Hurra, hurra, das Virus ist da

„Ja. Moin. Öhm. Ich muss mich krank melden. Ich hab‘ Corona.“

„Mann Mark, nee, scheiße, bist du geimpft?“

„Nee.“

„Oh Gott Mark!“

„Yo. Bis irgendwann. Ich meld‘ mich. Tschö.“

„Warte, Mark, warte warte, Mark! Hast du nicht letztens gesagt du bist geimpft?“

(Crap.)

„Ähm. Du, ich muss weg. Amazon hat geklingelt. Wichtiges Paket. Tschö mit Ö. Ich meld‘ mich.“

Verdammte Axt. Alle haben es gesagt. Alle. Von überall. Und ich habe nicht zugehört. Mir nach all den Monaten des Geplärres die Ohren zugehalten. Habe es auf die leichte Schulter genommen wie ich immer alles auf die leichte Schulter nehme. Hoho. Nix wird so heiß gegessen wie … hoho. Der Teufel ist nie so furchtbar wie man ihn … hohoho. Panikhansel alle. Alarmsirenenzombies auf zwei Beinen. Überall Spinner. Die üblichen Hysteriker. Wie immer. Alles ohne Ausnahme ständig maximal schlimm. Alle überdreht wegen allem. Borderliner. Neurotiker. Aufmerksamkeitsklickfresser. Krakeelköppe. Auf die hör‘ ich sonst auch nicht. Außerdem bin ich Sportler. Mit einem Immunsystem wie ein Heldenkind. Ich krieg‘ das nicht, ich atme das weg, und wenn ich’s kriege, dann hat das Ding keine Chance, weil ich bin auch noch Singlemaltsäufer, haha, diesen kleinen hässlichen grauen Golfball mit den roten Tröten (Anheftungsproteine, du Hund, Anheftungsproteine) ätz‘ ich weg. Mit Fassstärke, hahaha. Hahaha.

Ha.

Nix haha. I fucked up. Jetzt hab‘ ich’s. Vom Kind geschenkt bekommen. Schule. Positiver Schnelltest. Abholen und zum Drive-in-PCR-Boxenstopp voller Dystopieschausteller in Strahlenschutzverkleidung. Und der Schmock namens Papa hängt ganz fett mit drin in der Chose, weil – good morning, my lottery – Papawoche ist. Später das Ergebnis. Natürlich positiv. Alles ist positiv. Fuck off. Fuck you all. Piece of crap. Was’ne Scheiße. Und klar mein Fehler. Ich habe mich jetzt anderthalb Jahre lang durchlaviert. Alle verhöhnt. Den Dauerwarner mit seinen schlechten Zähnen. Die eitlen Virologen im Blitzgewitter. Den Gesundheitsmistmacher mit seiner Fantastillionenvilla. Unsympathische Youtuberinnen mit nöliger Stimmlage. Überreizte Journalisten mit Hypochondersyndrom. Den schimmlig reitenden Alpensheriff mit seinen straffen Zügeln. Die Vermummer mit ihrer Vermummung. Die Türklinkendesinfizierer. Die Mitdenfüßengrüßer. Balkonklatscher. Homeofficeschlümpfe. Alle flötenden, klampfenden und bastbongotrommelnden Coronakitschvideoproduzierer. Ping. Innen. Zuletzt die Grundrechteschleifer und ihre Prügelcops, die’s nur gut meinen. Icke wieder. So isser halt. Großes Maul gehabt. Alles wieder besser gewusst. Auf niemanden gehört, schon gar nicht auf den Staat, wie grundsätzlich seit der Pubertät, weil der Staat böse ist. Ein Riesenarschlochmoloch voller vieler kleiner Arschlöcher. Korrupt bis ins Mark. Und sowieso eine Kasperbude voller Kryptoheßlings, der Sie nix, aber auch wirklich nix glauben können. Kfz-Zulassungsstelle. Jugendamt. Ordnungsamt. Fuckfinanzamt. Bußgeldbescheid. Auflagen. Sorgerecht. Falschparken. Abschleppen. Was vom Staat kommt ist immer scheiße. Eine alte Siffpunkerweisheit, die ich zusammen mit den Freizeitstiefeln und der Musik nie richtig abgelegt habe (wenn auch alles andere sonst).

Ja schön. Fein gemacht. Cool. Fool. Das haste nu‘ davon. Da stehste nu‘. Arriba Arriba Arrogancia. Hahaha Corona. Hahaha Hausarzt. Haben Sie schon Symptome? Fragt der am Telefon. Bisschen Halskratzen, sage ich. Na da kommt bald mehr. Sie hätten sich impfen lassen sollen. Jaja. Jajaja. Ich weiß. Ich weiß doch jetzt. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe das alles nicht ernst genommen, war wie immer der Meinung ich sei unsterblich, weil mir rosa Marzipanglücksschwein nie was passiert, und jetzt bin ich fällig. Muss er mir nicht auch noch unter die Nase reiben. Mir. Ich. Zuhause. Kind. Nahrung ist genug da. Tiefkühler voll. Netflixwatchlist auch. Vier Playstationspiele am Start. Zur Not lade ich neue runter, wenn wir die durch haben.

Was jetzt folgt, kann ich mir als Nadel des selbstverdienten Ordens wider des tierischen Ernsts durch die Brustwarze ans Revers stechen: Zu leichtsinnig. Zu naiv. Zu arrogant. Das kommt davon, wenn man immer an den Rand der Comfortzone surft, um auszutesten, wie weit man es schafft. Was alles geht. Wo das Ende der Fahnenmasten liegt. Und ob da noch was kommt. Dann segelt man halt irgendwann mal über den Rand. Fällt runter. Knallt auf den Asphalt. Geht drauf. Vor die Hunde. Über die Klinge. Jordan. Jagdgründe. Jammertal. Strick. Knick. Uargh. Hat schließlich auch mal kein Glück. Curiosity killed the freak. Kein Mitleid. Komplett selbst schuld. Ende der Durchsage. Ende der Herrlichkeit. Ende der Witze. Ende der Arroganz. Willkommen in Quarantäne Nummer Drei. Heuer mit Gimmick. Diesmal bin ich im Arsch. Diesmal hab‘ ich das Killervirus.