierter, vereinzelt zumindest. Mir begegnet nun sogar manchmal eine bemühte Form von Sozpädnummer, nachdem das Beschimpfen, Labeln, Diskreditieren und mit Kot bewerfen offenbar nichts gebracht hat: Die Leute abholen. Verständnis für Vorbehalte vorspiegeln. Akzeptierende Jugendarbeit. Dieses verdammte Differenzieren. Was ich nicht gut finde, denn mit der Sozpädnummer kriegen Sie mich normalerweise eingefangen, seit der Schule schon. Ich hab‘ aber im Moment gar keinen Bock, eingefangen zu werden. Nicht nach diesen beschissenen zwei Jahren. Nicht nach diesen letzten drei ätzenden Monaten überschnappender Haltungsgüllepumpe. Da traue ich dieser plötzlich lächelnd ausgestreckten Hand nicht. Lass ma‘. Echt. Ich hab‘ mich jetzt dran gewöhnt. Macht mal besser weiter Front. Wie vorher. Feuern. Göbeln. Geifern. Hass. Beschimpfungen. Kübelweise Mist. Labeln. Diskreditieren. Denunzieren. Auseinandertreiben. Mehr Sprachdung, mehr Verbalkot bitte. Terroristen. Schädlinge. Asoziale. Blinddärme. Leugner. Nazisnazisnazis. Volles Rohr. Monitor. Tagesthemen. Heute Show. Sarah Bosetti. Zeit Online. Meinungsportalige Regierungsblogger. Her mit den Forderungen nach Pfefferspray und Bullentonfas. Ballert was geht. Dann weiß ich endlich mal wieder, wo ich stehen muss. Und wo ich auf keinen Fall stehen will.

Hier, das schönste Zitat dieses noch jungen Jahres habe ich auch schon, auch wenn’s aus dem letzten Jahr ist:

n-tv: Worüber Omikron-Infizierte berichten

• Halskratzen
• Schmerzen im unteren Rücken
• Schnupfen oder verstopfte Nase
• Kopfschmerzen
• Müdigkeit
• Niesen
• Nachtschweiß
• Gliederschmerzen

Waaaaah! Neues Symptom! Nachtschweiß! Alles dichtmachen! (örks) Runterfahren! Zusperren! Sagrotandampfschleuse! Ab in die Bunker!

(Spoiler: Nachtschweiß gab’s bei Delta schon, ich weiß das, ich hatte das.)

Dr. Lockdown Viehler: Impfen ist Rache

Von dem kenn‘ ich sonst nur Twitterscreenshots, die rundgehen. Hat es offenbar in das Nischenstaubminderheitenmedium Blog geschafft. Sehr gut. Ich habe zur Situation selbst nur einen alten chilligen Song: Vergiftet.

Und den passenden Link:

Defector: What Did We Get Stuck In Our Rectums Last Year?

Fünftausendmal Lol. Menschen sind komisch. (via Denkfabrikblog)

Schräglage: Uncool: Oppositionelles Verhalten im Erwachsenenalter

Sie können sich nicht vorstellen, wie scheißegal mir letzten Sommer noch diese komische Impfung war. Mein Impfbuch ist voll und ich hatte tatsächlich vor, mir irgendwann einen Termin zu holen, sobald die Bedürftigen (Risikogruppen, Politiker, hohe Beamte, Führungskräfte, Influencer und Popstars) versorgt sind. War ne klare Sache. Ich habe da nicht drüber nachgedacht, es war mir egal.

Dann hab‘ ich’s verschleppt. Vergurkt. Verkeimt. Eingeräumt. Wie immer war mir alles andere wichtiger. Ja doch. Ist ja gut. Sagte ich, wenn mich einer (selten, damals zu der gechillten Sommerzeit war das extrem selten) drauf ansprach, ob ich denn auch schon einen Termin hätte. Jaja. Mal sehen. Ich latsch‘ irgendwann durch ihre Impfstraße vor Ikea, Flughafen Tegel oder unten beim Späti und gut isses.

Das war im Sommer.

Und dann haben sie da oben beschlossen, ihre ekelhafte multimediale Haltungstrommelfeuerkanone anzuwerfen, die ich inzwischen so sehr hasse, dass ich automatisch die Gegenposition einnehme, wenn sie die anwerfen, fast komplett egal zu welchem Thema inzwischen, vollkommen egal wie unvernünftig das ist und absolut abgekoppelt davon, ob es mir schadet, nutzt oder mir die Hoden explodieren, wenn ich nicht tue, worauf sie mit so viel Eifergeifer am Mundwinkel drängen. Muss so Mitte Oktober, Anfang November gewesen sein. Da haben sie mich mit ihren Verbalausfällen erst irritiert, dann verärgert und zuletzt verloren. Montgomery. Lauterbach. Irgendwelche Innenminister. Der übliche Twittermob. Tagesthemen. Taz. Bosetti. Welke. Böhmermann. Diese ganze immersynchrone blökende Unsympathenparade und ihre wie immer überschnappende Rhetorik gegen jeden, der irgendwas auch nur eine Nuance anders sieht als sie. Aus deren Mühle flüchte ich inzwischen automatisch, sobald sie ihre unzähligen Pauken, Fanfaren und Endzeitorgeln zur Disziplinierung Unwilliger anwerfen. Jedes Mal bei jedem kontroversen Thema die gleiche giftige Rhetorik. Boom Boom Boom. Alle Nazis außer wir. Und das ist lächerlich, ehrlich. Und stimmt auch nicht.

Alles, was sie also jetzt noch an Giftdämpfen in die unwillige Ecke kärchern, verfängt bei mir nicht. Kein Beschimpfen, kein Höhnen, kein Framen, kein Mobben, aber auch keine Vernunft mehr. Können Sie lassen mit der Vernunft. Feierabend. Verpufft. Das ist durch. Klar zu spät. Vernunft war Juli 2021. Mit Vernunft hat das jetzt nichts mehr zu tun. Ich bin ein von der Bauart her bis ganz tief drin unvernünftiger Mensch, der sich selbst am meisten wundert, dass er immer noch lebt und nicht schon längst irgendwo ungesichert runtergefallen ist. Mich kriegen Sie, wenn überhaupt, nur mit einem guten Gefühl und das hab‘ ich nicht mehr. Nicht nach dem ganzen Gegöbel.

Ich hatte überhaupt nicht die Absicht, auf Distanz zu gehen. Aber da bin ich nun. Weil es immer so läuft. Üben Sie stupiden Druck auf mich aus, beschimpfen Sie mich, nudgen Sie mich, wollen mir derart plump mit Gebrülle und Gehöhne Ihren Willen aufzwingen, dann verlieren Sie mich. Sofort sogar. Komplett. Und unverhandelbar. Bei mir war das der Montgomerymoment. Als ich nach der aufgeblasenen Bosetti, dem feisten Welke und allen sonstigen aufgeregt twitternden, überdrehten, plakativ-höhnischen, moraltriefenden Erziehungsjournalistinnen diese wurstige rotgesichtige Ärztepräsidentenfigur zum ersten Mal in die Kamera herumblöken gesehen habe, war die Sache unmittelbar klar: Ok. Verstanden. So nicht. Ihr nicht. Und vor allem der nicht. Der als letzter von allen. Wo sind wir denn hier, wenn … einer wie der … boar nee … nix … Sense Trense … ich bin raus. Voll raus. Der nicht. Und wenn ich dran verrecke. Nicht auf diese Tour. Jetzt will ich sehen. Jetzt will ich Stunk. Jetzt will ich wissen, was noch alles geht. Also bitte gern. Zwingt mich. Mit allem was ihr habt. Und ich find’s sogar gut. Endlich offenes Visier. Schluss mit dem Verbrämen. Ich hab‘ euch eure zivile tolerante diskursoffene Maske eh nie abgenommen. Am Ende geht’s euch wie allen durchpolitisierten Arschlöchern um stumpfen Gehorsam. Eh! Untertan! Nerv nicht. Tu was wir sagen. Was du meinst, interessiert keinen. Halt die Backen und mach einfach. Und wenn du noch weiter nervst, gibt’s was drauf. Ruck zuck Fresse dick.

So müssen wir halt jetzt sehen, was mein persönlicher Kipppunkt werden wird. Wann (und ob) sie mich kriegen werden. Wann die zugefügten Nachteile den Willen überwiegen und er bricht. Noch ist der lange nicht da. Restaurantverbot? Mir scheißegal. Werden mein Kochskills eben besser und Sie Lesendy*ens müssen hier keine blöden Restaurantreviews mehr lesen. Kneipenverbot? Noch egaler. Bei Kumpels saufen und kiffen ist eh geiler. Fernreisenverbot? Fuck off. Brandenburg reicht auch. Oder der Balkon, wenn ich demnächst auch nicht mehr nach Brandenburg darf. Klamotten kaufen darf ich nicht mehr? Wumpe, wozu gibt’s Amazon. BVG? Zugfahren? Ach, für mich nicht mehr? Egal. Fahr ich halt Auto. Höhere Krankenkassenbeiträge? Was soll’s. Habe ich eingepreist mit allem, was ich für teure Restaurants, Urlaube und anderen Kram spare. Arbeitsplatz? Hahaha. Haha. Blörps. Den gibt’s bald eh nicht mehr, wenn das mit dem Zuhausesitzen bei 30% Auftragslage so weiter geht. Freizeitpark? Lasertag? Escape Game? Alba Berlin? Der Puff in der Mühlenstraße? Brauch‘ ich gar nicht so zwingend, merke ich gerade, geht auch super ohne, und spart auch Geld. Dupidu. Weiß nicht, wird’s deutlich? Ich habe vor, das Mobbing auszusitzen. Nur um zu schauen, wie weit ich komme. Challenge, schrieb ich ja schon mal.

Und so schlecht sieht es inzwischen gar nicht mehr aus, sondern sogar so, als würde ich damit durchkommen und wir können uns alle bald schon aus einem anderen Grund gegenseitig hassen, mobben, denunzieren und angiften. Vielleicht endet die Virusnummer in diesem Frühjahr wirklich final. Weil es ein geschickter Schachzug vom Scholz war: Only Nixon could go to China and only Propellerkarl can finish the hysteria. Die ersten Rückzugsoptionen werden ja schon ausgelotet.

Aber so weit sind wir noch nicht. Im Moment sind wir noch tief drin in der Gülleschleuderei. Kucke. Hier. Bissken Bock auf verknotete Logik? Eat this:

via Michael Sailers Blog

Häh? Versteh ick nich. Wieso bin ick schuld, wenn sich Dreifachgebratwurstete anstecken? Um sich nicht anzustecken haben die sich doch gleich drei Bratwürste hintereinander reingezwieb… ach egal, kommen wir zu Nützlicherem, hier noch ein allerletzter Hinweis im Kontext meiner eigenen überstandenen Coronanummer, weil er Ihnen vielleicht hilft, relaxt zu bleiben, wenn Sie an der Reihe sind:

European Lung Foundation: Hilfe zur Selbsthilfe bei Kurzatmigkeit während der COVID-19-Pandemie

Das hätte ich gerne vorher gewusst. Die unerwartet heftige Kurzatmigkeit war abseits aller aufgesetzten Coolness das ekligste an der ganzen Geschichte. Ich neige zwar zu Selbstverletzung, Depression und grenzenlosem Leichtsinn, aber nie zu Panik, doch dort war ich kurz davor. Die Atemnot ging insgesamt über fast drei Tage und war das ekligste von allem. Scheiß auf Fieber, das nass vollgeschwitzte Bett (Nachtschweiß! Bunker!), den röhrenden Husten. Geht alles, wenn Sie kein Durchdreher sind. Aber Atemnot ist widerlich. Das drohende Flippen hat viel Konzentration und Fokussierung aufgebraucht. Ungeil. Ehrlich. Gefiel mir nicht.

Ach kommense, lachsense mal:

Kaya Yanar: Geimpft, Geboostert, Gearscht

😁 (via)

Und jetzt hörense auf mit Lachen büdde:

Das Blogmagazin: Stromanbieter Stromio kann nicht mehr liefern

Boom. That escalated quickly.

n-tv: Özdemir fordert höhere Lebensmittelpreise

Boom. That … ja gut, über diesen bornierten Auftritt hat sich jetzt jeder schon aufgeregt. Ach die Grünen. Das ging ja schnell. Weil Strom, Gas, Benzin und Rundfunkgebühren nicht reichen, wollen sie jetzt mal eben schnell das Essen verteuern. Na klar, Tanken, Heizen, Fressen und Saufen teurer zu machen ist sicher ne ganz tolle Idee für die Unterschicht. Aber die wählen die Grünen ja eh nicht. Solche Ideen kommen immer von oben, von den begrünten Dachgeschossen der fancy Innenstadtbezirke. Dafür ein dickes fettes Fuck you.

Ameisen im Kirschblütenhaufen: wisdom

Danke. Bisschen kitschig zum Schluss, aber die ersten zwei Drittel sind großartig.

n-tv: Taliban schütten 3000 Liter Alkohol in Kanal

Oh nee! Den kann man doch noch trinken!

Voodooschaaf: Wolle Dingsi kaufen? (12)

Okay, ich nehm’s. Aber nur mit dem Typen als Halterung dazu. Der kommt als Gimp in den Keller. Hat jemand ne Kiste und ne Kette über?

Pieces of Berlin: berlin – die fabrizia

Berlin ist nicht mehr praktikabel.“

(Richtig. Stimmt. Besser noch: Berlin ist tot. Berlin ist jetzt Gießen. Kassel. Braunschweig. Bad Bevensen. Nur ohne funktionierende Verwaltung.)

Wimmelbild: Such die Uli.

Virch: Stimmung im Schritt

Penis!

Jeremy: Old Left vs. The modern Left

Das Schlimmste, das mir für mein politisches Koordinatensystem passieren konnte, sind repressive Linke an den Spitzen von Staat, Medien und Kultur mit nullverschleierter Lust an Polizeistaat, Gängelung, Desinformation, Einschüchterung und nur noch einer Botschaft, die jeden Tag tausendstimmig wiederholt wird: Fuck you and do what we tell you.

So dünnhäutig jetzt. So kurze Lunte. Nur weil nicht alle tun was sie wollen. Mit Bazookas auf Spatzen. Tonfas auf Köpfe. Und Pfefferspray auf Klavierspieler. Und das alles nur wegen Kritik.

Diese absurde Frontaufstellung hat mich 2021 endgültig politisch staatenlos gemacht. Entwurzelt. Vollwaschganggeschleudert. Hirngedrechselt. Meine politische Heimat ist unwiederbelebbar tot. Sie haben sie unterwandert. Überrannt. Ausgehöhlt. Dann abgefackelt. Jetzt gibt es sie nicht mehr. Ich fühle mich nirgendwo mehr zugehörig. Rechts bleibt keine Option, weil Rechts – egal wie es sich als harmlos parfümiert oder sich sogar frech, fresh, modern anmalt – nach Intoleranz stinkt, Links aber auch nicht mehr, weil Links jetzt auch nach Intoleranz stinkt. Ja was nu‘. Bleibt halt nur der Fickfinger. Für alle. Freischwebend unzugehörig im Raum. Ist aber vielleicht auch gut. Gruppenzugehörigkeiten nerven eh.

Hier, so klingen sie jetzt:

Oha. Das wollt ihr? Ein bisschen mehr Amsterdam wagen? Hunde, Tonfas, Pfefferspray? Na komm‘, kein Ding, sind doch nur die anderen.

Dazu passend:

Polemica: Ey Mann, wo ist mein Links?

Ja. Das sind die Texte, die jetzt sein müssen. Denn wenn genau jene, die immer mit Toleranz, Diversität und einer offenen Gesellschaft hausieren gegangen sind, jetzt plötzlich selber offensiv ausgrenzen, mobben und polizeistaaten, nur weil sie die Mittel und Kanäle dazu haben, dann ist es vollkommen folgerichtig und absolut angemessen, dass man diesen Leuten genau diese eigenen alten Parolen, Forderungen und Sprüche Eins zu Eins um die Ohren haut, die sie damals riefen, als sie selber noch im Bulls Eye der Wasserwerfer, Tonfas und Pfefferspraydosen irgendwelcher CDU-Kettenhunde standen. You’re welcome. Eat your own medicine. Nee. Da nich‘ für.

Wobei ich davon überzeugt bin, dass diejenigen, die diese markigen Knüppelsprüche heute aus einer besoffenen Machtposition heraus reißen, selber nie in einer Tränengaswolke standen. Oder in der Gruppenzelle einer Gefangenensammelstelle mit im Boden eingelassenen Kackloch in der Ecke. Verfahren wegen Landfriedensbruch am Hacken. Das kennen diese geleckten Knüppelgardefans mit den markigen Kettenhundsprüchen nicht. Die klingen eher so nach … Jugendstilvilla. Orchideenfach. Sparplan. Privatschule. Flötespiel. Funktionärskarriere. Später Papas Erbe. Nie Probleme. Hätten sie mal Knüppel abbekommen, würden sie das nicht sagen. Und schreiben.

Zuletzt mal wieder Glotzecontent: Ich habe mir die Bushido-Doku „Unzensiert – Bushidos Wahrheit“ auf Prime reingetan. Ja gut, ist schon ganz nett, gut geschnitten, gut gescriptet und so bla, aber es ist vor allem eine zu lang geratene Realitysoap, ein Rührstück mit viel Eigen-PR. Ja, sicher, Sie möchten diesen Clan nicht als Gegner im Nacken haben, aber letztlich ist Bushido mit Hilfe des Clans so groß geworden wie er war. Da wirkt dann das Lamentieren, dass jetzt kaum einer mehr was mit ihm zu tun haben will, arg arm. Das muss doch vorher klar sein und da hilft jetzt auch kein nachträgliches Heulen. Jeder liebt den Verrat, aber niemand den Verräter. In der Szene sind Sie eine Ratte, wenn Sie mit der Polizei reden (mir gefällt ja das englische Wort „snitch“ viel besser). Wenn Sie snitchen, sind Sie raus. Überall. Bei den Bullen. Bei den Clans. Das ist bei normalen Leuten auch so. Vereinen. Familien. Auch bei meinen Kumpels nicht weniger. Wer snitcht, kann gehen. Und das weiß man auch. Kann mir insofern nicht erklären, was das jetzt da auf Amazon soll. Abseits von PR.

In der Doku klar fehl am Platz ist Bushidos überschminkte Frau, die mit ihren überwiegenden Nullsätzen und ihrem ständig aufs Neue quälenden Beziehungskäse, warum sie da wieder und da wieder und hier nun wieder ständig wieder neu aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte, klar zu viel Raum einnimmt, denn außer das ständig mit anderen Worten wiederholte „Mit war das zu viel, ich musste gehen.“ hat sie keine nennenswerte Information am Start. Aber gut, Quote vermutlich. Diversity, baby. Da werden die Screenminuten gestoppt. Damit das fair bleibt. Egal wie wenig sie zu sagen hat.

Im Ergebnis ja, kann man schauen, ist okay, aber eigentlich überflüssig. Wenn ich mir einen der größten Berliner Clans nebst der Mehrheit der deutschen Rapszene zum Feind gemacht habe, dann würde ich nicht so einen von Amazon gepimpten Gegenangriff fahren, sondern klarkommen, reflektieren (ja, ich habe gesnitcht) und in Ruhe irgendwo im Ausland die Millionen verwalten, die ich mit dem Gangsterimage gemacht habe. Und die paar Fans melken, die noch auf mich abfahren. Aber hey, was weiß ich schon, jeder wie er will.

Was soll’s. Mögen Sie deutschen Hip Hop, dann ist das ganz okay. Wenn nicht, dann lassen Sie es bloß. Es hat keinen Mehrwert außer Gossip.

Klar bleibt aber dennoch: Carlo Cokxxx Nutten IV, erschienen nach seinem Bruch mit dem Clan, ist ein herausragendes Album. Andere meiner Jugendheldenrapper wie Sido werden mit dem Alter lame, der alte graubärtig gewordene Anis bleibt tight, keine Frage.

(Bonustrack: Ich kenne einen, der erzählt, er habe von Bushido mal Gras gekauft, bevor er berühmt wurde. Hammerstory, Digger, fette propz, mein Held, lol…)

Mehr? Hab‘ ich nicht. Obwohl doch, ne Rosette, passend frisch geklebt zum neuen Jahr: