Versteh ick nich (9)

Na? Was’n das?

Keine Ahnung? Hier, kiek ma so:

Na klar. Ein Flaschenöffner. Als Schlüsselanhänger. Fürs Wegbier. Denn ich saufe auf der Straße. Ich saufe im Park. Oder ich saufe vor dem Späti, wenn es nicht anders geht. Und damit ich die Bierflasche nicht mit den Zähnen, dem bröseligen Berliner Bordstein oder meinem Penis aufmachen muss, wollte ich mir einen kleinen Flaschenöffner für den Schlüsselbund kaufen.

Aber im Segnent der Schlüsselanhängerflaschenöffner kriegen Sie nur Schrott. In dem letzten übrig gebliebenen 1-Euro-Laden meines Premiumbezirks oder den fünftausend 1-Euro-Läden des Weddings. Nur Unsinn. Kleine Flaschenöffner als Scherzartikel. Irgendwas mit Clowns. Piffi dem Hund. Oder die Merkel mit der doofen Raute. Als Flaschenöffner. Wer kauft denn sowas? Und wer will den Mist an seinem Schlüsselbund haben?

Jetzt habe ich dieses ganz normale Ding in Silber. Klein. Funktionell. Praktisch. Gut. Gab’s bei Amazon.

Für einsfuffzig.

Nochmal: Ein Euro und fünfzig Cent.

Aus China.

Lieferzeit 6 Wochen.

Versandkostenfrei.

Versteh ick nich. Hallo Kapitalismus. Hallo Globalisierung. Hallo Suezkanalcontainerschiffe. Wie rechnet sich das? Wo ist die Marge? Wer verdient daran auch nur irgendwas? Und überhaupt: Wem nutzt das? Was bringt das? Wohin soll das führen? Und was passiert, wenn der Suezkanal mal dicht ist? Oder nicht mehr nur die Lieferketten für unnützes Zeug wie Holz, Stahl und Elektronik vor die Hunde gehen, sondern jene für praktische Flaschenöffner? Alles das: Versteh ick nich.


Versteh ick nich (8)