Das vorpubertäre Kind

„Papaaa, wieso muss ich denn immer noch in diesem Kindersitz sitzen?“

„Das ist kein Kindersitz, das ist eine Sitzerhöhung.“

„Papaaa, wieso muss ich denn immer noch in dieser Sitzerhöhung sitzen?“

„Weil du noch nicht ein Meter fuffzig groß bist.“

„Wieso muss ich denn ein Meter fuffzig sein?“

„Weil der Staat meint, dass du darunter zu klein bist, um ohne irgendwas unter dem Arsch in einem Auto zu sitzen.“

„Wieso meint der Staat das?“

„Weil der Staat möchte, dass dir nichts passiert.“

„Was geht das den Staat an, ob mir was passiert?“

(Oh fuck my brain, ich habe ein staatskritisches Kind, und das ausgerechnet mir, jetzt muss ich den vorschriftigen Nannyscheiß aus der Verkehrsbürokratenhölle auch noch erklären und ich weiß gar nicht wie und warum und was das soll, wir hatten als Kind auch keine dämliche Sitzerhöhung, wie soll ich denn rechtfertigen, dass dieser blöde und natürlich wieder Geld kostende Müll in dieser rundumwattegepolsterten Zeit plötzlich vorgeschrieben ist; wahrscheinlich nur deshalb, weil irgendwann mal irgendein Minister einen alten Lochschwager unterstützen wollte, der im strukturschwachen Münsterland eine Fabrik für Sitzerhöhungen besitzt, der es damals nicht gut ging und die wegen der Wahlkreisstimmen dringend unterstützt werden musste, und deshalb müssen wir jetzt alle so ein Scheißding für unsere Kinder kaufen oder gleich zwei, falls mal ein Freund im Auto mitfährt.

Oder es war wieder die EU, die nicht nur vor jeder dahergelaufenen Banken-, Agrar- und Pharmalobby im Staub kriecht, sondern auch vor der Sitzerhöhungslobby, die den weit über die Stufe seiner Unfähigkeit hinausgeschossenen Stabsleiter im Verkehrsressort mit fiesen Clips aus seiner Pornovergangenheit als Kettenledergimp im Eros-Center von Aachen in der Hand hat, so dass der, derart zahnschwitzend unter Druck gesetzt, eine hirnrindige Richtlinie in den Kontinent dünngeschissen hat, die vorpubertäre Kinder in eine nervige Sitzerhöhung zwingt, weil, äh, keine Ahnung, Supergrundrecht Sicherheit oder so, was weiß ich denn…)

„Papa …?“

„Häh?!“

„Warum geht den das was an, ob mir was passiert?“

„Ähm … pfff … böh … öhm … kein Plan … hast du Bock auf ein Hokey Pokey-Eis?“

„Jaaaaaaaaaaaaa, Hokey Pokey!“


(Das könnte der Auftakt zu einer neuen Miniserie sein. Das Kind wird langsam elfmalklug. Durchschaut Dinge. Hinterfragt Zeug. Manchmal nervig, manchmal witzig und daher oft aufschreibewürdig. Mal sehen.)


Das ehrliche Kind (5)

Das fatalistische Kind