Junkshit aus der Biohölle (3)

Ich probiere wirklich jeden Scheiß. Alles. Egal was. Auch das Zeug, das Rewe in die Vegetarierkühltruhe gepackt hat, an der ich noch nie jemanden was rausnehmen gesehen habe. Aber ich bin ja prinzipiell abseitig. Mag die zwielichtigen Ecken. Randständiges. Minderheitenmist. Ich geh‘ da hin. Und hol‘ das da raus. Zahle sogar dafür. Weil ich muss probieren. Hier. Kucke. Veggiehack.

Glauben Sie eigentlich, das Zeug ist diätisch? Ist es nicht, die Kalorienbilanz davon ist die Höhe. Ich hätte mir besser gleich echtes fieses Schlachtnazi-Rinderhack in die Bolognese gebröselt, das hätte laut Kalorienapp weniger Brennwert gehabt, aber egal, ich rette mal wieder im Alleingang die Welt und fresse keine furzende Kuh, die, nachdem ich sie gefressen habe, nicht mehr furzt, sondern tu‘ mir Erbsenschredder rein, damit ich selber danach hülsenfruchtig furze. Zusammen mit der Kuh, die nicht Hack geworden ist, sondern weiterlebt. Und furzt. Für die CO2-Bilanz. Muss sich ja lohnen.

Ich soll es anbraten, bevor es in die Soße kommt, sagen sie in ihrer Beschreibung. Was ich tue und damit die Küche schnell mit dem Geruch nach heißem, wenn auch nassem Holz fülle. Erster Eindruck: Der Hersteller versucht erst gar keinen vorgetäuschten Hackgeruch aufkommen zu lassen, sondern lässt Holz in die Luft mockern. Tot. Nass. Verwurmt. Bewachsen. Schwöre. Ich habe als Kind mal im Schullandheim als Mutprobe unter dem Gejohle der anderen Arschgesichter Moos gefressen. So schmeckte das. Wie dieses vegetarische Hack riecht. Nass und tot.

Hey Rindenmulchkocher, zeig‘ mal Rindenmulch:

Nun dachte ich, gut, in meiner Tomatensoße wird das Zeug verschwinden, optisch und geschmacklich hat der Mist keine Chance gegen Tomatenmark, Zwiebeln, Sellerie und Karotten, aber nein, gefehlt sehr weit, und wie, denn das Zeug trägt seinen eigenwilligen Stil zum Gesamtgeschehen bei und lässt mein Essen derbe muffig schmecken. Ein Hauch von Totholz umgarnt meine stückigen Tomaten, von denen ich mehr als sonst genommen habe, weil ich sowas ahnte. Es ist jenes für diese Sorte Copycatnahrung typisch überwürzte Machtübernehmen. Pure Erde. Holz. Moos. Habe ich jetzt in der Soße. Durchziehend. Bevor ich diesen Blödsinn da rein geworfen habe, schmeckte die Soße gut. Wie eine normale Tomatensoße halt. Danach nicht mehr. Nicht einmal neutralisierende Milch bekommt den Rindenmuff aus meinem Essen. Es ist eklig.

Auch das Publikum ist wenig begeistert. Mein Kind zieht sich die Hasskappe auf und reicht formal Beschwerde ein: „Papaaaa, was ist das? Kannst du nicht mal wieder was Richtiges kochen? Ich will Fleisch!“ „Kindchen, das Zeug rettet die Welt.“ antworte ich untauglich und erkenne bewundernd an, wie plakativ vom Leben, der Welt und vor allem vom Vater angekotzt so ein vorpubertäres Kind schauen kann, ohne dass es die Pubertät überhaupt schon offiziell erreicht hat. Hut ab. Aber ich verstehe es. Das Essen ist wirklich phänomenal schlecht. Papa hat scheiße gekocht. Denn Papa hat Veggiehack ins Essen getan.

Was mich am meisten ärgert: Das Zeug hätte einfach die Backen halten und die Kombination Tomaten, Zwiebeln, Karotten und Sellerie in Ruhe arbeiten lassen können, hätte sich auf die Position des geschmacklosen Krümelhackfakebeitrags zurückziehen können und alles wäre gut gewesen, aber nein, es muss unbedingt eine eigene Geschmacksnote in die Runde koten. Und zwar sein totes Holz. Erde. Und Moos. Bah.

Hey Kotzekocher, koch‘ mal Kotze:

Sie können sich das Gesamtergebnis der Geschichte an fünf rosettigen Arschhaaren abzählen: Dieser Mist taugt nix, außer Sie wollen vorsätzlich enorme und erbärmlich stinkende Blähungen provozieren, um jemanden aus Ihrer Wohnung zu mobben, den Sie nicht in Ihrer Wohnung haben wollen, den Vermieter, Gerichtsvollzieher, Ordnungsamt, die mistige Oma oder eine stalkende Exfreundin, denn dafür taugt es so gut, dass ich Sorge hatte, mir den Feierabendspliff in der Wohnung anzuzünden und das lieber auf dem nachwinterlich typisch verdreckten Balkon gemacht habe. An der frischen Luft. Wegen Furzknoten und dessen Verpuffung, Sie wissen schon. Boom. Umlaufbahn und so. Will ja keiner sowas.

Von der darmwindigen CO2-Bilanz eines Sattelschleppers abgesehen ist das Zeug nur Nahrungsunsinn. Kompletter Schrott. Abfall wie der landet woanders in der Biotonne, wo ihn wahrscheinlich nicht mal die Ratten rausfressen. Ich konstatiere: Mit so etwas wird aus mir kein Vegetarier mehr. Und ich kann mir auch keinen Vegetarier vorstellen, der so fieses Zeug gerne isst. Nächstes Mal bitte wieder geschredderte tote Kühe. Schafe. Hunde wegen mir. Alles besser als das.


Junkshit aus der Biohölle (2)