Hirnsudelei 12/21

„Die Berliner Republik kanalisiert ihre Informationen über Hintergrundgespräche und Stammtische, über informelle Netzwerke, über Vereinbarungen zwischen einzelnen Politikern und einzelnen Verlagsgruppen. Der Traum vieler deutscher Journalisten scheint immer noch darin zu bestehen, eines Tages selbst Politiker, Pressesprecher oder Redenschreiber zu werden. Der Traum jedes britischen Journalisten besteht darin, einen nichtsnutzigen Politiker um seinen Job zu bringen.“

Roger Boyes, The Times, London (via Burks)


Wieder Dezember. Das Ende eines weiteren sinnlosen Nulljahres. Die Leute igeln sich wieder ein. Kaum wer trifft sich mehr. Mehr als fünf Leute kommen nicht mehr zusammen. Aber gut, das ist auch ein Ergebnis: Da sitzt der harte Kern. Immerhin noch fünf. Was mehr sind als drei.

Fast ganz ausgetrocknet sind derweil meine oberflächlichen Freundschaften, um deren dick und faul gewordenen Sofagammler es gar nicht mal schade ist, aber auch manch langjährige Freundschaft verlegt sich körperlos in den Gruppenchat, in dem sie sich selbst, ihren mittelschichtigen Abstieg und ihre schulisch und nervlich vor die Hunde gehenden Kinder bemitleidet. Missmut. Schlechte Laune. Kurze Lunten. Mein Umfeld am Ende von Seuchenjahr Nummer Zwei auf der Couch. Vergiftet. Entzündet. Einfach durch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das in ein volles drittes Jahr gehen soll.

Aber es geht voran. Zwei der bisher Ungebratwursteten sind gekippt. Sind im Dezember zum Jab gegangen wie nach Canossa. Wollten nicht, mussten aber. Weil die Risse jetzt quer (oha!) durch die Familien gehen, durch die Freundschaften, Beziehungen, oder weil sie sonst nicht mehr oder nur noch unter Schikanen auf die Arbeitsstellen gekommen wären. Überrascht alles nicht und ist vollkommen okay, no offense. Das Ausgrenzen trifft die meisten Menschen halt ganz tief drin in einem Urinstinkt (die Herde, oh nein, die Herde stößt mich aus…), deswegen wird’s ja gemacht. Viele haben das unterschätzt. Ausgestoßenwerden ist ein geeignetes Mittel zur Disziplinierung Unwilliger und trifft Anfällige deshalb hart. Froh kann indes sein, wer introvertiert ist. Der vermisst in der Isolation nix, sondern bleibt eingegraben und wartet auf bessere Zeiten. Endlich hat dieser gesellschaftlich verpönte Defekt auch mal einen Vorteil.

Derweil ist die bucklige Verwandtschaft der Meinung, dass je mehr Druck sie mir aufbauen, desto eher gehe ich in die Knie und gebe ihnen nach, woran man mal wieder sieht, wie schlecht mich diese Familie kennt (gar nicht). Und so vergeht kaum ein Tag, an dem mir nicht einer was in den Messenger schickt. Freie Impftermine in meiner Umgebung. Statements von Karl Lauterbach. Zeitungsartikel über neue Totimpfstoffe. Neue Zahlen vom RKI. Oder eine passiv-aggressive Anspielung auf meine Verantwortung fürs Kind, das wie ich vor gut fünf Wochen Corona bearbeitet und abgehakt hat. Fünf Wochen. Vollgepumpt bis aus den Ohren mit Antikörpern. Jetzt mal ausnahmsweise ganz vernunftorientiert: Was soll ich da mit der Impfung? Was soll das Kind damit? Null zusätzlicher Nutzen, aber das Risiko gratis. In aller Deutlichkeit: Ich bin nicht überzeugt.

Aber so vergehen die Festtage unter Granatenbeschuss. Schlechte Witze. Blöde Anspielungen. Vorwürfe. Anwürfe. Textnachrichten. Quälende Telefonate. Einer sitzt auf meiner Couch, frisst meinen Kuchen (in den ich leider kein Gras verbacken habe), quasselt mich voll und merkt nicht, dass er schon der dritte ist, der das tut. Was die das alle plötzlich angeht, weiß ich nicht und was sie plötzlich reitet erst recht nicht. Sonst höre ich diese Leute aus den Ruinenresten meiner ausgebombten Familie manchmal Jahre nicht, jetzt alle paar Tage, in denen sie agieren wie das ganze Land: Je mehr frontaler Druck desto mehr erhoffte Kapitulation. Immer der Meinung, durch das ständige Wiederholen einer Botschaft eine Art Zermürbung in der Verteidigungslinie des Gegenübers bewirken zu können. Der muss doch jetzt endlich mal einknicken, verdammte Axt. Komm. Noch ne Granate. Fumm. Noch eine. Los. Fumm. Den bombardieren wir klein.

Was ich sage: Die kennen mich halt nicht.

Bei mir sind’s jetzt noch vier Freunde ohne Bratwurst. Die darf ich laut irgendwelcher erlassener Vorschriften nicht mehr zusammen treffen, tue es aber natürlich trotzdem. Diese kleine verkackte Runde voller bekloppter Underdogs ist jetzt wie ein lustiger, eingegrabener Verschwörerkreis in der Prohibition. Zusammengewachsen. Verschwiegen. In diesem zweiten Winter weniger geworden, aber tatsächlich noch da. Samstag für Samstag. Oder auch mal Freitag. Selten Mittwoch. Die Routinen wie vor einem Jahr. Unterschiedliche Ankunftszeiten. Autos einen Block weiter geparkt. Oder das Uber zwei Straßen weiter dirigiert. Vorhänge zugezogen. Musik auf Zimmerlautstärke. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in einen zweiten Winter dieses Wahnsinns gehen. Dachte, spätestens jetzt wär’s vorbei und gut. Sie haben ja gesagt, es ginge vorbei. Geht es aber nicht. Geht weiter. Des großen Erfolgs wegen. Oder einfach weil hamwa ja immer so gemacht. Was weiß ich.

Ich mag diese letzten paar bockigen Spinner in diesem Rohzustand, den jeder aus komplett anderen Motiven gewählt hat. Mein Motiv ist nicht fundamentalistischer Art, mir ist Impfen – pro, contra, bla – wie das meiste andere auf dieser Welt völlig egal, sondern mir geht’s, seit sie im Herbst mit dem plumpen Mobben angefangen haben, nur noch um die Challenge. Ich möchte einfach aus rein sportlichen Gründen der Letzte sein, der stehen bleibt. Kucken wie lange ich durchhalte. Kucken, wer vor mir kippt. Stehenbleiben, um zu zeigen, dass dumpfe Stigmatisierung, aggressiver Tonfall und Ausgrenzung nicht dazu führt, dass ich einknicke. Mehr isses gar nicht. Nur das. Last man standing. Der Letzte sein, den sie einwecken und der nach Canossa kriecht, um den Söders und Lauterbachs doch noch ihren penetranten Willen zu geben. Möglich aber, dass der Genickbruch schnell gehen wird nächstes Jahr. Bisher stört mich das alles, was sie so tun, nicht über Gebühr, aber es gibt ein paar wunde Punkte, an denen sie noch ansetzen können. Job. Das Ersparte, mit dem ich mich in ein paar Jahren mit einem gereckten Fickfinger dünne machen möchte. Sorgerecht auf jeden Fall. Heikel. Ganz haariges Ding. Wenn sie da rangehen, wird’s eng. Wir werden sehen. Wo wir bleiben.

Aber hey, vielleicht ist Omikron ja auch das Ende der ganzen Geschichte und der Ausweg, die Brücke, Königsweg, die gesichtswahrende Lösung für alle Hardliner auf beiden Seiten der Frontlinie, die sich verrannt haben: Milde Symptome, derb ansteckender einmal die Herde flockig durchgeseucht und die Impfung nutzlos werden lassend, während Geimpfte trotzdem ansteckend bleiben wie Bolle. So kämen sie vielleicht alle aus ihrer Schleife raus. Ja, liebe Bevölkerung, wir ham’s versucht und es hat nicht geklappt, jetzt isses durchgerauscht, wir können nichts mehr tun, also lasst uns ab sofort mit dem Ding leben wie mit allen anderen möglichen Viren, es reicht jetzt auch mal, hier ist euer Freedom Day. Wir haben Frühling. Geht raus. Atmet. Tanzt. Küsst euch. Saugt das Mark des Lebens in euch auf.

Dann werde ich das alles möglicherweise erfolgreich ausgesessen haben. Kann ja sein. Weiß ich nicht. Aber kann sein. Oder auch nicht. Müssen wir sehen.

Mein Wort des Monats ist Testleugner. In diesem Dezember das erste Mal kassiert. Wer zu einem Treffen unter 3G absagt, weil er sich nicht bürgertesten lassen will, um dem Kind bei falsch positivem Test 14 erneute Tage Quarantäne zu ersparen, ist jetzt ein Testleugner. Jahr Zwei der Pandemie. Leugner ist das neue Nazi. Passt auf alles. Und wird auch für alles verwendet. Sie sind gegen irgendwas? Sie sind ein Leugner! Und das war’s dann. Stempel und gut. Eine wunde Zeit. Wunde Leute. Und wunde Begriffe, die sie verwenden.

Ansonsten war der Dezember der Monat der verlorenen Contenance, des Kippens jeden Restanstands, der Lust an hemmungslosen Beleidigungen und der verbalrandalierenden Nervenkranken, die inzwischen alle Brücken abreißen. Das Gesicht wahren kann bald niemand mehr, wenn das so weiter geht. Auf keiner der beiden Seiten. Ein Stellungskrieg. Eingegraben. Sandsäcke voraus. Bayonetteläufe durch die Schießscharten gerichtet. Niemand bewegt sich noch einen Millimeter, sondern schmeißt Granaten ins neutrale Niemandland, dessen Boden inzwischen so vergiftet ist, dass sich da niemand mehr zur Verständigung treffen kann. Das wird ein spannendes 2022. Jahrelang habe ich den muffigen Biedermeier der Mehltaumerkeljahre beklagt und jetzt fackeln sie das alles ab. So kann’s gehen.

Wir hocken derweil wieder viel drin in der Butze. Draußen läuft eh kaum noch was. Paar Bierspaziergänge maximal. Durch Mitte. Friedrichshain. Wedding manchmal. Humboldthain. Invalidenpark. Nordbahnhofpark. Spätihopping. Mützen. Schal. Handschuhe. Kalt isses. Und das liegt nicht nur an der Temperatur. Rein kommen wir jetzt endgültig nirgendwo mehr, aber das ist okay, wir hängen dann halt an Bratwurstständen (haha, Bratwurst) ab, die manchmal auch Burger haben. Oder sogar Schnitzel. Döner. Schnitzeldöner. Aus dem Fenster gekauft. Am Bordstein gefressen. Bierchen draufgekippt. Am Hackeschen Markt vorbeigelatscht. Monbijoupark. Bundestagsufer. Durch Moabit zurück. Amtsgericht. Turmstraße. Westhafen. Erlaufen uns besoffen Ecken, an denen wir noch nie waren.

Immer geht das mit dem Bratwurstfressen nicht gut. Vor den Schönhauser Allee Arcaden steht eine Bude, aus der heraus sie eine so grauenhafte Gänsebratwurst verkaufen, dass ich sie hier festhalten muss. Es ist eine überteuerte, sinnlose, üble Wurst. Das Ding schmeckt grässlich, komplett neutral, maximal fettig, dafür so mies gebraten, dass sich die Haut vom zusammengeschrumpelten Brät innen ekelbräunlich ablöst. Kalt ist sie auch noch, weil unsachgemäß am Rand des Grills gelagert, bis drei Deppen kommen und sie kaufen. Da hilft nicht mal der billige Senf dazu. Ein kulinarisches Desaster. Wenn Sie mal dort in der Nähe sind, dann essen Sie das bitte nicht. Es ist sehr schlimm. Ich hätte große Lust, die Bretterbude mit Kleberosetten zuzupflastern. Sie hätte das verdient.

Das furchtbarste Event dieses an Events sowieso schon armseligen Jahres war die Onlineweihnachtsfeier des Borgwürfels. Organisiert von den aalglatten jungen Pyranhakarrieristen, die sich für die nächsten Beförderungen in Stellung bringen wollen. Sie haben dieses Jahr die Anwesenheits- und Kamerapflicht durchgesetzt, so dass ich mich kaum mal verpissen konnte. Ich bekam somit dicke vier Stunden lang Weihnachtsstumpfsinn meines Arbeitgebers in mein versifftes Wohnzimmer gestreamt, das ich nur für diesen Anlass habe aufräumen müssen. Vier Stunden Arschgelecke. Schwanzgeblase. Aufgesetzte Heiterkeit. Komische Kinderspiele, umgesetzt von Erwachsenen. Und sie haben gesungen. Gesungen! Und Gedichte vorgetragen. Gedichte! Und Flöte gespielt. Flöte! Nicht nur einmal, sondern mehrmals. Online. In mein Headset! Mit Zipfelmützen und Geweihen auf dem Kopf! Alter, ich habe nach einer Knarre gesucht, mit der ich mich live bei laufender Kamera abknallen hätte können, aber ich fand nur eine Wasserpistole vom Kind aus dem letzten Mallotzeurlaub, als die Welt noch eine andere war. Meine Höhepunkte waren die ständigen Bildausfälle wegen räudiger Bandbreite (Deutschland halt), so dass ich die ganzen Kasper und Krokodile manchmal wenigstens nicht sehen (wenn auch leider hören) musste.

Alleine schon wegen solchen qualvollen Onlineevents muss diese Angststörung Pandemie zu Ende gehen. Sowas verstößt gegen die suspendierten Menschenrechte.

Treppenhauscontent meines Honkenwohnblocks: Irgendwo in meinem Aufgang scheint eine Familie zu wohnen, die gerade vor die Hunde geht. Zwei, drei Mal am Tag Gebrüll. Meistens die Frau. Aber auch der Mann. Und jedes Mal das Kind. Es knallt durch. Alle knallen sie durch. Da sie die Wohnung nicht verlassen, sitzt diese Familie wohl in Quarantäne fest. Mittelgroße Wohnung. Keine Ausweichmöglichkeiten. Keine Privatsphäre mehr. Wände kommen näher. Alle gehen allen auf den Sack. Dann knallt es eben. Ich möchte nicht wissen, wie viele Familien im Laufe dieser Pandemie aufgehört haben oder noch aufhören werden zu existieren. Die hier bei mir da oben wird’s nicht mehr lange machen, so wie die sich anhört.

Geschäftsidee des Monats: Da Berlin ein Böllerverkaufsverbot erlassen hat, können Sie jetzt angeblich ersatzweise via Telegram ein Böllertaxi bestellen. Also statt Koks und Gras. Die Links zu den Gruppenchats werden gerade rundgereicht und funktionieren wie sonst auch. PM schicken. Einsteigen. Bargeld rauskramen. Kaufen (wohl sogar im neutralen Karton wie man hört, ich hab’s nicht selber ausprobiert). Glücklich sein. Und lol. Für solche Momente mag ich meine Stadt. Berlin macht halt immer viele Regeln, kriegt’s dann halt aber nicht durchgesetzt. Und die Anarchoclans umgehen’s dann halt einfach. Kundenorientiert. Professionell. Zuverlässig. Schattenwirtschaft works.

Ich habe diesen Monat geträumt, die alte Merkel wäre weg, was nicht sein kann, weil die ja immer schon da war. Deshalb kann die nicht weg sein. Wer soll denn regieren, wenn die weg wäre? Es war gut, dass ich nachtverschweißt aufgewacht bin und festgestellt habe, dass Merkel noch da ist und regiert. Und nicht etwa … haha … Baerbock oder Scholz oder … jeeez … der Lindner oder so. Nicht auszudenken.

Was noch? Hier. Der gläserne Bürger des Monats: Auf dem verpennten Weg in Unterhose ins Bad kam mir das smartphonebewehrte Kind entgegen. Streamte live aus der Bude in den coronaverseuchten Klassenchat. Mit dem halbnackten Papa als Cast. Scheiß Gegenwart. Scheiß Heute. Scheiß Postprivacy. Nichts ist mehr intim. Jetzt weiß die ganze Schulklasse, von wem meine Unterhosen sind. Calvin Klein. Natürlich Calvin Klein. Vorbei sind also die Zeiten des Unterhosengammelns in der Bude, zumindest wenn das Kind im Haus ist. Ein Shit. Alles geht den Bach runter. Sie. Werden. So. Schnell. Groß.

Hier die Bigotterie des Monats:

Diese Gegenüberstellungen sich vollkommen widersprechender Aussagen der das Internet mit Verhaltensanweisungen für Andere vollmüllenden bigotten Oberschichtenverwahrlosten sind ein so schönes Stilmittel geworden (vgl. Argo Nerd). Ich könnte die Eigendemaskierung dieser Menschen nicht besser ausformulieren. Weil die wirklich so sind. Champagner für sie, Pisse für die anderen. Ich seh‘ die ja hier. Die im Infiniti Van sitzende Übermutter, die für den Pöbel die Verteuerung von Lebensmitteln fordert, ist kein Klischee, die gibt es wirklich. Und sie merken’s nicht. Bei uns sitzen wohlsituierte Oberschichtengrüne auf den großzügigen terrakottagefliesten Eigenheimdachterrassen und schreiben das Internet über ihre gefühlte Diskriminierung voll, während unten der albanische Wanderarbeiter im Hochsommer für den Mindestlohn oder gleich schwarzarbeitend die Abwasserkanäle erneuert und eben nicht das Internet vollschreibt, sondern nach der Erneuerung des Kanals noch die Grube zuschüttet und den Asphalt neu teert. Bei 30 Grad. Damit die Torte vom Dachgeschoss wieder in den Kanal scheißen und danach mit ihren Birkenstockpantoffeln über den schönen neuen Asphalt laufen kann. Wie wollen Sie das noch persiflieren? Hier passiert das so.

Es folgt, weil es so schön passt, endlich wieder der Wokenessporn des Monats, sonst würde mir was fehlen. Eat this:

Wussten Sie schon? Wenn Sie keine Insekten essen wollen, sind Sie jetzt ein Rassist:

Herzliche Grüße von Ihrem Weltwirtschaftsforum. Wir haben viel Geld, Einfluss und Muße. Und unser Thron hat ein Loch. Und durch das scheißen wir auf euch runter. Why? Because Fuck you. That’s why. Ihr Penner. Zungensmiley.

Vom Elfenbeinturm ganz neu für Sie erfunden: Es gibt jetzt Gastrosexismus. Also die Gastro ist jetzt auch Nadsi. Warum? Keine Ahnung, ist mir egal, bei sowas reichen mir die Überschriften. (via unbesorgt)

Auch Nadsi: Das Wort „kontrovers“. Kontrovers zu sagen ist jetzt Nadsisprech. Ein freundliches „Friss Kuchen!“ von Ihren Rundfunkbeiträgen. (via Männer unter sich)

Völlig Fascho und endlos sexistisch: Städtebau. Keine Ahnung warum. Wegen der vielen Penisse im Stadtbild vermutlich. Also bitte mehr Höhlen statt Türme bauen. Wegen Vulva. Geht das? Ja? Danke. (via Apokolokynthose)

Auch der öffentliche Rundfunk stellt sich endlich seiner eigenen Nadsivergangenheit und bewahrt die Schneeflöckchen mit einer Triggerwarnung vor einem alten Schimanski. Das wird aber auch Zeit.

Gelernt habe ich eine völlig neu erfundene Variante möglicher Diskriminierung: Transautismus. Wenn Sie sich fühlen, als wären Sie zu Unrecht in dem Körper eines Nicht-Autisten geboren. Versteh ick nich, keine Ahnung, weiß ich nicht, ist aber auch egal. Die Überschrift ist noch das Beste dabei: Oh fuck, they did it. (via Hirnfick 2.0)

Und dann ist da noch die Möhrenfamilie von Aldi. Auch Nadsi. Die ganze Karottenkombination. Drecksmöhren. Heteronormative Kackwichser. Limbo! Weiß nicht, was für universitärer Elitenmüll jetzt noch obendrauf kommen kann. Ein sexistischer Balu der Bär. Käpt’n Iglo, der dreckige alte weiße Cis-Mann. Ein sprachproblematischer Donald Duck. Was weiß ich.

Symbolbild

Zum Abschluss des doch in der Gesamtschau sehr widerwärtigen Jahres ein wenig bloggernarzisstische Statistik fürs Gemüt:

Meistgeklickt 2021

1. Fuck you, nach mir die Lava (3.467)

Weiß nicht, hab‘ nur tschüss gesagt. Hab‘ mich nicht mehr wohl gefühlt. Musste gehen.

2. Die Maskenvettel (2.302)

Die Nachbarschaft dreht ihre eigene Hysterieschraube im Treppenhaus und macht das leider nicht, ohne mich mitdrehen zu wollen.

3. Namen sind Schwall und Lauch (1.748)

Hab‘ den Namen von dieser Blogmüllkippe mal wieder geändert. Keine Ahnung, wieso man sowas so oft klickt. Müssen Sie selber wissen.

4. Meine scheiß Mutter lebt immer noch (1.507)

Der Evergreen. Von 2019. Seitdem dauerhaft geklickt. Wahrscheinlich weil es unüblich ist, so etwas über die doch immerliebende Mutter (schnüff) zu schreiben. Der Text hat Jahre gegärt, ganz unten im Hummus des geritzten Gemüts. Danach habe ich ihn zur eigenen Verarbeitung rausgekloppt. Damals 2019 bei knapp zehn Lesern und drei Chinabots war es einfacher, solche deepen Dinger zu schreiben.

5. Hurra, das Virus ist da (1.313)

Der Auftakt zum Coronabesuch, der dann doch ungeiler war als ich es auf dem Zettel hatte. Zu normalen Zeiten hätte ich den Notarzt gerufen. Danke natürlich für die freundlichen Grüße aus allen möglichen, manchmal auch nicht erwarteten Richtungen.

6. Retrospektive: Transnistrien (1.293)

Mal was ganz anderes. Ein seltsamer Reisebericht aus einem ganz seltsamen Land. Sehr intensiv. Die schönste Reise einer Zeit, in der ich zufrieden meistens außerhalb diesen Landes vor mich hin trieb. War sehr schön. Ich hätte länger dort bleiben sollen.

7. Fuck Homeoffice (1.222)

Immer noch aktuell. Homeoffice ist der letzte Scheiß. Bei uns zahlen Sie als Arbeitnehmer drauf. Mit Lebensqualität. Und ich hasse es.

8. Hurra, es gibt Gendertrötenbier (1.200)

Ihre Retortensprache jetzt auf Bieretiketten. Ich wollte das Bier verreißen, das ging aber nicht durchgehend, weil es gar nicht mal schlecht geschmeckt hat. Nur über die woke Gendernummer habe ich mich amüsiert, weil ich mich darüber immer amüsiere. Der Hersteller hat das Ding gefunden, durch seine Facebooktimeline gezogen und sehr cool reagiert. Normalerweise reagieren Woke bei sowas sehr dünnhäutig und rufen dann immer gleich die Intifada aus, die hier blieben geschmeidig trotz des Roasts. Gruß an der Stelle. Gutes Bier. Vielleicht kauf ich’s ja nochmal. Und wickel’s vor dem Trinken in eine Papiertüte. Weil man, wenn man einen Ruf zu verlieren hat, echt nicht mit dem Sternchengetröte auf dem Etikett draußen rumlaufen kann, wo einen jede*_:ens sieht.

9. Steine sind okay (1.198)

Jahresendgerotze. Who cares…

10. Tjo, Nikolai (1.194)

Ich mag den. Ich mag Unkorrekte und Unangepasste immer. Die haben bei mir sofort einen Bonus. Regierungscomedy braucht kein Mensch. Anstalt. Heute Show. Extra drei. Kann ich nicht mehr schauen. Sie senden inzwischen kilometerweit an mir vorbei.

Klicks aus der Nachbarschaft 2021

1. https://fliegende-bretter.blogspot.com (2.492)

2. http://www.zeitgeistlos.de (2.112)

3. https://www.arthurstochterkochtblog.com (1.444)

4. http://dschneble.tssd.de (746)

5. https://blog.nassrasur.com (332)

6. https://multipolar-magazin.de (319)

7. https://polemica-blog.jimdofree.com (211)

8. https://allesevolution.wordpress.com (152)

9. https://www.neulandrebellen.de (122)

10. https://oliverdriesen.de (108)

Wie immer habe ich unappetitliche Referrers, Facebook, Twitter und so, all die Gülle, von der ich nicht verlinkt werden möchte, weggelassen. Ein wenig Bloghygiene muss sein. Grüße an alle anderen.

Reisende nach Staaten 2021

1. Deutschland (248.664)

2. Schweiz (9.725)

3. Österreich (6.234)

4. Italien (1.654)

5. Australien (1.554)

6. USA (1.521)

7. Thailand (1.089)

8. Belgien (1.032)

9. Niederlande (1.018)

10. Griechenland (986)

(…)

29. Polen (117)

Lustiger Körpercontent. Ich liege im Moment fünf Kilo über Idealgewicht statt fünf Kilo drunter wie noch im Frühjahr nach der fiesen Lockdowndepression, die in den letzten Jahren die schwerste ihrer Art war. Diese Kilo drüber sind einigermaßen ekelhaft und liegen natürlich im dezemberfiebrigem sowie postcoronalen Fressen und Saufen begründet. Ich hatte da zwei verlorene Wochen nachzuholen und das Ergebnis war: Weniger Bikinizone, weniger Cruising, dafür mehr Braten. Kekse. Und Süßigkeiten, die mir mein Kind ins Maul stopft.

(Fettsack…)

Die fünf Kilo fallen natürlich auch den Arschgeigen auf, die sich meine Kumpels nennen und der sadistischsten Fitnesstrainerin der Welt: „Au weia, du hast zugelegt.“, „Lässt dich ganz schön gehen.“, „Musst mal was machen.“, „Ich stell‘ dir den Ernährungsplan um.“ Ja, fick dich. Fickt euch. Fickt euch alle. Weiß ich selbst. Ich weiß das alles selbst. Fuck off.

(Wahrheit tut weh…)

Das Kilodesaster ruft natürlich nach meiner üblichen Aktion. Meinem eigenen Ernährungsplan. Autosuggestives Training. Nur mit mir selbst. Wiederhole, fool: Essen ist böse. Essen ist böse. Essen ist böse. Nochmal: Essen ist böse. Bis ich das selber glaube und am liebsten sogar einen ölarmen Salat wieder auskotzen würde wie ich das höflicherweise von Freunden angenommene Stück Geburtstagskuchenrest wieder ausgekotzt habe. Die Nudeln mit Pesto (knapp 1.000 Kalorien!) vom Mittagessen. Die Fingerübung: Essen. Abräumen. Bad abschließen. Kopf in die Schüssel. Weg mit dem Gift. So lange bis die Optik wieder stimmt. So mache ich es, weil es klappt. Temporär kontrolliert brutal gegen mich selbst, was Sie nur machen können, wenn Sie den unterschwelligen Selbstekel künstlich an die Oberfläche pushen und ihn sich selbst ins Gesicht speien, weil das Rauskotzen der aufgenommenen Nahrung erstmal Überwindung kostet. Keine Sorgen machen bitte. Kein Grund für den Berliner Krisendienst. Sind nur die Routinen von einem, der sich quasi selbst therapiert. Ich kann das gut kontrollieren. Es ist nur temporär. Und mir als Problem natürlich bekannt. Und dem Therapeuten auch, der früh schon die Ursache für den zerfressenden Selbstekel identifiziert hat: Die Mutter. Ach, natürlich die Mutter. Immer die scheiß Mutter. Der das zur Pubertät leicht speckige Kind nie genügen konnte. Zugenommen. Zugenommen. Du hast zugenommen. Kneif Kneif. Immer in die Seite. Für dich nur noch Sellerie. Kresse. Salat. Salat. Du isst jetzt Salat. Vollkornspaghetti mit Zwiebeln und Olivenöl. Weil du zu dick bist. Zu dick. Zu dick. Ungesund. Du bist zu dick.

Unvergessen auch ihr Kommentar zu einer meiner damaligen Freundinnen. „Die wirst du nicht halten können, die ist eine Nummer zu groß für dich.“ Boom Boom Boom. Zu dick. Zu doof. Zu verschämt. Zu arrogant. Nie genügend. Nur solche Schwinger ins Kontor. Die anderen Kinder sind viel besser. In allem. Schule. Bei Tisch. Im Sport. Überhaupt. Kuck dir an wie höflich die sind. Kuck dir an wie gut die aussehen. Wieso habe ich nicht eines der anderen Kinder? Warum habe ich dich? Was willst du von mir außer mich aussaugen wie ein Vampir?

(Liebe)

Hören Sie das Knacken? Nein? Ich höre es heute noch. Es ist das Selbstbewusstsein eines 15-Jährigen, das bricht. Systematisch gebrochen wurde. Immer wieder, immer wieder noch einmal, wenn sie den Durchdreher hatte, einen Ableiter brauchte und den einzigen nahm, der verfügbar war, hinten im Kinderzimmer. Neben dem Klo. Tür aufreißen. Irgendwas brüllen. Oder was werfen. Selten mal schlagen, aber doch, auch das.

(später Tränen, Entschuldigung, mir ist die Hand ausgerutscht, Mama hat’s auch nicht leicht, weißt du? Und du hast mich ja auch provoziert.)

Das Ergebnis von sowas sind natürlich massive Störungen in der ganzen Statik der durch die Seelenmühle einer Psychotikerin gedrehten Persönlichkeit. Mit Auswirkungen bis heute. Was ich alles nur mühsam flicken konnte. Mit Mittezwanzig erst. Indem ich diese Figur aus meinem Leben radiert habe. Und dann meine Reste zusammengesetzt und geklebt habe. Zusammengetackert. Mit Spucke, Gaffertape und Lehm. Hält bis heute. Notdürftig. Irgendwie. Havarie.

Diese Schäden aus dem fragilen Alter junger Männlichkeit kriegen Sie nie mehr raus. Aus mir wird kein normaler Mensch mehr. Die seelischen Bombentrichter sind da und ich weiß, dass sie da sind, ohne noch was wirksames gegen sie tun zu können. Aggressionen. Selbstzerstörerisches Verhalten. Stahlblanker Hass. Auf mich. Auf andere. Auf alles. Was ich kontrolliere. Freischreibe. Einhege. Abdämpfe. Durch eigenes Herunterwirtschaften. Dann wieder manisches Überfliegen. Überlegenheitsfiktion als Abspaltung. Ich, der Allesbringer, der alles bringt, jeden Angriff pariert, jede Aufgabe durchzieht und dann wieder abstürzt, wenn er mal was nicht bringt. Weil Mittelmaß keine Option ist. Überflug oder Absturz. Schwarz oder Weiß. Volldampf oder Vollbremsung. Kaputt. Heillos kaputt. Alles nicht mehr final zu kitten. Ich kann nur schauen, dass die Vollmacke keiner mitkriegt. Ich den verstecke, der ich bin. Bis die alte Schabrake endlich abkratzt, die als Schatten immer noch in mir wirkt. In ihren blauen Birkenstocklatschen. Fäuste in die Hüfte gedrückt. Du genügst nicht. Du genügst nicht. Ja, Mama. Ich genüge nicht. Nie genüge ich. Tut mir leid, dass es mich gibt.

(Fotze)

Sie lebt immer noch. Wenn sie irgendwann stirbt, wird es ein guter Tag sein. Dann fällt zumindest die Angst weg, sie auch heute noch, Jahre später, auf der Straße irgendwo zu sehen, den höhnischen Mund zu einem Grinsen verzogen, bereit für den Schlag, der mich wieder, auch heute noch, als längst erwachsenen Mann, zerfetzen würde. Ich meide die Orte, an denen sie sein könnte und stelle sie mir vor, wie sie über die Silbersteinstraße brüllt, wenn ich doch mal wieder in der alten Hood unterwegs bin: „Du Macker! Du bist zu dick! Kuck dich doch mal an! Und ess nicht so machohaft! Kuck nicht so arrogant! Und trink nicht so ekelhaft! Du Kotzbrocken! Ich treib‘ dir das aus! Aus! Hörst du! Aus treib‘ ich dir das!“

Diese Frau ist der letzte, der einzige Mensch, der mich wirksam verletzen kann, sonst bin ich ausgehärtet. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Brandmauern hochgezogen. Stahlplatten geschraubt. Fluchttunnel gegraben. Fallen gelegt. Finten entworfen. Niemand gelangt mehr ins Innere, um dort zu brandschatzen. Draußen ist feindlich. Ich sehe sie angreifen, dann abprallen und freue mich, dass sie nicht durchkommen durch meinen Wehrwall. Nur die Mutter würde es schaffen. Sie würde das können, was sonst keiner kann. Sie könnte durch die Mauern laufen wie ein körperloser Geist und könnte mich mit einem höhnischen Satz vernichten. Wie früher immer. Mein Stahl wirkt nicht gegen sie. Keine Brandmauer würde sie aufhalten. Ich bin längst ein erwachsener Mann und habe immer noch Angst vor ihr. Und die Angst wird erst enden, wenn sie stirbt. 

(Güte, tut das weh, das alles zu schreiben, wie sich selbst auszuweiden, stirb doch endlich, stirb bitte…)

Yo.

Da sehnse mal.

Stimmung kann ich.

Ich weiß gar nicht wie ich nach dieser wieder mal völlig unangemessenen Entladung noch die Kurve zu irgendwas anderem kriegen soll. Wahrscheinlich gar nicht. Besser aufhören, bevor ich noch an meinem eigenen Gedärm ersticke. Dezember. Das war der. Mehr war nich‘. Is nich‘. Rutschense jut rin. Tschö mit Böh.