Lass mal netzwerken – Links vom 6. November 2016

Es gibt ein paar Leute, die den Mist von hier durch Facebook und Twitter nudeln, so dass die Zugriffe manchmal geradezu durch die Exosphäre gehen, auch wenn ich bei Facebook und Twitter gar keinen Account habe. Das sind Zugriffszahlen, die mit Blogs kaum mehr erreichbar sind. Ich hatte vor ein paar Jahren einmal eine Verlinkung durch einen bekannten Alphablog. Das war ein Bruchteil dessen, was inzwischen über diese klinischen sozialen Netzwerke reinkommt. Das ist ganz abgesehen von der offenbar enormen Reichweite auf eine Art schade und ein Zeichen, dass Blogs sukzessive den Bach runtergehen. Blogs sind von gestern. Nullerjahre. Altbacken womöglich.

So. Ich muss mich jetzt dafür bedanken, oder? Für die ganzen Facebookzugriffe. Die Klicks. Die Shares. D-d-d-d- komm du kannst es -d-d-d- los doch -d-d-d- möööh -d-d-d-d-d- danke für die p-p-p- promotion. Sehr freundlich. Mööp. Ich brauch‘ dringend ’nen Friseur, einen aus Göppingen:

(danke, Uwe)

Und der hier ist was für die Freunde der Achselhaare. Oder von Chewbacca:

(danke, Voodooschaaf)

Noch was? Ja. Ich habe in meiner unfassbaren Leichtsinnigkeit ein Buch gekauft und auch noch gelesen. Nils Heinrich – Sei froh dass du nicht Joghurt heißt, empfohlen von Frau Müller und der feuchte Traum aller bräsigen Papablogs.

Der Plot? So banal wie ausgelutscht: Supercooler Typ mit supercoolem Leben wird Vater. Alles ändert sich und jetzt stolpert er tapsig wie Balu der Bär in die Vaterschaft, kann nix, is‘ nix, bringt nix, alles läuft durcheinander und würde komplett den Bach runtergehen, gäbe es nicht die supervorbereitete Powermutter ohne Makel, die ihre – nunmehr zwei – Kinder (zum anderen Kind ist der ehemals supercoole Typ mutiert) im Griff hat. Chr. Chr. Hallo? Noch jemand wach?

Das Buch ist fast schmerzhaft um Witzigkeit bemüht, wenn es nicht gerade Banalitäten aneinanderreiht. Leseprobe? Hier:

Hier in unserer Wohnung gab es nämlich schon Foodsharing, bevor zugezogene Hipster in Kreuzberg ein Geschäftsmodell daraus gemacht haben! Hier wurde das Futter immer schon verteilt. Gleichmäßig auf dem Boden, Food by Foot, aber mit Stoppersocken.

Traurig, oder? So zieht sich das durch das ganze Buch. Sprachlich nicht wenigstens auf einer Seite das Niveau eines durchschnittlichen Kreuzberger Poetry Slams erreichend, quälte mich das Buch mit halbseidenen Gags, mühsam auf lustig konstruierten Alltagssituationen auf dem Level von Kaya Yanar (nur mit Kindern statt mit Ausländern) und ganz altbacken daherkommenden Neunmalklugheiten, für die sich sogar jeder durchschnittliche Papablog zu schade wäre. Ein paar locker eingestreute Klischees (zum Beispiel über sich auf Kreuzfahrtschiffen verdingende Europleitengriechen) als Politflocken obendrauf gestreut und fertig ist das perfekte Buch für Prenzlauer Berger Wohlstandsbürger, die außer an Wände gekotzten Babybrei keine anderen Probleme mehr haben. Mehr passiert auch nicht. Baby kotzt. Baby wirft mit Zeug. Baby pisst. Baby mag keine Brillen. Wenn Sie auch ein Kind haben, dürften auch Ihnen bei der Lektüre die Füße, die Arme, ach was sag‘ ich, es dürfte Ihnen der ganze Torso einschlafen. Und wenn Sie kein Kind haben, wissen Sie gar nicht von was der da faselt. Biedermeier. Das Buch ist perfekt für die Biedermeierzeit. Kamin an. Mama backt einen Kuchen. Es duftet nach Zimt. Der Schaukelstuhl knarzt. Jetzt kann gelesen werden. Einen Pilcher. Mario Barth. Oder das hier. Wenn es wenigstens witzig wäre. Doch nix. Nicht witzig. Nicht fresh. Nicht packend. Fürchterlich öde. Ich war froh als es vorbei war. Hätte ich mir nicht Notizen gemacht, hätte ich schon Minuten später alles vergessen, was da auf zu vielen überflüssigen Seiten zusammengeflickt wurde. Wäre das Buch ein Blog, hätte ich den Feed gekündigt. Kaufen Sie das nicht. Es lohnt sich nicht. Lesen Sie lieber ein gutes Buch. Keinen solch unwitzigen Papamist. Lesen Sie Anke Stelling. Bodentiefe Fenster. So geht Buch.

Von einem schlechten Buch zu einem guten Film. Es gibt wohl kaum eine tragischere Filmfigur als einen alternden Boxer (okay, eine alternde Hure in einer Seitenstraße auf St. Pauli vielleicht). Ich habe den Film Herbert gesehen, den Sie inzwischen als Stream bei diversen Portalen leihen können. Kurz zusammengefasst: Wir sehen einem alten Boxer in einem tristen ostdeutschen Städtchen beim Sterben zu. In der ganzen Konsequenz. In aller Härte. In jeder Hinsicht schonungslos. Siechtum. Agonie. Ein Abstieg in die Hölle. Es ist ein großartiger Film mit einem überirdisch spielenden Peter Kurth. Der letzte Film, der mich so geflasht hat, dass ich am Schluss irgendwas im Auge hatte, war der schwedische Film Ein Mann namens Ove, wobei Herbert (auf englisch übrigens A heavy heart) als Film Noir in seiner konsequenten Trostlosigkeit eine wirklich sehr harte Nummer ist, während Ove zumindest noch als schwarze Komödie mit recht lustiger Grundstimmung durchgeht. Herbert hingegen ist ein Knockout. Ein Film wie ein Schlag in die Fresse. Schlicht brutal. Schauen Sie das. Es lohnt sich.

Die Links. Read this:

Radikale HeiterkeitHatte ich etwa ein Messer in Sibirien?
Eigentlich ein schönes Ding. Leider hat ihn ganz zuletzt die Courage verlassen und er hat einen relativierenden „Ich hab’s doch gar nicht so gemeint“-Link gedroppt. Vermutlich hatte er Angst, dass eine vom Justizminister eingesetzte Kommission voller Aufschreifeministinnen das Ding irgendwann als Hatespeech kategorisiert und löschen lässt. Gut isser ja. Nur konsequent noch nicht.

Hier, so geht Konsequenz:

seppologWeltmännertag
Sat*ire, Koll*ege.

Kotzendes EinhornTrailer für Trainspotting 2
Ich hätte nie gedacht, dass sie vom Film meines Lebens, meines absoluten und ewigen Favoriten eine Fortsetzung machen werden. Mit dem selben Cast. Flash. Exciting.

Das Schaaf bloggtNeues Mittwochs-Wasn-Dasn (Aufloesung)
Statt Katzen.

ahoi polloi(1630)
Der wöchentliche Ahoi Polloi. Groß wie oft.

Fefes BlogMon Oct 31 2016
Star Trek-Witze sind frauenfeindlich.

westendstoriesTraurig

Frau MutterGlamour pur? Als Diplomatenfamilie im Ausland leben
Scheißegal, ob Sie den Link klicken. Er nutzt nur als Aufhänger. In letzter Zeit bekomme ich über irgendwelche Messenger wieder öfter Links zu diesen gruseligen Mütterblogs geschickt, in denen furchtbar geschwätzige Menschen die ganzen Faxen, Eigenheiten, Vorlieben, Abneigungen, Alter, Größe, Frisuren und sowieso alle Lernfortschritte, Geburtstagskuchen und die geringelten Strumpfhosen ihrer kleinen Racker einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Oft genug mit Bildern. Und rechts oben ist ganz prominent der eigene Name nebst superdrolligem Familienfoto hingepappt, wovon jeder Interessierte zumindest den Nachnamen des Kindes folgern kann, selbst wenn die Gesichter abgeschnitten oder verpixelt sind. Da lesen Sie dann Geschichten über den kleinen Max, der leider immer noch nicht trocken ist (aber er hatte ja auch diese Koliken, es bleibt einem nix erspart), Lena-Marie und ihre Rechenschwäche oder über Amadeo-Savoy, dem Kind von Supermutti Mareike von einem weiteren dieser klickeliklick superbunten Berlin-Mitte-Mom-Blogs. Hey, wussten Sie schon, Amadeo-Savoy hatte doch neulich wieder diesen Ausschlag über der Poperze, wogegen Calendula leider gar nicht hilft, aber diese neue Supersalbe von Weleda hingegen schon (los los klick klick klickelifick den Affiliate Link, direkt über dem vom Foodhealthlifefuckfaceverlag gesponsorten Kochbuch, von dem fünf Exemplare in einem blöden Gewinnspiel verlost werden, für das man ein möglichst dämliches Gedicht über Herbstblumen in die Kommentarleiste koten muss). Es schüttelt mich. Ehrlich. Überall diese Kinder im Internet. Denkt denn da keiner weiter als bis zum nächsten geschenkten Cremchenset, über das wie bei allen geschenkten Dingen enthusiastisch geschrieben wird, weil man ja nächstes Mal wieder ein Geschenk haben möchte. Vielleicht eine Packung Babypuder. Oder eine Kiste Bioobst. Worüber man auch wieder enthusiastisch schreiben kann, damit man noch mehr Geschenke bekommt.

Möglicherweise werden sich diese weltweit ausgestellten Kinder später dafür sehr schämen, nur ein eitles Vermarktungssubjekt ihrer verstrahlten Bloggereltern aus dem Epizentrum des Biedermeiers gewesen zu sein, die sich nicht den Fick darum geschert haben, ob es ihren Kindern später unangenehm sein könnte, ihre Kindheit auf einer mit Werbung zugeschissenen Internetpräsenz vor den Augen einer neugierigen Kommentatorenblase für die Ewigkeit auf allen Waybackarchiven festgebrannt im Internet zu wissen. Hier. Pendeltheorie. Kennen Sie doch bestimmt. Es wird der Wunsch nach Privatheit zurückkommen, nach Rückzug, nach Geheimnissen, sie werden ihre bescheuerten Eltern mit ihren bescheuerten Blogs nicht weniger verachten als die 80er-Kinder ihre splitternackten Kommunehippieeltern, die ihre Ärsche und Penisse in Polaroidkameras gehalten haben. Ich weiß jetzt schon wo das enden wird. Auf der Couch. Das alles werden diese Zehnerjahre-Kinder irgendwann in aufwändigen Sitzungen aufarbeiten müssen. Heißer Berufstipp: Satteln Sie um und werden Sie glücklicher Therapeut in Mitte und Prenzlauer Berg. Hier sind sie alle privatversichert. Sie werden goldene Türknäufe in Ihrer Praxis haben. Und gefiltertes Himalayagletscherwasser im Wartezimmer.

Puh. Essen wir doch erst mal was:

Männer unter sich[Männeressen] Gebratener Safran-Reis mit Wildlachs