Hirnsudelei 03/21

Die selbstgefällige Maske triumphierender Tugend konnte fast ebenso schrecklich sein wie das entblößte Gesicht der Bosheit.

Terry Pratchett (via)


Ich kenne jemanden, der keine Türklinken anfassen kann. Phobie. Keimphobie. Ein Kloppi. Sagt er selber. Doch der Kloppi freut sich. Im Hygienestaat ist er jetzt Mainstream.

Timetravel: Mein Kind hat als Krabbelzwerg noch Erde aus dem Blumenkübel gefressen, die Haustüre angeleckt und sich eine Gummiente aus dem Sandkasten in den Mund geschoben. Undenkbar heute. Wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Was da alles passieren kann.

Heute geht das Kind morgens mit sechs blauen Einwegchirurgenmasken in der Jacke aus dem Haus. Weil die Dinger nach einer Stunde Unterricht anfangen zu stinken.

Poserparade im März: Es sind jetzt die ersten Impfangeber aus dem Bekanntenkreis auf den Plan getreten. Posten großmäulig Fotos vom Impfausweis in den Gruppenchat. Hallo Publikum. Hier ist der eitle Heißluftmann. Kuckt alle her. Ich bin geimpft. Bitte bewundert mich.

Natürlich sind sie aus dem öffentlichen Dienst. Dem Selbstbedienungsladen. Grünflächenamt. Umweltverwaltung. Ein hässliches Bundesministerium. Also alles, was heutzutage irrigerweise als systemrelevant durchgeht, ohne systemrelevant zu sein. Es ist wie immer. Der Wasserkopf bedient sich zuerst.

Die richtigen Mützen für die Poser gibt es auch schon. (via)

Vorgestern auf dem Gipfel der spätmerkelschen Unfähigkeitsparade eine Nachricht von einem besoffenen Kumpel bekommen: Osterlockdown? Mir doch egal, ihr habt doch eh keine Eier.

Hihi. Er hat Eier geschrieben. Eier. Ostern. Penis. Ja, ich weiß doch. Es ist wieder mein schlichter Pimmelhumor. Ich kann wohl so alt werden wie ich will, das wird sich nie ändern. Über Pimmelwitze werde ich noch mit 80 lachen. Schwöre.

Ansonsten unkt seit ein paar Tagen ein ungewohnter Dreiklang aus dem Osterlockdownkater aus allen Ritzen: Dämm. Dämmerung. Merkel.

Frischluft. Zart nur. Aber doch spürbar nach dem Muff aus 16 Jahren.

Es riecht in der Brise des Frühlings nach Aufbruch. Äraende. Perestroika. Lame Duck Duck Go. Es endet tatsächlich wie bei Kohl. Unwürdig. Bitter. Jämmerlich. Wäre sie früher gegangen, wäre sie legendär geworden.

Ach kucke. Mir ist ein alter Clip von Guido Westerwelle durch die Telegramleiste gelaufen. Von 2011. Was habe ich den Westerwelle mal gehasst. Auch 2011. Der Feind. War der. Jetzt 2021 sehe ich diesen alten Zwei-Minuten-Clip und erwische mich ungelogen beim Nicken. Die vollen zwei Minuten lang. Wie ein Wackeldackel in einem Auto, das über löchrige Berliner Straßen fährt. Weil es 2021, in dem inzwischen von links die Forderung nach dem alles überwachenden und bitte wasserwerfen sollenden Polizeistaat so vielstimmig wie lautstark tönt und rechts unverändert eklig ist, prophetisch daherkommt. Und gerade mal zehn Jahre her ist. Was das mal wieder über mich aussagt, weiß ich nicht und ist mir auch egal.

Oder … nein, ist es nicht. Memo zur Einordnung meiner selbst: Ich reiße mir immer noch lieber die Arschhaare raus, lege sie auf ein Butterbrot und fresse sie zusammen mit einem Becher Katzenstreu mit Morgenurin, als auch nur einmal daran zu denken, FDP zu wählen.

Hier. Mal was Schönes. Die kalt servierte Retourkutsche des Monats: Das Supersaubermannland bekommt jetzt von der Bananenrepublik süffisante Tipps zur Korruptionsprävention:

(via)

Bam. Drop the mic. Hallo Schäuble. Immer kalt. Das ist die Botschaft. Rache immer kalt.

Tatsächlich immer noch schön präzise geil, der Varoufakis, den ich damals gefeiert habe, weil er unserem glory Geldkoffermann immer so schön die Kante gezeigt hat. Da ist er wieder. Aus Griechenland. Von dem sie mir seit 15 Jahren erzählen, dass es das korrupteste, faulste und nutzloseste EU-Mitglied ist, das vom vorbildlichsten EU-Mitglied aller Zeiten (VEUMaZ) künstlich am Leben erhalten werden muss. Kommen einfach daher und geben kluge Tipps. Dem Hegemon. Das zeugt von Chuzpe. Und ich mag Chuzpe.

Transatlantische Politfrage: Wo ist denn eigentlich dieser Präsident Biden hin? Man hört gar nix. Bis vor kurzem jeden Tag aus allen Rohren und allen Richtungen Trump Trump Trump Trump. Amerika hier. Amerika da. Amerika tralala. Jetzt Stille. Lebt dieser Biden noch?

Ja, er lebt noch.

Noch ’ne Frage: Haben die bei der Berliner Zeitung das Memo nicht gekriegt?

Hallo? Corona-Kritiker? Echt jetzt? Das soll Hauptstadtjournalismus sein? Hömma, diese Gestalten sind keine Kritiker, das sind Nazis. Und zwar alle. Was stimmt denn mit der Berliner Zeitung nicht?

So. Zurück in die Niederungen meines Kackbezirks. Neues von der Ostseestraße. Die wohnungsbauvergurkenden Fahrradtaliban vom Berliner Senat vergurken jetzt auch verkehrsleitmäßig, schauen Sie mal:

Einspurig jetzt. Die Ostseestraße. Zugunsten eines Radwegs. Für Radfahrer, die sowieso lieber auf dem Gehweg fahren. Weil hey, der Radweg ist Lava. Und die Straße sowieso. Die Prioritäten sind klar: Für ihre Lobby fabrizieren sie mal eben einen Autostau über den gesamten Tag, den ich so übel dort noch nie gesehen habe, nicht mal während des BVG-Streiks. Meisterleistung, dein Name ist immer Berlin. Egal welches Ressort. Was? Wo das alles enden soll? Hinten Ecke Prenzlauer. Da endet die Karawane.

Kackbudencontent: Neben meinem Schlafzimmer wohnt jetzt ein junger Mann. Er hat seine Einzugsparty superkorrekt mit einem superkorrekten Zettel mit superkorrekten Gendersternchen angekündigt. Liebe Nachbar *ping* innen. Ich feiere heute. Kann etwas lauter werden. Bitte keine Anzeige machen.

Die Party war Punkt 23 Uhr zu Ende. Dann war Prenzlauer Berg-Stille. Was für ein Lappen. Ich habe mit morgens um 6 gerechnet. Plus drei Mal die Bullen. Gerufen von irgendwelchen gartenzwergigen Zipfelmützen. Wie bei uns mit 18. Aber gut, Millennialparty. Im Schneeflöckchenstyle. Nix los bei denen. Wahrscheinlich gab’s nur Rhabarberschorle. In Bio. Zu den Selleriesticks.

Die Coronapleitewelle hat jetzt unseren superbonzigen Kollwitzplatz erreicht (yeeeh, burn, bitches, burn): Bun Bao, schön verbloggt damals auf dem Nomyblog. Tja schade, ich mochte die kleinen fiesen asiatischen Burger von Bun Bao immer. Bin dafür sogar zum Kollwitzplatz gegangen, den ich sonst meide wie die Radfahrer den Radweg. Bye bye.

Die ersten Prenzlauer Berg-Endnullerjahre-Oberschichtenmütterpuff-Yogabuden gehen auch den Bach runter. Ich versuche, deren Eingehen anzuprangern. Versuche ich. Sehr. Mit aller Kraft. Und scheitere.

Auch weg: Die Tacos von Food Cave in der Modersohnstraße, wobei ich bei denen nicht weiß, ob die an oder mit Corona gestorben sind. Oder vor Corona, ich war zu lange nicht mehr da. Schade. Ich mochte die kleinen perversen Mittagspausentacos, als ich noch in Oberbaumcity geborgwürfelt habe. Auch wenn die Bude echt klein war, deren Tacos war’n geil. Schade.

Gestorben ist auch das Kreuz + Kümmel, das einzige indische Restaurant, das mich jemals in allen Details überzeugt hat, sehr schön verbloggt 2018 noch hier. Schade. Es trifft bisher echt nur die Guten, die rasiert werden. Sehr schade drum. Aber hey, so lange der Alten das Lafayette nicht pleite geht, bei dem sie immer ihren Käse kauft (und mir dann begegnet), kann es ihr ja egal sein.

Gebrechen des Monats: Nagelpilz. Wie zum Teufel fängt man sich Nagelpilz ein? Woher kommt der plötzlich? Und was will der? Ohne dass da jemand dran war an den Mauken (ich hasse es, wenn sie an die Füße gehen). Wie geht das? Keine Ahnung, ich kenne mich nur mit Genitalpilz aus. Weiß woher der kommt. Meinen letzten habe ich mir vor einigen Jahren von einer britischen Krankenschwester während eines drecks Cluburlaubs in Alicante besorgt. Weil ich wieder hacke ohne Gummi an mir rummachen habe lassen. Wie immer. An mir kann jeder rummachen, wenn ich hacke bin. Mann. Frau. Trans. Egal. Selbst schuld. Das Zeug wuchs mir für drei Wochen unter der Eichel wie Blumenkohl. Bah. Und sah genauso aus. Nur in gelb. Was? Bitte? Too much information? Wo ist das Problem, ist dafür so ein schmieriges Blog nicht da? Nein? Wollen Sie lieber Karottenkuchenrezepte? Gerne, hier. Kaufen Sie bitte auch das Buch. Und die Tonka-Wonka-Paste. 100% vegan. Trotzdem ohne Blumenkohl. Schwöre.

Doc Hautman, der sich den Pilznagel mit der Lupe reingezogen hat, sagt, ich darf mir jetzt die Fußnägel lackieren. Zwei Mal die Woche. Leider ist der Fungizidlack nicht schwarz, sondern durchsichtig. Das ist lame.

Fuck des Monats: Der Nannystaat in Form der Hausverwaltung war da. In meiner Butze. Hat die hässlichen Rauchmelder kontrolliert. Die nicht funktioniert haben, weil ich sie geschrottet habe, nachdem die Dinger beim ersten Anbraten einer Lammkeule, deren Dunst in den Flur zog, losgeplärrt haben. Ich habe die Plärrdinger danach alle einfach ins Wasser geschmissen und halbtrocken wieder rangeschraubt, weil ich im Internet gelesen habe, dass es was bringt, wenn man sie ins Wasser schmeißt. Weil sie danach nicht mehr losplärren können beim nächsten Krustenbraten. Weil sie dann kaputt sind. Ich habe sie gerne kaputt gemacht.

Nicht bedacht habe ich, dass die Ficker von der Hausverwaltung schweineteure Plärrwürfel mit Funkverbindung gekauft haben, die von einer Firma überwacht werden, deren Plärrwürfelbetreuungskosten sie mir auf die Betriebskostenabrechnung draufschlagen, was ich vom Spätimann unten erfahren habe. Jetzt bekomme ich neue Plärrwürfel anmontiert. Und ich hasse es. Weil die gängelnde Nanny am Ende doch wieder mit ihrem immer übergriffigen Anliegen durchkommt. Und ich das wieder mal dulden muss. Blep Blep, ich bin wieder drei und die Nanny weiß besser, was gut für mich ist. Weil ich zu blöd zum Scheißen bin und mich sonst ohne Rauchmelder ständig selber in meiner Wohnung anzünde.

Problemlösung des Monats: Mein russischer Grasverchecker ist weg. Einfach so. Nicht mehr zu erreichen. Und zwar ohne mir einen Nachfolger vermittelt zu haben. Wahrscheinlich eingefahren. Sitzt jetzt im Knast. Oder wurde ausgewiesen. Abgestochen. Mit Betonschuhen in der Spree versenkt. Was weiß ich. Aber das ist okay, denn das gab mir die Gelegenheit, mal einen Grasverticker über Telegram auszuprobieren. Und das war wie erwartet gut. Ausgezeichnet gar. Eine Stunde und das Zeug war da. Akkurat. Professionell. Einsteigen. Um die Ecke fahren lassen. Glücklich sein. Und wirkungstechnisch kam das besser denn je. Ehrlich toll. Eine gute Sache. Die Taxinummer geht also auch ohne Koks.

Als Konsumempfehlung kann ich Ihnen mitgeben, dass sie saure Gummidrops mit THC infused im Angebot haben. Was mir sehr gefallen hat. Kommt erwartet spät, die Wirkung, dafür smooth und über Stunden auf konstantem Level, ohne auszuknocken. Teuer ist das Zeug schon, eine Packung mit 12 Stück kommt Sie ’nen Vierziger, aber sie haben das fein dosiert. Drei Drops ergeben einen halbtagsfüllenden Rausch, von dem Sie noch bis spät in den Abend etwas haben. Wenn Sie mehr nehmen, sind Sie am nächsten Tag noch damit am Start. Gut, sehr gut.

Wokeland des Monats: Der Frosch von Janoschs Tigerente ist jetzt auch ein Sexist. Weil er die Ente küsst. Ohne sie vorher zu fragen. Glauben Sie nicht? Zu bekloppt? Aber nein, nichts ist inzwischen zu bekloppt, gar nichts. Eat this:

Na? Noch nicht bescheuert genug? Zugabe? Mehr davon? Echt jetzt? Büdde:

Darf ich mal freundlich anmahnen, wo denn endlich die Rezession bleibt? Ich möchte den Empörungskrebs dieser giftigen Attention whores, die es sich in der Empörungsarena häuslich eingerichtet haben, endlich nicht mehr geschickt bekommen können, weil diese Bekloppten dann endlich andere Probleme haben werden, als mit ihrem ständigen Hirnkot auf überflüssigen Plattformen überflüssige Aufmerksamkeit zu generieren.

Empörung ist sowieso ein Unwort geworden. Ich kriege inzwischen Ausschlag, wenn irgendwo steht, dass sich irgendwer wieder über irgendwas empört. 2010 hat Stéphane Hessel ein kleines Buch namens Empört euch! veröffentlicht, das ich auch – damals noch jung, dumm und urst begeistert – gelesen habe. Heute denke ich nur „Hätte er doch die Backen gehalten“…

(Sie mögen sich wundern, dass ich immer die Realnamen und die Profilbilder von diesen Twitterkrebsen unkenntlich mache, obwohl es sich bei den meisten von denen, die solche Gedanken gebären und sie öffentlich raushauen, um einflussreiche Journalistinnen der Genderpresse mit vielen tausend Followern handelt. Erkläre ich Ihnen gerne: Ich lösche das weg, weil ich finde, dass gerade Menschen mit Beeinträchtigungen – welche auch immer das sind – vor sich selbst geschützt werden müssen und nicht mit Namen und Bild als die Freaks ausgestellt werden sollten, die sie sind, unabhängig davon, welchen Einfluss sie nehmen und wie abstrus ihre reichweitenstarken Äußerungen klingen. Und ich meine das ausnahmsweise mal ernst. Ich glaube, dass denen das alles mal irgendwann, wenn die unvermeidliche Selbstreflektion einsetzt, unendlich peinlich sein wird.)

Huh? Einen noch? Was? Bitte? Der Eiffelturm? Ist ein beschissener Sexistenpenis? Ach komm‘, wer sagt denn sowas?

Ach, na klar, der öffentliche Rundfunk, der mein Geld frisst und Ideologenkot auf mich regnen lässt. Hallo Konjunkturgott. Jetzt bitte. Jetzt wäre genau die Zeit. Für die Rezession. Und zwar eine große, wenn wir schon dabei sind. Der diese satten, überbezahlten Gestalten alle wegschwemmt. Weil ich deren Hirnauswurf ehrlich nicht mehr lesen müssen will.

Na? Noch ’ne Zugabe? Sie kriegen wohl nie genug Irrenanstalt, bitte: Herr der Ringe ist jetzt rassistisch. Wer das sagt? Na der Bayerische Rundfunk. Ja, richtig, das ist ganz schön lost. Enorm lost. (via)

Bleiben wir doch bei den Weirdos. Ich habe hier für Sie die Internetperversion des Monats, das Kränkeste, was mir bisher untergekommen ist: Chemiehausaufgabensklaven für den prekären Bildungsnachwuchs, kucke:

Mit Geschichte ist auch nicht viel los:

Französisch kann sie auch nicht:

Ich finde, sie ist eine ideale Kandidatin für einen Vorstandsposten bei einem DAX-Konzern. Daimler. Telekom. SAP. Irgendsowas. Sie bringt alles mit, was es dafür braucht.

Wenn Sie auf den Hashtag klicken oder einfach mal flockig googeln, sehen Sie, dass diese Hausaufgabennummer ein ganz eigener Fetisch mit gar nicht mal wenigen Fetischisten ist, die da Bock drauf haben. War mir komplett neu. Typen, die es geil finden, anderen die Hausaufgaben zu machen. Und das ist fantastisch und der vorläufige Gipfel an endzeitlicher Degeneration. Ich selbst hätte das gerne vor meinem räudigen Abitur gewusst, dann hätte ich mir Schnubbi oder Sandro bestellt, die mir meine ganze Scheiße erledigt hätten, weil ich Hausaufgaben auch nicht leiden konnte. Meine Güte, Hausaufgabensklaven, für lau! Der Wahnsinn, diese verrückte Zeit. Was es alles gibt. Im Degenerationsscore toppt dieser Fetisch sogar die andere Weirdokönigin des Monats, die Tupperware mit ihrer eigenen Scheiße drin bei Twitter verhökert (und bestimmt auch Abnehmer findet). Nein, kein Bild. Sie wollen das nicht sehen, ehrlich, es sind nur Kotwürste in einer Tupperdose. Es gibt Dinge, die selbst ich mir nicht ins Blog klebe.

Copcontent: Ich habe einen Bullen von der Berliner Idiotenpolizei als Kumpel (ACA, du Bastard, ich weiß, dass du hier mitliest) und nähkaste mal aus dem Plauder: Die Berliner Bullen nennen die Brandopfer, die sie vorfinden, Knusperknauser. Hihi. Knusperknauser. Sehr geschmeidig. Und kreativ. Volle Punktzahl. Ihr Knäuschen. Und jetzt gendert euch vom Hof, ihr bestreiften Einhörnchen.

Bloggeronanie: Ich habe über ein paar Jahre keine Blogs gelesen, weil sie mir sehr auf den Zeiger gingen, inklusive mein eigener, too much information, Overload Overload, tilt tilt, ich habe selber ein paar Jahre nur Urlaubsfotos und ein paar lose Gedanken ohne Außenwirkung verbloggt, die nur fünf, sechs Versprengte aus meiner inzestiösen Dunstglocke gelesen haben. Dann kam das plötzlich wieder, die Lust darauf, auch mal wieder andere Leute zu lesen, und ich habe alle von früher wieder in den Feedreader importiert, nur um festzustellen, dass wenig noch ist wie früher und das, was mal ein schönes sympathisches Planschbecken in der Blogosphäre war, quasi zerstoben ist. Gone with the wind. Und nur noch einen Bruchteil so faszinierend wie früher mal daherkommt.

Ich habe deshalb, nachdem ich mir das Elend ein halbes Jahr angeschaut habe, wieder ausgemistet. Den Feedreader von 140 auf 30 Quellen reduziert. Zu unlesbar geworden. Nervig vor allem oft. Manche streuen jetzt angepasst genderbewegte Sonderzeichen in die Wörter ihrer Texte. Andere waren früher superkritische Politblogger, die sich inzwischen so bräsig kreidefressig lesen wie Steffen Seibert. Dann gibt es Politblogger, die in den letzten Jahren unerwartet stark rechts abgebogen sind. Kein Bock drauf. Auch die Kommerznutten, die auf den alten gammligen Lorbeeren der früheren Reichweite aus der Anfangseuphorie der Blogosphäre (digitale Bohème, wir nennen es Arbeit, blabla) nur noch nerviges Product Placement betreiben. Früher mal eloquente und nun zu öden Tagebuchbloggern gewordene Mahlzeitenaufschreiber. Linklistendumper. Wackelfotoschießer. Viralscheißecopyblogger. Klickifickibunte Kochblogs voller blinkender Pushpopups, Werbelinks und Duckfaceselfies. Zeitverschwendung. Klick. Weg. Alle. Weg damit. Schnell feucht durchgewischt, bevor die Wehmut über den Abstieg der einstigen Vorbilder zu groß wird. Nur stehenlassen was sich wirklich lohnt. Und das sind nur noch ein paar wenige für mich noch interessante kantige Charaktertypen, die ich hier ab und zu mal als Lesezeichen aufliste. Es sind insgesamt zu wenige, die noch rocken. Fresh sind. Was ich seit zehn Jahren sage: Blogs sind tot. Diesmal wirklich. Mausetot. Niemand von Verstand liest Blogs. Deshalb betreibe ich so gerne einen.

Hier meine Lesezeichen:

Mexiko kurz vor Cannabis-Legalisierung

Warum muss dieses Land hier immer das letzte Land sein, das sinnvolle Innovationen umsetzt? In 50 Jahren, wenn auch Deutschland kurz nach Gambia als letztes Land der Erde Cannabis legalisieren wird, habe ich dann auch nix mehr davon. Weil ich dann tot sein werde. Oder zu siech zum kiffen.

Und so träume ich jetzt heute hier von einer langen Theke in einem hellen Laden auf der Greifswalder Straße, in der ich vor mir in hellen Glasvitrinen 28 verschiedene Blütensorten sehe, von sedativ bis anregend, in den Regalen aufgetürmt Haschplatten in verschiedenen Farben, Liquids, Gums, Limos, Kuchen, Marmeladen und Kekse. Bei Preisen unter dem Weedtaxi mit seinen 10 Euro fürs Gramm. Für hochanständiges, gut geprüftes Zeug. Plopp. Aufgewacht. Es ist Deutschland hier. Draußen noch dunkel. Und nass. Kaufen Sie oreganogestrecktes Gras von fiesen Leuten in fiesen Ecken bitte.

The Queen has left the track

Sabine Schmitz ist tot. Sehr schade.

Die Muskatnuss (und andere Drogen im Südtirol der Neunzigerjahre)

Schöner Text. Einmal quer durchs Internet geschossen. Ich habe als Minderjähriger mit anderen Irren aus Verzweiflung mal aus Muskatnusspulver und Tabak eine Tüte gedreht, als unser Gras nebst Geld alle war. Keine Wirkung, nur Übelkeit. Und Kackreiz. Dünnschiss. Flitzekacke. Fürchterlich. Ein Trauma. Muskat ist eine Scheißdroge. Ich habe es nie wieder probiert.

Die ,Neue Rechte‘ missbraucht die deutsche Sprache

Die Pomobubble dreht die Schraube noch ein Stück weiter. Wer nicht gendert, ist jetzt auch Nadsi. Ich schlage „Genderleugner“ als Kampfbegriff vor. Gut? Ja? Bitte. Gern.

Die Zerstörung des Volksverpetzer

Es fühlt sich erfrischend an, wenn Portale, die sich selber für sakrosankt halten, auch mal frank, frei und bemerkenswert eloquent zersägt werden. Ich finde mich da inhaltlich wieder, denn ein derart reichweitenstarkes Portal, das zugleich so unangenehm schrill überzieht wie dieses, braucht auch mal Contra, um sich mal wieder zu erden. Weil es in der eigenen Selbstbesoffenheit ernsthaft abhebt sonst.

Aber das wird es natürlich nicht. Sich erden. Niemand macht das. Dabei wäre es nötig. Ich mag es auch schon lange nicht mehr. Zu selbstherrlich. Zu selbstverliebt. Ein bienchenfleißiges Streberportal auf dem Weg zum Bundesverdienstkreuz in einer höhnischen Mischung aus Bento und Bild, das kreuz und quer wahllos alles, was nicht auf der amtlichen Euphorielinie liegt, als rechtsradikal labelt. Und das im Schnitzlerstyle, den ich mal für ausgestorben gehalten habe. Laut. Schneidend. Unangenehm. Eklig. Maximal unsympathisch. War alles schon mal da. Der ganze Duktus. Im Ergebnis ist es vom ernst zu nehmenden Mahner zum irrationalen Krakeelportal mutiert. Der Aufmerksamkeit wegen. Aalglatt auf Aufmerksamkeit ausgerichtet. Und einer sagt es mal. Als habe einer ein Fenster aufgemacht. Und da kommt Luft. Frische Luft.

Eines nur, nur eines prangere ich an: Dass bei den jungen Leuten im Moment alles immer „Zerstörung“ sein muss, Zerstörung hier, Zerstörung da, dabei ist das nur gute, alte Kritik. Und zwar zulässige Kritik. Natürlich.

Und gleich noch einen hinterher, weil ich gerade wieder so schön atmen kann:

Wie Pseudoaktivismus den politischen Diskurs zerstört

Okay. Jetzt reicht’s. Kanal abonniert. Bei Paypal was rübergeschoben. Here. Take my money, dude. I salute you. Endlich mal wieder. Was Neues. Freshes. Frech. Unkorrekt. Ein fröhlicher Furz. Gegen das erdrückende Blei der traurigen Mormonen, die schon so lange den Diskurs der bleiernen Moralistenmuff- und Merkelfanboysjahre dominieren. Was hat das gefehlt. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich das feiere. Es fühlt sich an wie die Kruste von frischem Brot aufzubrechen. Einfach gut.

Ich habe sowieso komplett umgestellt, was die Transferleistungen an Meinungsschleudern angeht. Früher habe ich nur Blogger mit Geld unterstützt. Bargeld. Den Jahresbonus in Briefumschlägen in Deutschland verteilt. Das hat sich gewandelt, seit es endlich auch Youtuber gibt, die ich gut finde, weil sie einen Nischenmolch wie mich ansprechen.

Zur Erinnerung (nach einem Jahr Wuhan-Style)

Ein Rant! Ein Rant! Greifen Sie zu!

Berliner Kassenärzte: Psychische Störungen nehmen wegen Corona massiv zu

Gehen Sie weiter. Nix zu sehen. Nix. Endlose Weite. Ein Dornenbusch. Tschilp Tschilp.

Ich kann nicht mehr

. (via)

In shadow – A modern odyssee – Animated short film

Es ist das treffendste animierte Kunstwerk, das ich in letzter Zeit sehen durfte. Die Dystopie. In krass. Mit Stil. Sehenswert bis zum Schluss. Lassen Sie sich darauf ein. Achten Sie auf die Details. Und schauen Sie das Werk auf dem Flatscreen, alles andere wird ihm nicht gerecht. (via)

Corona: Wie die CDU ihr eigenes Grab schaufelt

Der freundliche Orgelmann mit einem lesenswerten Rundumschlag zur Lage.

Lechts und rinks

Sunflower nicht weniger klug.

Esken und ihr kindlicher Eso-Plumperquatsch

SPD-wer?

In einer Milliarde Jahren geht uns der Sauerstoff aus

Was ich immer sage: Wir sind sowas von scheißegal, nehmen uns aber selbst fürchterlich wichtig. Fast schon schade, dass es noch eine Milliarde Jahre bis dahin sind. Hundert Jahre hätten gereicht, aber gut. Alles. Können. Haben. Nicht. Ist halt so.

Asteroid „2001 FO32“ nah an der Erde vorbeigeflogen

Schade.

#EqualPayDay und #EqualWorkDay

Ha. Kommt der Maskulistentroll einfach so mit Mathefakten daher, wo doch nur Gefühle zählen. Fakten. Tsss.

Gendern für Fortgeschrittene

Sehr gut. Dekonstruktion. Bitte mehr. Mehr davon. Let everything burn. Gebt ihnen Posten. Einfluss. Noch mehr Macht. Lasst sie alles niederbrennen.

Obdachlosen ein Gesicht geben

Privilegierte Frauen verleihen sich gegenseitig Preise und drucken sich eitel auf Plakate. Es ist das alte Prinzip von Königshäusern bis Fußballerfrauen: Tue Gutes und rede drüber. Mehr Respekt hätte ich für: Tue Gutes und halt‘ die Backen. Aber dann hätte ich davon nicht erfahren. Dilemma.

Dazu Zeitgeistiges:

Setz dich auf den Regenbogen

Das spielt in der Liga der endstadiumsgepamperten Prenzlauer Berg-Mütter, die ihre Kinder von dem Obdachlosen am S-Bahnhof Schönhauser Allee wegziehen. Sich auf der guten Seite verortend, aber doch nur Arschgeigen.

Das Gespenst des unsexy Exfreundes

Okay. Mir ist jetzt auch schlecht.

Konsumcontent: Ich habe mir Bud Spencer-Whisky gekauft. In beiden Varianten. Soft und Rauchig. Einfach als Reminiszenz an eine Zeit, in der es noch Helden gab und nicht nur überall weiche Volltrottelopfer bornierter Internethyänen.

Ich war zwar bei weitem zu klein, um die Filme in ihrer Glanzzeit sehen zu können, aber das geht klar. Waren trotzdem tolle Figuren, die der gegeben hat und allemal einen Whisky wert.

Den soften Whisky können Sie knicken. Er hat keinen Charakter, keine erkennbaren Noten und er sprittet ein wenig überflüssig im Hals hinterher. Ich würde den mit Cola mischen, dann geht’s. Der rauchige ist schon besser, kommt aber lange nicht an die schottischen Favoriten heran. Es fehlt einfach irgendwas. Das … wie soll ich sagen … schottische. Jod. Salz. Achselschweiß. Fußgeruch. Aber die Flaschen haben eine schöne Optik. Wenn Sie Fan sind, schlagen Sie (haha) zu.

Körperklauscontent: Ich hatte vor zwei Monaten gegen Ende Januar nach der opulenten verfetteten Herbstfresserei wieder den Normal-BMI erreicht. Das tat gut. Vor lauter Fehlen jedweder Herausforderungen habe ich ein neues Ziel entworfen: Fünf Kilo Untergewicht. Erstens war mir langweilig, zweitens wollte ich wissen, ob ich es bringe und drittens kann ich streng genommen nie dünn genug sein. Das Vorhaben Fünf Kilo unter BMI gestaltete sich jedoch als für mich nicht erreichbar. Zwei, drei Kilo drunter sind kein Problem, aber noch weniger ist heftig, weil ich dafür schon erheblich in die gewohnte Ernährung eingreifen muss. Ich müsste vermutlich zur Zielerreichung sogar vegan werden, Blätter fressen, Wurzeln, und ehrlich, da kau‘ ich mir lieber die eigenen Eier ab.

Ich habe das Vorhaben folgerichtig abgebrochen. Weil zu nervig. Verkackt halt. Ziel nicht erreicht. Es nicht gebracht. Passiert. Also lieber wieder fünf Kilo drüber statt drunter, das ist einfacher.

Vielleicht ist es für manche von Ihnen nicht uninteressant, mit welcher Methode ich Kilos über die Reling werfe (wenn doch, dann scrollen Sie weiter, jetzt folgt Diätcontent): Ich nutze eine App namens fddb, mit der ich Kalorien verbuche. Ich habe mir ein großzügiges Limit von 1500 Kalorien am Tag gegeben, so dass ich nicht hungern muss (ich hasse Hungern…). Allerdings gilt das mit folgenden Vorgaben:

  1. Ich addiere die Sportkalorien nicht dazu. Da bedeutet, dass meine 60 bis 70 wöchentlichen Laufkilometer sowie der Lockdownkraftsport mit den Wasserflaschen nicht dazu führen, dass ich mehr essen darf.
  2. Kein Beschiss, höchstens gegen mich. Wenn ich also vor der Wahl stehe, ob der Teller Spaghetti mit Gorgonzola jetzt 500 oder 600 Kalorien hat, dann hat er 700. Besser noch 800.
  3. Obst und Gemüse sind nicht „for free“, sondern sind Kalorien, wenn auch in der Regel nicht so viele. Dennoch werden sie aufgeschrieben.
  4. Ich buche keine „Schulden“ auf den nächsten Tag. Wenn die 1.500 voll sind, sind sie voll. Dann gibt’s halt nur noch Tee. Selber schuld, wenn ich so viel fresse, dass um 16 Uhr schon alle Kalorien aufgebraucht sind.
  5. Keine Cheat-Days. Nicht auch nur einen.

Das war’s. Mehr ist da nicht. Nur gute, alte, vollkommen aus der Mode („boar das wär‘ mir zu krass“) gekommene Selbstdisziplin. Und dann läuft das flockig vor sich hin. Bei mir fliegen da in der Woche problemlose ein, anderthalb, manchmal sogar zwei Kilo über Bord. Es ist wie immer: Sie müssen halt durchziehen. Bescheißen Sie sich selbst, führt das zu nix und Sie müssen das Internet vollflennen, weil Sie es nicht gebracht haben.

Netflixscheißdreck des Monats: Die Geschichte der Schimpfwörter. Ja gut, klar, wenn aufrechte superkorrekte Aktivisten versuchen, so ein Thema zu bearbeiten, muss es schlimm werden. Und das wird es auch. Nullwitzig. Verkrampft. Verkopft. Überdrehte N-Promis. Und der übliche moralische Zeigefinger, was Wörter über Frauen angeht (Woah, Bitch geht gar nicht) und das durchgehende Herabsetzen von Männern (Dick – gnihihihi, Dick Dick Dick) durch fast alle Episoden. Sogar eine Feminismusprofessorin tritt in jeder Folge auf, um den Sermon politisch und gesellschaftlich richtig einzuordnen. Pures Blei. Da hilft auch der alt gewordene Nicolas Cage als Schatten seiner selbst nicht mehr. Ganz trauriger Shit. Ein unterhaltungsmäßiges Armenhaus. Zum Glück ist Lockdown und ich hatte vorher eine Linie an den Start gebracht und danach zwei Mal onaniert. Sonst wäre es schade um die Zeit gewesen, in der ich lieber gekokst und onaniert hätte.

Noch mehr Netflixscheißdreck: Der Mensch Bill Gates. Nein, er will uns nicht chippen. Ich glaube ja viel Scheißdreck, aber das glaube ich nicht. Ich glaube allerdings, dass es ein Fehler war, dieses Hochglanzrührstück über einen dumm grinsenden Milliardär zu schauen, das daherkommt wie eine schmierige PR-Offensive, die mir diesen Menschen als den großartigsten und faszinierendsten Menschen verkaufen will, der er sicher nicht ist. Schnarchlangweilig. Der war mir nie sympathisch und wird es auch nicht mehr.

Das übelste Manko an der Miniserie ist: Es dauert bis zum Ende der letzten Folge, bis endlich das obligatorische Frauenthema bearbeitet wird (=geht es schlecht, noch nie so schlecht wie heute, unterdrückt, dabei immer das bessere Geschlecht, gehören an die Spitze, weil sie so toll sind usw. Sie kennen das…) und dann wird es in nur drei bis vier Minuten abgehandelt. Schwach. Da hätte für eine reguläre Dokumentation deutlich mehr drin sein müssen.

Literaturcontent, endlich mal was Schönes: Glumm hat ein Buch gemacht. Mit dem O. zusammen. Sehr gut. Und überfällig. Leider hat es nicht für ein eBook gereicht. Was mich ratlos zurücklässt, weil ich nicht mehr weiß, wie man so ein Buch aus gestorbenen Bäumen benutzt.

Musik. Da lobe ich vor ein paar Monaten noch Audio88 & Yassin, weil sie seit Jahren so tighten deutschen Hip Hop machen, schon werden sie woke, surfen auf der endlich langsam abebbenden Reverserassismuswelle und bringen mit Todesliste ein Album mit allen Versatzstücken der giftigen linksidentitären Pomosekte an den Start. Wie K.I.Z., nur schlechter. Weiße alte Männer sind Schrott. Sexistisch, reich und privilegiert. Alle. Und Frauen sind megasuper. Auch alle. Tierschutz. Planet. Klima. Und Schwulsein ist cool (das weiß ich selber, es hat unbestreitbare Vorteile, dazu brauche ich keine wanzigen Wokenessrapper, die mich empowern). Und dann als Gipfel noch Geschichten aus dem Paulanergarten, kiek ma:

Ich erinner‘ mich noch immer, zum Beispiel neunte Klasse
Auf Enricos neuer Jacke steht grell leuchtend: „Herrenrasse“
KKK und White Power, Lehrerin fand’s witzig
Und die dumme Sau unterrichtete Geschichte

Echt jetzt. Wirklich, mit Antifa kenne ich mich aus, war ich selbst, irgendwann mal Ende 90er und Nullerjahre, angefangen damals in der Schule, lange bevor die Selbstbezeichnung beliebig und damit bedeutungslos wurde, und ich habe auch aus schierer Veranlagung jedes Verständnis für Übertreibungen, aber ehrlich, das hier, wer soll das denn glauben? Lehrerin fand’s witzig. Sagen sie da. Herrenrasse und KKK. Solche hanebüchenen Shortstorys diskreditieren wieder alles, weil das keiner glaubt und das zurecht, weil es komplett absurd und einfach nur überdreht ist. Es führt auch zu nix, weil man am Ende nur als münchhausiger Schaumschläger dasteht und einen außerhalb der eigenen Blase, die eh immer alles automatisiert bejubelt, niemand mehr ernst nimmt.

So weit, so Stromlinie. Schade um die beiden. Ich mochte die immer. Kann man Gendersternchen eigentlich rappen? Das werden wir dann auf dem nächsten Album hören. Also ich nicht, denn ich habe jetzt nach all den Jahren auf Unfollow geklickt. Weil wack.

Generell scheinen die Moralistischen jetzt nach den Kinofilmen, Serien und den Gamern auch den Hip Hop sauberwaschen zu wollen. Es rappen jetzt sendebewusst und klickzahlenoptimiert hochmoralisch Blütenreine, die sich selbst für ihre plakative Attitüde total geil finden. Gefeiert quer durch die Haltungspresse, die den alten Battlerap, mit dem ich großgeworden bin, totschreiben will. Ich bin wirklich müde. Als würde Haltung nicht schon längst von überall in mein Leben quellen, Arbeitsplatz, Straßenbild, Internet, Tagesthemenkommentare, Netflixdokus, jetzt auch noch über die Beats aus meinem Player. Ich fühle mich zunehmend mit Moral gefistet. Blutig gefistet.

Weg mit Moralistenmist. Her mit Enoq. Meine neueste Entdeckung. Gute alte Straße. Aus dem Süden meiner Stadt. Keep it real. Ich wusste gar nicht, dass Friedenau so eine krasse Gegend ist. Quasi Ghetto. Gefällt mir sehr.

Oder Umse. Aus dem Pott. Auch gut.

Stylewechsel. PeterLicht hat ein neues Album am Start: Beton und Ibuprofen. Es ist wie PeterLicht immer ist: Die Hälfte genial, die Hälfte nervig. Er ist halt ein Freak und ich mag ja Freaks. Favorite Track: Die Sprache der Enden.

Es gab eine Zeit, über vier Jahre ist das her, da war ich ausgebrannt, kurz vor dem Ende von allem, Fahnenstangen, Nerven, Gemüt, zu viel Arbeit, zu wenig Ich, kein Ausgleich, ausgelutscht, komplette Entfremdung, es gab die Wahl zwischen durchdrehen und ab ins Auto. Nach Leipzig fahren. Zu PeterLicht ins Werk II. Danach ins Hotel. Trinken, um schlafen zu können. Dabei einen langen Text schreiben. Mit Zitaten seiner Songs als Referenzen. Auskotzen. Ausbluten. Raushauen. Danach war gut.

Mich im Borgwürfel über die paar Jahre ausbrennen zu lassen war ein Fehler. Hat zu nichts geführt. Auch nichts gebracht. Keinen Meter. In die lukrativen Verantwortungsposten, in die jene kommen, die gerne schnell ausgesorgt haben wollen, kommen sie im Borgwürfel wie immer durch die alte, bekannte Vetternwirtschaft (Männer, fast nur) und ganz neu durch Gender (Frauen, ausschließlich). Sich im Außendienst verheizen zu lassen wie ich das über Jahre veranstaltet habe, macht Sie hingegen unsichtbar. Dann landen Sie bei mir. In der Zwischenetage eingeklemmt. Eng. Schwitzig. Ausgelutscht. Kein Zurück. Kein Vor. Keine Entwicklung. Die vorauswerfenden Schatten des drohenden Personalabbaus im Nacken, mit dem sie immer unten anfangen und sich nur langsam nach oben fressen, um kurz vor der teppichverlegten Belétage damit aufzuhören. Zentnerschwere im Einschluss. Hängende Schwerter. Wegzuziehender Boden, der heute noch stabil und es morgen vielleicht schon nicht mehr ist. Und kreisende Haifische an den Rändern, die auf Blut warten. Rien ne va fuck you.

Zuletzt wieder bissken was zu essen:

Astrid hat eine Blumenkohlphase und ich feiere das. Dabei kann ich Blumenkohl nicht leiden. Blumenkohl ist das hässliche Kind allen Gemüses. Geht gar nicht. Bei mir. Normalerweise. Wenn ich nicht gerade Astrid nachkoche, eat this: Blumenkohl-Chaat. Gut war das. Bitte mehr davon.

Stromkastenessen aus der Pappschachtel:

Emo’s Tempelburger, Tempelhof: Emo ist immer gut. Kommt mir entgegen, zumindest vong Namensgebung her. Schönen Burger mit dem freundlichen Moslem aus dem Borgwürfel gegessen. Weil der Typ immer weiß, was gut ist. Da verzeihe ich ihm sogar den Förderschülerapostroph seines aktuellen Lieblingsburgerladens.

Burger Junkys, Treptow: Nach langer Zeit mal wieder im Kungerkiez rumgetrieben und ja, sie haben jetzt auch hier einen oberamtlichen Burgerladen. Ein Könner, der da kocht. Maulfaul, aber er hat es drauf. Ich bin ein großer Freund des Kartoffelchips des Burgers und vermelde: Gut. Guter Laden. Der fußläufige Stromkasten dazu ist sehr okay. Gute Höhe. Für Berliner Verhältnisse wenig dreckig und kein Köterkot dran. Dort lässt sich essen.

Turtle Pizza, Kreuzberg: Direkt an der keimigen Schönlein(haha)straße gelegen, steht hinter der Theke ein Ausgebrannter, der mir erst mal entgegen ruft: „Isch kann dir ein Tipp geben, Alter: Werd‘ bloß nie Pizzabäcker!“ Als ich auf die Pizza warte, kotzt er sich aus, warum er das meint. Er muss den Laden wegen Corona alleine schmeißen. Zwei Leute gehen hygienemäßig nicht. Dazu Millionen Regeln. Tausend Kunden. Achthundertmal Händewaschen am Tag. Fünfhundertmal alle Flächen zum Kunden desinfizieren. Und kein Buddy als Backup. Und Pizza im Akkord. Er ist am Limit. Sieht man auch. Macht keinen Spaß der Job so, so viel ist klar. Aber die Pizza ist gut. Nicht weltberühmt, aber gut, wenn auch scheiße, das Ding wegen Corona im Regen auf einem Stromkasten zu essen. Aber egal, ich mag Typen, die ihr Herz auf der Zunge tragen und auskotzen.

Takumi Nine, Ramen, Prenzlauer Berg: Immer schon geil, der Laden, immer aber zu klein, deshalb zu voll und deshalb hoben die Betreiber zügig in Richtung Prenzlauer Berg-Superschnösel ab. Mit einem Zettel auf der schwitzigen Stirn: Hallo Suppenpöbel. Wir sind die Geilsten. Und wir wissen, dass wir geil sind. Praise us. Wir sind des Universums Geschenk an den Helmholtzplatz. Nur isch des jetz over. Corona hat sie geerdet. Keine volle Hütte mehr. Suppen zum Mitnehmen läuft nicht gut. Weil schwappt ja immer über und wer will das schon. Jetzt schlägt meine Stunde. Jetzt komme ich und sie müssen freundlich zu mir sein. Und die Suppe esse ich wo? Na auf dem Stromkasten natürlich. In letzter Zeit esse ich häufiger auf Stromkästen. Sitzen darf ich ja nicht.

Das war der März. In Bi Ba Bu Berlin. Mehr war nicht.