Linkschleuderei vom 16. Mai 2021

Genervtes Steckergeziehe: Ich habe gerade die letzte der Coronatelegramgruppen gekickt, in denen ich nun ein halbes Jahr stumm mitgelesen habe, nachdem ein Account mit dem Namen „Cassiopeias Lichtbotschaften“ die vor einigen Monaten noch halbwegs seriöse Quasselbude mit einer irrwitzigen Flut aus vollkommen abgedrehten Glückskekssprüchen geflutet hat. 150 Dinger voller esoterischer Weisheiten vom Grabbeltisch. Über Tage. Erschöpfend. Klick. Kanal verlassen? Ja bitte.

Und er ist nicht der einzige von solcher Sorte, der sich inzwischen auf der Suche nach unfreiwilligem Publikum dort rumtreibt. Es spammen dort abwechselnd Ufoheilige. Steckdosenstrahlenfreaks. Morgellonabfilmer. Schief singende Blumenvetteln. Üble übergewichtige Sonnenbankflavour-Blauschwarzfrisurunfälle mit senkrechter Kamera im Auto, die bei Rossmann wegen aufgesetzter Renitenz rausgeflogen sind und hierüber blöken. Mies politrappende Schweizer. In die Kamera brüllende aufgeschwemmte Rentner mit Hass auf Leute, die ich gar nicht kenne. Irgendwelche gestikulierenden Pumpertypen, die erklären, dass die Coronaverordnungen ungültig sind, weil die BRD kein legales Völkerrechtssubjekt sei (hey, Idee, fragt doch mal die große grüne – weiß nicht, was haste – Völkerrechtlerin, die erklärt euch bestimmt qualifiziert, warum das nicht stimmt – scnr). Und Typen, die Astronautennahrung für ein Leben im Bunker verkaufen. Eine groteske Freakshow. Monster. Mumien. Mutationen. Die Gruppen, die keine reinen Einbahnstraßenverlautbarungskanäle sind, sind fast alle von Verstrahlten und Verrückten übernommen worden. In Masse. Voll gekippt, die Dinger. Null nützliche Information mehr. Nur noch Grind. Ist halt wie immer. Ist ein Thema durch (und Corona ist jetzt vielleicht wirklich endlich durch), übernehmen die Irren.

Wäre ich Blogger und mir fiele nicht so viel anderer Shit ein, womit ich ein Blog füllen könnte, würde ich eine Serie draus machen: „Best of Telegramfreaks – Weirdos on air“. Aber ich habe ja keine Zeit. Ich müsste den ganzen Kram alles lesen, ihre blöden Videos glotzen und zuletzt das Zeug mundgerecht aufarbeiten, sonst bringt das nix. Zu aufwändig. Kein Bock. Aber die Idee fände ich gut.

Vorschlag: Machen Sie doch ein Blog damit auf. Ich verlink‘ das dann hier. Deal?

Sonst habe ich, jetzt wo das mit dem unbeachteten Bloggen unter allen Radaren endgültig wieder Geschichte ist, echt wieder Bock bekommen auf solche Linklisten. Kleine Häppchen. Kurz Kommentiertes. Läuft mir gut rein gerade.

Es ist auch besser als eine Blogroll, weil wenn ich ein Blog nicht mehr gut finde, kann ich es einfach leise weglassen, während jemanden aus der Blogroll zu werfen immer gleich wie ein Affront wirkt (und vermutlich auch einer ist, fragen Sie mich nicht nach Zwischenmenschlichem in Internet, davon versteh‘ ich nix).

Was soll’s. Hier also wieder ein paar Links. Schauen Sie doch mal woanders:

Sarah Wagenknecht: Was man heute noch sagen darf. Shitstorms, Cancel Culture und #allesdichtmachen

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal die streng frisierte Tante von der Kommunistischen Plattform der PDS gut (oder zumindest nicht übel) finden würde. Doch eingeräumt: Sie hat ein gutes Gespür für Stimmungen und das richtige Timing für akzentuierte Statements hierzu, das muss man ihr lassen. Inzwischen ist sie für all das jedoch ziemlich sicher in der falschen Partei, denn diese hat kein Gefühl mehr für irgendwelche Stimmungen, sondern segelt am Stammklientel, den Vergessenen und Abgehängten, zugunsten der neobeseelten Lifestyleschickeria aus den begrünten Befindlichkeitslogen viele Lichtjahre vorbei. Ich wüsste aber auch gar nicht, in welche Partei Frau Wagenknecht passenderweise eintreten könnte, genauso wenig wie ich wüsste, welche Partei ich wählen sollte, würde ich überhaupt wählen gehen. Frage in dem Zusammenhang: Tritt die APPD noch irgendwo an?

Berliner Zeitung: Berliner Gebäude, die wir gerne abreißen und zerstören würden

Architekturverrisse. Sie haben es wieder getan. Und sie haben schon wieder Recht. Generell: Schleichend richtig gut geworden, die Berliner Zeitung. Richtig gut. Konträr zu diesen Absteigern hier:

Welt.de: Der „Tagesspiegel“ entschuldigt sich für „handwerkliche Fehler“

Der Tagesspiegel war über viele Jahre mein Lieblingsportal. Das einzige, in dem ich täglich gelesen habe. Seriös. Verlässlich. Informativ. Und neutral. Nie aufgeregt. Das ist vor etwa drei, vier Jahren plötzlich und komplett unerwartet ins aufdringlich alarmistisch Moralistische gekippt, so dass ich ihn irgendwann wegen dauerhafter Unerträglichkeit aus den Lesezeichen gelöscht habe. Jetzt ist er nur ein weiteres dieser gesichtslosen und extrem nervenden Politkampagnenportale, von denen es so viele gibt inzwischen. Gendersprech. Regierungskadavertreue. Grünenlob. Haltungsblei über Haltungsblei über Belehrung über Belehrung. Und jetzt zuletzt diese selbst für den Tagesspiegel üble gesinnungsfinstere Schmutzkampagne, die die Protagonisten einer ganz normalen und auf jeden Fall zulässigen abweichenden Meinung um Liefers, Brüggemann und Bleibtreu als „antidemokratisches Netzwerk“ übler Nazis hinstellte. Nur wegen ein wenig Opposition. Meine Güte. Was hat die bloß so ruiniert?

Noch einen drauf:

FAZ: Alles nicht gemacht

Ich bin aber sogar leicht guter Dinge, denn inzwischen scheint mir eine Art zaghafte Selbstreinigungskraft bei den alten herkömmlichen Medienportalen am Wirken zu sein. Die letzten drei, vier Jahre der bis in die Haarspitzen ideologisierten Selbstherrlichkeit mancher sich Journalisten nennenden Aktivisten weichen einer zunehmend kritischen Kommentierung durch konkurrierende Medien (leider oft die Welt, zu selten die FAZ, immer öfter so etwas skurriles wie T-Online), was hier nun dazu geführt hat, dass die schnappatmigen Gesinnungsermittler jetzt das erste Mal zerknirscht waidwund zurückrudern mussten, weil sie mit dem allzu routinierten Bashen Andersdenkender überzogen haben. Und das ist ja eigentlich auch schon wieder eine gute Nachricht. Geht ja doch. Pendelt sich möglicherweise wieder ein, das mit dem früher mal normalen Aushalten abweichender Standpunkte. Vielleicht. Müssen wir sehen.

Vincents Tagebuch: Mitteilungen aus der Gummizelle

Für mich der interessanteste Neuzugang im Feedreader. Kulinarisch und politisch, ohne gleich wieder zu nerven. Gut. Gefällt mir gut. Wo der steht, weiß ich nicht und wird auch nicht klar, aber das ist egal. Ich steh‘ ja auch für nix (oder nicht viel).

Radikale Heiterkeit: Live to tell

Der hier hat mein Lob gar nicht mehr nötig, weil ich ihn schon seit so vielen Jahren immer wieder neu über die Spree lobe. Heuer die Torstraße. Atmosphärisch, authentisch, wahr und selbst für sein eh schon hohes Niveau groß geschrieben (sorry mate, ich musste es tun…).

Hirnfick 2.0: Warum man das hier macht

Geschmeidiges Bloggen aus der Hüfte. Das kann ich fast alles so unterschreiben (bis auf das Feedback, das er bekommt und mag, denn ich bekomme keines, weil ich keines mag).

Ich schreibe meinen Mist leicht anders: Die meisten Texte hier rotze ich in einer flüchtigen Laune stumpf runter, manchmal in der S-Bahn, in einem Wartezimmer oder auf dem Scheißhaus. Überall wo mir langweilig ist. Dann lasse ich sie ein, zwei Tage (manche auch Monate, ein paar wenige tatsächlich Jahre) liegen, klicke sie nach einmal Drüberlesen raus und verbringe dann die folgenden Tage mit Kosmetik und Korrekturen. Schreibfehler. Denkfehler. Falsche Links. Halbfertige Sätze. Und offensichtlicher Unsinn, der beim ersten Rausrotzen noch ganz vernünftig klang. Manchmal muss auch juristisch Bedenkliches raus, worauf mich der befreundete Eierdiebanwalt (Grüße) mit anschwellendem Bocksgesang Lustgewinn hinweist.

Wegen alldem habe ich auch keinen Vollfeed mehr. Weil meine gesammelten Stümpereien aus Textversion 1.0 dann uneditierbar in den Feed eingebrannt wären und jeder sehen könnte, wie nachlässig und undiszipliniert ich eigentlich bin. Und manchmal sind da beim ersten Aufschlag wirklich peinliche Dinger bei, wenn Sie wüssten…

Männer unter sich: Dad

Ich wollte nicht gerührt sein, ich bin doch immun gegen so Kitsch, echt immun, gerührt, nee, ich doch nicht.

Kraftfuttermischwerk: In Kalifornien haben sie einen schwarzen Tiefseemonsterfisch gefunden

While females can reach lengths of 24 inches males only grow to be about an inch long and their sole purpose is to find a female and help her reproduce. Males latch onto the female with their teeth and become „sexual parasites,“ eventually coalescing with the female until nothing is left of their form but their testes for reproduction.

Haha.

Des Pudels Kern: Vorbereitungen

Hackebeil. Nicht zu groß wegen des Wendekreises.

Voodooschaaf: Neues Mittwochs-Wasn-Dasn

Na, was kann das wohl sein? Hier die Auflösung. Alteeeeeer.

Arthurs Tochter: 7 köstliche Rezepte für Blumenkohl – so habt ihr das hübsche Gemüse noch nicht gegessen!

Blumenkohl! Würde ich Emojis nicht für kindisch halten, stünde hier jetzt eins mit Herz.

Männer unter sich: Männeressen: Die Sensation – Risotto mit Spargel und (fast) ohne KüBi

Groß. Hat mir gut geschmeckt. Schönes Rezept. Trotz des weißen Nazispargels.

Zuletzt ein Laufpass für Risa an der Eberswalder Straße. Das war’s mit uns. Da kannste noch so billig sein, aber wenn das Personal es nicht bringt, zumindest so zu tun, als würde es die Kundschaft nicht für die allerletzten Bittsteller halten, die eigenen Atzen gerne kackfrech an der Warteschlange vorbei bedient und den Rest fast schon absichtlich warten lässt, übersieht und spürbar störend findet, ist’s halt Essig mit mir. Lange durchgehalten habe ich, weil ich das Zeug von denen ehrlich mag, aber jetzt sind wir fertig miteinander. Bye bye vorbei. Backhendl kann man im Übrigen problemlos selber machen.