Linkschleuderei vom 13. Oktober 2021

Manchmal frag‘ ich mich was ich hier eigentlich mach‘, ich sitz‘ hier rum in einer viel voll’n Stadt, mit einem viel zu voll’n Kopf und ’nem eher ziemlich trägen Tag, rede über Dinge, über die ich schon geredet hab‘.

Schlakks


Die Links. Read this:

Polemica: Systemfrage

Ich lese kaum noch Politblogs. Es kam irgendwann die Zeit, da konnte ich die alle nicht mehr lesen. Wollte mir keinen Satz dieser unzähligen Politbleiwüsten mehr geben. Too much information. Too much Sülze. Wenig übrig geblieben. Das Meiste davon geht jetzt an mir vorbei. Und man merkt, wie wenig man davon merkt, wenn man einfach weniger von sowas liest. Und wie wenig relevant es überhaupt wird, wenn man sich mal abseits davon gestellt hat. Und dass das gut so ist. Aber hey. Es gibt Ausnahmen. Die ich gerne mit Freude lese. Hier ist eine davon. Konstant gut.

DW: Ist Polen auf dem Weg aus der EU?

Call me Dr. Zwiespalt. Es würde mich auf der einen Seite ganz persönlich sehr schmerzen, auf der anderen Seite kann ich jede Emanzipation gegenüber dem wuchernden Bürokratie- und Geldfressermoloch, der als der kolossale Dilettant, der er ist, in die kleinsten Bereiche hineindirigieren will, verstehen. Wenn Polen austritt, dürften schnell andere folgen, dann bricht das Konstrukt entzwei und scheitert am Ende an der eigenen fehlenden Konsequenz. Bauen Sie einen Staat, müssen Sie ihn richtig bauen, nicht mit zwölf Millionen Ausnahmen auf acht Millionen Gebieten für jeden der 27 Mitglieder, an deren Spitze eine absurde Bürokratie thront, die sich von mir, Ihnen, uns da unten vollkommen entkoppelt hat.

Berliner Zeitung: Chaos am BER zum Ferien-Start in Berlin: Urlauber verpassen ihre Flüge

Nein, es ist wirklich keine Übertreibung, auch kein Kokettieren, augenzwinkerndes Allgemeingut oder ironisches Selbsthochnehmen mehr, sondern eine schlichte, sehr schmerzende Tatsache: Berlin kann nix. Wirklich nix. Auch keinen Flughafen natürlich, weder bauen noch betreiben, denn wie systemwidrig wäre es denn, wenn ausgerechnet der Flughafen hier in Berlin funktionieren würde? Als einziges. Geht ja nicht. Weil wir nichts hinkriegen hier. Wir würden unseren eigenen Arsch nicht finden, wenn der nicht über den eigenen Stelzen unkaputtbar angewachsen wäre. Berlin ist die einzige Hauptstadt der Welt, die nicht die Visitenkarte, sondern die Lachnummer des Landes ist. Der Hofnarr. Der Vollhorst. Klassendepp. Dick und Doof als Stadt. Eine in den märkischen Sand geschissene Peinlichkeit. So viele Torten wie man den Verantwortlichen für ihr überbezahltes Dauerversagen an allen, wirklich allen neuralgischen Punkten der Stadt ins Gesicht drücken müsste, gibt es auf der ganzen Welt nicht.

Heise: Smarte Toiletten machen den Gesundheitscheck – per Kotprobe und Analscan

And so it begins. Sie werden so etwas irgendwann mit Ihrer persönlichen Gesundheitsapp vom RKI verknüpfen, ohne die Sie keinen öffentlichen Ort, keine Gastronomie, keine BVG und keinen Einzelhandel mehr betreten dürfen. Auf dieser Gesundheitsapp befinden sich dann Ihr kompletter Impfstatus, die letzten Blutwerte, Leberwerte, Drogenscreenings, Diagnosen, Facharztüberweisungen und so Kram wie Röntgenbilder und auf jeden Fall jedes einzelne Psychogutachten, das jemals über Ihr entzündetes Gehirn erstellt wurde. Ach ja, und natürlich auch die tägliche Analyse Ihres Stuhlgangs. Proudly presented von Ihrer eigenen Toilette. Und abrufbar von jedem Arzt, Apotheker, Krankenkasse und der korrupten Ministerialbürokratie. Wie? Was? Wer sowas sagt ist ein Verschwörungsnazi? Stimmt. Verdammt. Fresse alle. Maul halten jetzt. Mumpf Mumpf. Kolben müssen gedrückt werden für den Sieg. (via)

Berliner Zeitung: Analyse: Warum Frauen und Männer anders mit Belastungen umgehen

„Männer versuchten häufig, Dinge zu verbergen und kompensierten Gefühle teilweise auf destruktive Weise – etwa mit Alkohol- oder Drogenkonsum. Auch die Gefahr von aggressiven Handlungen sei bei ihnen größer als bei Frauen (…) Übertriebener Sport zähle laut Deister ebenfalls zu den möglichen Anzeichen seelischer Belastung bei Männern: Sie gehen dann teils über ihre Grenzen hinaus in Bereiche, die nicht mehr gesund für sie sind.“

Tach, ick bin der Mark und dass ick ’ne Macke habe, wees ick selber.

Emma: Grüner Mann entlassen!

Gnihi. Trollolo. (via)

How I experience web today

Genau so. Wunderbar realitätsnah. Wieso haben sie es so kaputt gemacht? Und wer findet das so gut? (via)

Die Welt des DrSchwein: Damals – Dezember 2008

„(…) ich war bei der Rückkehr in die Umschulungsklasse auch plötzlich unbeliebt und wurde gemieden. Und das nur, weil ich Berichte über meine Mitschüler im Internet veröffentlich hatte und jemand aus der Klasse es herausgefunden hat.“

Ja, das ist ein Problem. Eine Möglichkeit, dem vorzubeugen, ist, diejenigen, über die man schreibt, zu verfremden, immer leicht über- oder unterzuzeichnen, identifizierende Charakteristika wegzulassen, die für den Plot nicht zielführend sind, Orte wegzulassen, Fotos zu zerfiltern, Namen auf jeden Fall zu ändern, so dass sich nach Möglichkeit niemand selber erkennen würde, selbst wenn er es (unwahrscheinlich, aber wer weiß das schon) lesen würde. Ob das dauerhaft trägt? Kein Plan.

des mondes nous séparent: Heitere Briefe aus der Nervenheilanstalt I

Vollkommen verstörend. Ich habe auch nur die Hälfte verstanden. Aber irgendwie find ich’s voll gut.

Gesoffen habe ich in der Hildegard Bar irgendwo im Dunstkreis vom Tauentzien. Und das war eine gute Entscheidung, denn ich habe sie wieder gefunden, die perfekte Bar, nachdem sie das Salut! verkauft, grell ausgeleuchtet haben, die Drinks versemmeln und nur noch komische Leute da reinlassen. Was freue ich mich. So ein schöner Ort. Der zuckersüße Gastgeber mit dem lebenslustigen Schmerbauch fragt mich nach meinen Vorlieben, erfasst mich schnell als der, der ich bin, mixt mir meinen individuellen Drink und trifft ins Schwarze. Premium. Ein Premiumladen. Ich mag den. Der Gipfel war zuletzt das Bukowskigedeck. Krosser Räucherspeck, geräucherter Maltmix und Bier dazu. Ich bin sehr verliebt.

Vom Suff- noch kurz zum Foodcontent:

„Du musst bei Mae Charoen essen gehen.“ Hat er gesagt. Der Superauskenner. „Voll authentisch. Voll Kult.“ Hat er gesagt. Der Superauskenner. „Viel Schrott in Berlin. Aber Mae Charoen ist authentisch.“ Bla. Dann folgte noch mehr Gelaber. Thailand. War er lange. Und oft. Er isst fast nur noch Thai blabla. Überall. Meistens Kantstraße bla bla. Aber auch hier. Auf der Sonnenallee. Voll authentisch blaha. Ich müsse da mal hin. Und tat’s. Damit der aufhört. Bekommen habe ich Pad Thai. Das Hausgericht. Sadistisch zerkochte matschige Nudeln. Kaum Gewürz. Eimerhähnchen. Und dieser ganze sehr dumme Nahrungsmist schwamm im Fett, das sich wegen der schiefen Tische in einem obszönen messingfarbenen See am Rand des Tellers sammelte. Fürchterlich.

Zu selten gesehenen Begeisterungsstürmen auf Seiten des Kindes hat das Rezept von Pasta mit Paprikasoße geführt. Kein Gepicke, kein Genöle, kein Gestocher, sondern drei Teller ratzputz. Bestnote. Und weil das nicht reicht, habe ich noch Schwedische Fastnachtsbrötchen zum Nachmittag gemacht. Das ist alles eine Investition darin, es dem Kind moralisch möglichst schwer zu machen, den Honki von Vater irgendwann in ein paar Jahrzehnten in ein Heim abzuschieben. Hey, wer so kocht und backt …

Ein sehr taugliches Rezept ist auch Pasta mit Champignons, Rucolapesto und Ricotta. Ich habe den Knoblauch verdoppelt, was meinen Zahnarzt nicht gefreut hat. Aber mir egal. Mich hat ja auch das Bohren nicht gefreut.