Lass mal netzwerken – Links vom 17. Dezember 2016

Auf dem Bahnsteig. Ein Pärchen.

„Deine Krawatte passt nicht zum Anzug.“

„Halt die Fresse.“

„Deine… aber …“

„Halt die Fresse. Ich werf dich vor die Bahn.“

Dann grätscht der Lautsprecher dazwischen. „Aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf muss die S42 leider entfallen…“

Mein Berlin.

Noch was? Ja klar. Es gibt jemanden, der nicht mehr mit ansehen konnte, dass ich bei Laufevents immer mit Horden von sendungsbewussten Vegan Runnern konfrontiert werde, die ihrem Umfeld mit ihrer Ernährung auf den Sack gehen. Eine freundliche junge Frau brachte Abhilfe:

Wenn Sie also demnächst einen Läufer mit diesem Logo auf dem Rücken sehen, sprechen Sie mich bloß nicht an. Gefällt? Machen Sie sich auch eines. Lassen Sie uns eine Bewegung gründen. Den Vegan Runnern was entgegen setzen. Tote Schweinereste auf Rücken oder Bauch. Kommen Sie. Machen Sie mit. Make Laufsport great again. Fuck the Moralapostel. (Fürs bessere Verständnis: Der Veganer vom Plänterwald)

Vom Thema Essen zum Thema Essen. Der Kiezschreiber hat das Tian Fu als Empfehlung gedroppt, bei mir in die Kommentare gekackt und weil er wohl denkt, dass ich alles vergesse (womit er prinzipiell Recht hat), hat er es kürzlich noch einmal nachgeschissen. Ja, Mann, ja doch, jaaaaaaaa, ich geh‘ ja schon hin, wieder nach, keine Ahnung, was ist das hier, fucking Wilmersdorf wieder. Weltreise von Prenzlauer Berg, aber wieder erfreulich unaufgeregt, dörflich, sofort einschläfernd, ich entschleunige schon beim Aussteigen aus der U-Bahn. Hier, watch this, ein schöner U-Bahnhof:

Swag haben sie, die Monarchieschlümpfe, das muss man ihnen lassen. Sonst gibt die Gegend wenig her, was Touristen, Mitteschnösel und aufgeregte Bamberger Mediendesignstudentinnen glücklich macht: In den 60ern kleben gebliebe Cafés mit angeschlossener Bäckerei, an deren Tischen in den 30ern kleben gebliebe Greisinnen mit knallroten Escortservicelippen kauern, Modelleisenbahnbedarfe, Boutiquen mit 60er-Mode, irgendwer vertickt Hüte, Lampen, Trödel auch, Eisenwaren, hier muss doch noch ein Eisenwarenladen sein, sagt mir bitte, dass es den hier noch gibt. Hier atmet das alte Westberlin und es sieht nicht aus als ob es so schnell stirbt. Nett. Ich meine das ehrlich. 60er-Jahre. Und mittendrin das hier:

Mit stylisher Inneneinrichtung.

Ich mag das ja. Je weniger desto besser, das Wenige bitte gut gemacht, guter Inneneinrichter, mit Skills, toll, hier, das sind ihre Glühbirnen:

Stylepiloten. Meinen Respekt.

Was die zu essen haben? Scharfes Zeug, fick mich weg, ist das Zeug scharf, aber gut gemacht scharf, rund, aromatisch, die Schärfe noch leicht zitronig, nach dem sie Ihnen die Zunge in Fetzen gebrannt hat. Starker Auftritt. Schönes Lokal. Das hier sind Hühnerfüße, die Reste davon natürlich, ich hasse Essensbilder:

Ich habe eine Frage: Wie kann man Hühnerfüße vernünftig essen, ohne komplett die Würde zu verlieren? Geht das? Sagen Sie mir wie. Ich habe winzige Knochenteile im Bart hängen, die Suppe läuft mir das Kinn runter und meine Finger sehen aus wie nach dem Schlammcatchen, Soße unter den Fingernägeln, Soße am Handgelenk, die in den Ärmel läuft, Soße im Bart. Es braucht drei Servietten, um wieder ein vorzeigbares Mitglied des Gastraums zu werden. Vorder- und Rückseite jeweils. Leckeres Zeug, aber krass in der Handhabung. Helfen Sie mir. Wie isst man das?

So. Mehr Essenreste, hier ein Sechuanirgendwas mit Rind. Schärfegrad 3. Von 3. Aua, es brennt sogar in den Augen beim Hinschauen:

Selbstverständlich ist auch ein Honk da. Wo ich bin, sind immer auch Honks. Ich nenne ihn schon nach kurzer Zeit den Pseudokosmopolitenhonk. Er belästigt den Service, der zu höflich ist, dem Typen aufs Maul zu hauen und ihn aus dem Lokal vor einen fahrenden LKW zu werfen, mit sinnlosen Klugscheißereien aus Fernost. Sein Sohn wohnt in Hongkong, deswegen kenne er sich mit den Sechuanküche sehr gut aus. Der Service versucht darauf hinzuweisen, dass die Küche aus Hongkong sich von der aus Sechuan unterscheidet, Hongkong leichter, Sechuan derber, aber er dringt einfach nicht durch, denn der Quassler quasselt noch mehr aufgeschnappten Scheißdreck, um sich wichtig zu tun, Scheißdreck, von dem kaum etwas stimmt oder Sinn ergibt oder überhaupt jemanden interessiert, schon gar nicht mich, der ich auf mein Wasser warte, weil mir die Fresse brennt und ich Durst habe. Ein Sabbelkopf. Sabbelköpfe finden mich immer. Auch hier in Wilmersdorf. Vermutlich könnte ich zum Mond oder auf den Kometen Hyakutake fliegen und dort würde schon kurz nach meiner Landung ein Sabbler vorbeikommen und einfach drauflos sabbeln. Ein Fluch. Irgendjemand hat mich verflucht. Bestimmt ein Veganer. Oder ein Radfahrer. Oder ein feministischer Jammerkreis. Ich ziehe Sabbler durch Berlin hinter mir her wie im Internet die Trolle. Und alle reden zu viel.

Bleiben die Fakten: 2 Personen. Vier Vorspeisen. Zwei Hauptgänge. Wasser. Kein Alkohol. Das Essen außergewöhnlich gut. 58 Euro. Anständig.

So ist das. Es lohnt sich, dem Kiezschreiber hinterher zu fressen. Er hat Ahnung. Auch wieder ein sehr gutes Lokal.

Bonusinformation, um die keiner gebeten hat: Kein unvaselinierter Arschfick kann so brennen wie die Rosette etwa 6 bis 8 Stunden nach dem Essen im Tian Fu.

Tian Fu
Uhlandstraße 142
Wilmersdorf
http://tianfu.de/tianfu/

Jetzt wollen wir Wortspiele. Den Anfang macht natürlich ein Friseur. Heute ein Oldie, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Zeilensturm:

Haarpunzel. Meine Güte ist das übel. Wir sind am Boden angekommen. Es geht nicht mehr tiefer. Ra Ra. Das Ra macht es noch viel schlimmer, es scheint mir als Erläuterung angebracht worden zu sein – für die völlig Verblödeten, die das Wortspiel nicht verstehen. Wo habe ich eigentlich meine Zyankalikapseln hingelegt? Vorhin waren sie noch da, ich muss hier weg, diese Gesellschaft tötet mein Hirn langsam und qualvoll, mit Wortspielen…

Das bepissteste Wortspiel diese Woche hat jedoch Spiegel Online in die Welt geschissen:

(Um Himmels Willen nein, ich lese dieses Boulevardportal nicht, irgendwer schickte das in die Telegramgruppe und ich habe es angeklickt. Und das war ausnahmsweise gut so. Als neue Blogwurst fürs Blog.)

Und eine scheußliche Supermarktkette kann dieses uralte Wortspiel mit ihrem Namen nicht lassen, das war schon in den 90ern total oll:

Sehr kreativ. Haben die dafür irgendwelchen Werbeärschen Geld bezahlt oder kam da der Lagerpraktikant während des Scheißens drauf?

Doch warte, hey, ich hab‘ was krasses gesehen, was richtig krasses, also so richtig krass, das krasseste Ding der Welt, hier, watch this:

Nichts zu sehen? Altersweitsichtigkeit? Hier, zoom this:

Ein Friseur. Punkt. Kein Wortspiel. Nur ‚Friseur‘. Bam. Nüschte sonst. Was stimmt mit dem nicht? Für wen hält der sich, für einen verdammten Puristen?

Gut jetzt. Zuletzt wird es doch noch einmal kurz ernst: Ich habe die Info von jemandem, der es offenbar gut mit mir meint, bekommen, dass ein mittelmäßiger Kabarettist ganze Abschnitte aus diesem Blog in sein Programm einbaut. Ich kann das nicht verifizieren, weil ich keinen Bock habe, Eintritt zu zahlen, um mir meinen eigenen Mist vorgelesen zu bekommen, deshalb hier noch einmal ganz in Ruhe der Hinweis auf die Creative Commons-Lizenz von dem Ding hier und das was Sie damit tun und vor allem nicht tun dürfen: Klauen Sie. Gerne. Bilder. Texte. Spiegeln Sie in Foren. Ab zu Reddit oder in Ihr eigenes Blog. Oder lesen Sie den Scheiß Ihren Kindern vor. Mir egal. Copy. Paste. Kein Problem. Sie müssen nicht mal fragen, aber bitte verdienen Sie damit kein Geld (nein, auch keine Eintrittsgelder) und wenn Sie schon fremdes Zeug ins Internet knallen, weil Sie nix eigenes auf die Kette kriegen, dann setzen Sie um Himmels Willen einen Link woher Sie es haben. Das ist dann der Unterschied zwischen Fairness und Arschloch. Bitte sehr. Das sind die einzigen Regeln. Überschaubar, oder? Das schaffen sogar Kabarettisten, die so arm dran sind, dass sie sogar im Quatsch Comedy Club auftreten müssen.

Von sinnlosen zu sinnvollen Existenzen. Helfen Sie mit, dass Claudias Projekt „Formulare verstehbar machen“ weitergehen kann. Das Projekt übersetzt die gängigen Amtsformulare in eine Sprache, die Flüchtlinge verstehen können, was insofern beachtenswert ist, da ich die Formulare, mit denen hiesige Behörden ihre Bürger quälen, nicht einmal auf deutsch verstehe. Haben Sie noch Geld übrig? Dann geben Sie doch einfach. Es ist sinnvoll.

Die Links. Read this:

M7Der Iwan ist wieder da
Böse böse Russen. Böse Russen. Ach. Böse. Russen. Immer noch. Immer wieder neu. Wie wird sich die Atlantik-Brücke eigentlich mit Trump arrangieren? Und wie werden sie es in ihren Organen verkaufen?

Burks‘ BlogImpulse für die Kleinbourgeoisie und andere Nachtwächter
Ein zu gut meinender Werber mit Einfluss, Priviliegien und auf jeden Fall ordentlichem Einkommen blacklistet mit zu viel Furor den politischen Gegner, bekommt den erwartbaren Gegenwind und verkauft sich nun als Opfer. Diese absurde und in jeder Hinsicht kontraproduktive Aktion macht Leute wie Tichy und Broder im Ergebnis zu glaubwürdigen Kämpfern für die Meinungsfreiheit. Das ist auf so vielen Ebenen bescheuert.

WestendstoriesBremens saubere Hände
Bigotterie.

FeynsinnDie Hauptstadt ist verloren
Ist sie. Und das ist gut so.

LeiseTöneBevor auch die letzten gehen, nochmal einen echten Scheißtext schreiben,
Rants! Rants! Klicken Sie mehr Rants! Klick Klick Klickelifick.

Jahrgang 1953Markus Feldenkirchen und der gesunde Menschenverstand
Da plädiert tatsächlich einer für Red Bull Leipzig. Ehrlich? Die haben Fans? Warum?

DenkfabrikblogThe Procedure
Ja ja ja geil! Der Film des Jahres. Mein Leben in gut drei Minuten auf den Punkt gebracht.

Das Schaaf bloggtNeues Mittwochs-Wasn-Dasn (Aufloesung)
Was es alles gibt. Und das Schlimmste: Da saß jemand dran und hat das Design gemacht. Ein Designer. Für so ein Ding. Frage: Was macht jemand, dessen Job es ist, absoluten Unsinn herzustellen und zu verkaufen? Ich weiß es. Ehrlich. Es gibt exakt zwei Möglichkeiten, in so einem Zustand nicht wahnsinnig zu werden: Sich ritzen. Oder bloggen. Ist echt so.