Hurra, es gibt Gendertrötenbier

Na? Durst (m/w/d)?

Gulp.

Ha.

Sie glauben, ich verreiß‘ das jetzt, oder? Zieh‘ so richtig derbe drüber her. Einfach aus Prinzip. Wegen des drolligen Genderpopenders jetzt auch auf dem Bieretikett. Mach‘ ich sie runter. So megaschön unobjektiv. Um den penetrant nölenden Missionar🤡innen, biederkorrekten Sprachkommissar🤡innen und universitären Gehirnkrebs🤡innen, die ums Verrecken mit der Brechstange ihr Neusprech implementieren wollen, einen mitzugeben. Weil die das brauchen. Weil die so nerven. Weil sie die Veganer im Nervsackdasein abgelöst haben. Allen mit ihrer Mission so sehr auf den Zünder gehen. Immer und immer wieder. Bis die sprachgehandicapten Predigenden so langsam keiner mehr sehen kann in ihrem heiligen Eiferdrang. Und sich jeder freut, wenn die mal einen Dämpfer bekommen. Und dann bitte endlich wieder gehen, damit der nächste Missionar die Bühne betreten und den nächsten hotten Shit in die wundgenudelte Welt verkünden kann.

Ein Freund von mir hat das Pech, als personalwirtschaftlicher Restbestand in der abgewirtschafteten Berliner Verwaltung zu arbeiten. In seinem bedauernswerten Arbeitsbereich gibt es seit letzem Jahr die Order, bei interner Korrespondenz Unlaute, also Sonderzeichen, in die personenbezogenen Hauptwörter einzubauen. Dienstliche Anweisung. Bei Nichteinhaltung Sanktionen. Nice. Motivierender kann ein Arbeitgeber kaum noch werden.

Doch so werden sie es überall außerhalb ihrer Politsekte machen müssen, wenn sie ihren Wunsch nach Dekonstruktion der bestehenden Sprachverhältnisse durchsetzen wollen. Mit Zwang. Und Sanktionen. Es wird nicht ohne das funktionieren. Weil das, was sie da erfunden haben, zu umständlich ist. An der Auffassung jedes gerecht und billig denkenden Gehirns vorbeigeht. Das ist wie mit diesem inzwischen fast verschwundenen Binnen-I, das zu meinen Schulzeiten in den 90ern auch so ein Aktivistenprojekt irgendwelcher nervenwunden LehrerInnen war und sich letztlich bei der normalen Bauarbeiterin und dem normalen Lidlkassierer null durchgesetzt hat, ganz einfach weil es doof ist. Sich scheiße liest. Anzusehen ist. Und erst recht anhört. Und halt nervt wie Hulle. Und deshalb kann auch dieser Doppelpunkt, der Unterstrich oder das Sternchen, das sie jetzt mit so viel aufgesetzter Mühe unter Begleitung ihrer stromlinienmedialen Trommelfeuerbatterie in die Gesellschaft pumpen wollen, nur ein Elitenprojekt bleiben. Eine Establishmentgeburt. Tot von Beginn an. Weil von oben diktiert. Und nach unten gepresst. Hören Sie sich doch mal bei jenen um, die nicht diese Ideologie teilen (also quasi alle außerhalb von Berliner Universitäten, der Berliner Medienblase und den Führungsetagen der Berliner Verwaltung) oder nicht gerade karrieremäßig von ihr profitieren, dann werden Sie hören, dass diese Zwangsdurchsetzer und ihre Mission entweder nicht beliebt sind oder (noch besser) vollkommen egal.

Und das verstehe ich.

Weil ihr Duktus so nach entrücktem Politbüro müffelt.

Die ZK-Zombies aus dem alten Ostfernsehen sprachen damals auch so komisch in irgendwelchen routinebleichen Formelsätzen und wollten das auch von den anderen so haben.

Und kaum ließ der Druck nach, sprach keiner mehr so.

Und genau an dieser Stelle würde ich das superkorrekte wokegewaschene Unlauteaktivistenbier jetzt gerne verreißen. In Grund und Boden schreiben. In der vollen Überzeugung, dass etwas, das Sternchen auf dem Etikett hat, nicht nur scheiße aussieht, sondern in aller Konsequenz auch scheiße schmecken muss.

Allein, kann ich nicht.

Hier gerade mal nicht.

Das Bier von denen ist nämlich dummerweise gar nicht übel und dieses Ergebnis tut mir leid, denn ich hatte mir die Verrissphrasen im Kopf bereits beim Bezahlen an der Kasse schön zurecht gelegt. Geht nicht, denn es ist angenehm zu trinken, zischt gut, zumindest das Rote ist angenehm gehopft, ohne gleich wieder IPA-artig durchzudrehen wie diese bald leider coronapleite gehenden Italiener oben Prenzlauer Allee, bei denen ich im Sommer vor dem Einschluss noch gediegen, gemütlich und wieder einmal maßlos unvernünftig soff.

Das Helle langt allerdings hopfentechnisch ordentlich zu und dürfte für manchen, der süffiges, fast süßes Anfängerhelles aus Bayern oder wegen mir Tschechien kennt, zu hart sein. Ich fand es stark in Ordnung, aber ich bin der Hopfenfrage auch nicht zwingend empfindlich.

Natürlich ist das Zeug teurer als gewöhnliche Biere. 40 Cent pro Flasche im Schnitt, aber hey, Haltung muss was wert sein und vor allem weh tun, sonst wär’s keine. Hihi.

Sie müssen es mir auch an dieser Stelle wieder nachsehen: Ich bleibe in Bierangelegenheiten weiterhin Patriot, deswegen sind für mich polnische Biere die besten Biere überhaupt. Weiß Rot Tyskie. Ist bei mir eine emotionale Kiste. Ein Identitätsding, wenn Sie so wollen. Danach kommen die Russen mit ihren angenehmen hunderttausendundsieben Sorten Leningrader Baltika, dann die Tschechen, dann die Bayern und Berlin kommt nie. Weil Berliner Biere Pferdepisse sind, abgesehen maximal von ein paar kleinen Marken, die sie noch nicht hauptstadttypisch plörrig versauen konnten. Lemke. Eschenbräu vielleicht. Und ja, auch dieses Gendertrötending hier, wobei ich mit dem als Wegbier in der Hand nicht durch den Kiez laufen würde, weil dann womöglich die kiffenden Jugendlichen vom Arnswalder Platz mit dem Finger auf mich schluffischnaftes Gendersensibelchen zeigen und lachen würden („Iiih, kuck mal, der ist woke“) oder meine hässliche Bionadelitschinachbarin mit ihren noch hässlicheren Kindern und ihrer Denns-Biomarkt-Kundenkarte mich heiraten möchte, weil sie denkt, dass ich jetzt einer der ihren bin (bin ich nicht, werde ich auch nicht, nie, denn ich mag Bratwurst und finde Tofu so abscheulich wie meine vollkörnige Nachbarschaft).

Dennoch allerernsthaft versöhnlich und im besten Willen objektiv: Dieses identitäre Quartier*meist🤡x_in aus der Pomobubble ist nicht die erwartete fiese Plörrpisse und allein das ist für ein Berliner Bier immerhin ein dreiviertel Gramm Anerkennung. Wenn Sie also voll aware, supersensibel, postmodern bis zum Zäpfchen und ein Freund gesellschaftlicher Dekonstruktion sind und Ihre Haltung wie ein herkömmlicher Veganer gerne plakativ in die uninteressierte Umwelt blasen, dann sind Sie hier genau richtig, dann ist das genau Ihr Bier. Na zdrowie.


credits:


Weiterführendes in Alkoholfrei


Der Blognachbar mag drüber diskutieren (tightes Titelbild btw)