Schneewalze und Blutschnee

Sieh an. Die überdrehten Spinner aus dem intellektuell, moralisch und reputationsmäßig hoffnungslos verkrebsten Onlineziegenjournalismus haben wieder mal den Untergang prognostiziert:

Achtung Achtung Deutschland! Minus 6 Grad! Mancherorts bis minus 10! Minus Zehn! Und das im Februar! Im Februa-har! Alerta! Alerta! Bringt euch in Sicherheit! Sterben! Alle! Wir! Der Fimbulwinter naht! Schneewalze! Blizzard! Blutschnee! Ragnarök!

Fire in the hole. Puller in my mouth. Death in my brain. Was bin ich froh, dass ich gestern noch acht Eimer Dosenravioli, fünf Paletten Klopapier, zwei Sechser Cola Zero und fünf Gramm Koks gepreppert habe. Gar nicht auszudenken was da hätte passieren können, würde ich von der arktischen Horrorschneewalze in meiner vorratslosen Kackbutze eingeschlossen werden.

Blurb.

Hirn aus.

Spot an.

Sie sehen Berlin-Prenzlauer Berg nach der vollmundigen Ankündigung der Apokalypse:

Ene mene.

Muh.

Mölb.

Ugga. Ugga.

Hölle Hölle Hölle.

Urst fiesestes Jahrhundertschneekatastropheninferno. Sogar das humorlose Coronamahnblatt des bräsigen Bezirksamts ist geknickt.

Und hier. Bombastisches Blizzardinferno am Arnswalder Busch. Nie sah man je mehr Schnee. Verzweiflung. Agonie. Vollendete Paralyse. So fühlt sich der Untergang der Zivilisation an.

Fuck the fucking Schneebilder.

Jeder blöde Blogger macht welche.

Und immer zu viele.

Die keiner sehen will.

Nur wo ist er denn jetzt, der Untergang? Ich dachte, es geht jetzt endlich los und wir gehen alle den Bach runter. Kratzen endlich alle ab. Werden zugeschissen mit Schnee und ersticken von Eispfeilen durchbohrt und Schneekugeln durchsiebt unter den Tonnen an Massen, die großmäulig angekündigt auf uns herabstürzen wie der ganze Himmel nebst aller Planeten und irgendwelcher interstellarer Birds of Prey. Armageddon halt. Das Ende von allem. Haben sie doch so unheilschwanger geschrieben. Alle von denen. Dass der Zusammenbruch jetzt wirklich kommt. In Gestalt der Schneewalze. Des arktischen Russenblizzards. Und des Blutschnees.

Tschingderassabum.

Tusch.

Nix is‘.

Es hat ein bisschen geschneit.

Bisschen Pulverzeug. In weiß. Kam von oben.

Gab auch Wind.

Vom üblen Osten.

Weil es Winter ist.

Da schneit’s halt auch mal.

Und der Wind kommt aus Russland.

Verstehe das Problem nicht.

Ich verstehe auch nicht, warum ich bei den Misthaufengockeljournalisten immer noch ab und zu reinklicke, wenn mir Google News ihren überdrehten Mist in den Feed spült. Denen kannste inzwischen wirklich nix mehr glauben, egal zu welchem Thema. Bringen nur noch Scheiße. Halbgaren Blödsinn. An den fettigen Haaren herbeigezogene Blähwürste. Aufgeblasene Backofenumluft. Egal zu welchem Thema. Gerne abgeschrieben von irgendwem, der vorher schon die Hysterieschraube bis zum ersten Knacken des Gewindes angedreht hat. Das kommt davon, wenn die 15jährigen direkt von der Schülerzeitung in die prekäre Onlinetrötenpresse wechseln. Die haben in ihrem Alter einfach außerhalb von TikTok noch nie Schnee gesehen und rasten bei jedem kleinen Flöckchen komplett aus. Rag-na-rök! Ar-ma-geddon! Schneewalze! Und Blutschnee! Buhu! Hasch mich, ich bin das Schlossgespenst. Klick Klick Klick mich. Wäre ich Russe bei sibirischen minus 30 Grad monatelang und jeden Morgen anderthalb Metern Neuschnee über meinem Lada, würde ich denken, die Deutschen sind völlig verblödet oder wollen mich verarschen. Ich meine hey, ich bin nur verlauster Halbblutpole und sogar ich lache mich tot über das tausendstimmige Panikgeplärre.

Weil es in Olenyok heute Minus 33 Grad werden. Ihr blöden Schneewalzenclowns. Und da keiner rumheult.

Kucke. Das hier ist der Bürgersteig von meinem Block:

Sie sehen: Oberhalb der Bordsteinkante ist nichts von Belang geschehen. Es schneite ein paar Zentimeter. Der von der korrupten Hausverwaltung beauftragte Schwippschwager, der bei uns den Winterdienst simuliert, fuhr mit seinem jämmerlichen Bürstenfahrzeug vor, modifizierte die vorher trittfeste Schneedecke in einen rutschigen Eispanzer und krümelte ein paar untaugliche homöopathische Fünkchen Split über sein Machwerk, damit sie auch lecker Streugut als Verbrauchsmaterial in meine Betriebskostenabrechnung spesenrittern dürfen. Die Hurensöhne.

Sonst war nix.

Nur der Journalismus 2021. Der war. Wieder mal. Als noch größere Lachnummer als vorher schon. Wolf! Wolf! Achtung da kommt der Wolf! Hülfe! Und dann kommt der nicht. Der Wolf. Nie kommt der. Nix zu sehen. Wie immer. Kein Armageddon. Kein Ragnarök. Schon wieder kein Untergang. Es ist nur Winter. Einfach nur Winter. Schneit halt. Und windet. So ist das im Februar. Klicken Sie also bitte im März wieder rein für die winterschneeblutige Fortsetzung von Berliner Kurier bis Tagesschau: Alerta Alerta! Null Grad! Frostgefahr! Bringt die Tulpenzwiebeln rein! Sie werden sonst sterben! Alle!


Neben dem Lockdown auch noch der Flockdown